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Schulinterne Lehrerfortbildung am Ernestinum / "Interesse ist sehr groß"

Wie Schüler besser lernen können: Gymnasium sucht nach neuen Wegen

Rinteln (crs). "Wir wollen besser werden": Das ist das erklärte Ziel von Gymnasialleiter Reinhold Lüthen und seinem Team. Den Anstoß zu einer Reihe schulinterner Fortbildungsveranstaltungen für die Pädagogen hat die Schulinspektion vor gut zwei Jahren gegeben, die dem Ernestinum Nachholbedarf insbesondere beim "aktiven Lernen" attestiert hatte. Um dieses Lernen den Schülern leichter zu machen, lernt das Kollegium jetzt selber - und zwar aus den Erkenntnissen der Hirnforschung.

veröffentlicht am 12.02.2008 um 00:00 Uhr

"Wir wollen Wege erarbeiten, wie wir die Lernkultur verändern und verbessern können", sagt Lüthen. Zum Auftakt der Fortbildungen hat Dozent Peter Nissen den Lehrern in der vergangenen Woche einen Einblick in die Erkenntnisse der Hirnforschung gegeben und anhand praxisbezogener Anregungen deutlich gemacht, wie neurobiologische Forschungsergebnisse für die Weiterentwicklung des Unterrichts von Nutzen sein können. "Die Erkenntnisse der Hirnforschung sind unbestritten", sagt Nissen, der sich als Schulleiter im Ruhestand auf die Beratung von Schulen bei ihrer pädagogischen Entwicklung spezialisiert hat. "Aber noch tut sich Schule schwer damit, die Erkenntnisse in die Praxis umzusetzen." Mit seinen Vorträgen will Nissen bei den Pädagogen daher vor allem das Bewusstsein für neue Ansätze schaffen. Dazu zählen zum Beispiel eine individuellere Förderung der Schüler, das Erarbeiten von Unterrichtsinhalten in Kleingruppen, ein projektorientiertes Arbeiten und insgesamt mehr Verantwortung der Schüler für ihr eigenes Lernen. "Lernen muss viel stärker als bisher individualisierend stattfinden", fordert Nissen - und bezeichnet es als "irrsinnige Annahme", dass bei 30 Schülern in einer Klasse jeder Einzelne auch einzeln gefördert werden könne. Da aber für kleinere Klassen die Lehrer fehlten, sei der Unterricht in Kleingruppen eine gute Option: "Wenn die Schüler selber für ihr Lernen stärker verantwortlich sind, lernen sie auch mehr und besser." Der Lehrer solle sich eher als "Lernberater" einzelner Schüler verstehen, erläutert Nissen. Ebenso bringe die Orientierung auf konkrete Projekte Lernfortschritte. Um die Ziele umzusetzen, sei die Veränderung von Organisationsstrukturen erforderlich. Den 45-Minuten-Rhythmus will Nissen zugunsten eines Unterrichts in Doppelstunden abschaffen. Allerdings räumt er ein, dass die einzelne Schule allein diese Veränderungen kaum bewerkstelligen könne: "Unter alten Rahmenbedingungen neue Ansätze umzusetzen, das wird schwierig." Einige Impulse für den Schulalltag nehmen die Lehrer des Ernestinums gleichwohl mit. Gut vorstellen kann sich Lüthen zum Beispiel ein "Lernen an Stationen", bei dem die Schüler eigenständig Inhalte erarbeiten. Voneinander und miteinander lernen, darauf soll für die Zukunft ohnehin ein Fokus liegen: "Kooperatives Lernen wird immer wichtiger", regt Lüthen auch Modelle an, in denen ein Schüler als Experte seinen Mitschülern Wissen und Fähigkeiten vermittelt. Wegweisend ist die gemeinsame Fortbildung aller Lehrer am Ernestinum. Zwar haben auch früher Lehrer Schulungen besucht, "aber mit der Rückkehr in den Schulalltag verpuffte die Euphorie schnell", hält Lüthen das gemeinsame Entwickeln und Umsetzen einer neuen Lernkultur für entscheidend. "Nur im Zusammenspiel aller lässt sich der Weg finden." Die Bereitschaft dazu scheint da zu sein, bestätigt jedenfalls Dozent Peter Nissen den Rintelner Gymnasiallehrern: "Das Interesse war hier sehr groß."



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