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Übervolles Haus beim Pilgerkabarett mit Buck& Reineking im Hofgarten

Wie man Pilger richtig melken kann - und die Lipper kriegen nichts ab!

Möllenbeck. "Literarische Gewalttätigkeiten", so nennt sich das Kabarett von SZ-Redakteur Ulrich Reineking, wenn er seine regelmäßigen Auftritte in Bremen gibt. Aber auch hier in Rinteln, wo er meist sanftere Namen wählt, wird die Schlagkraft seiner Texte deutlich, sogar, als er in jetzt in Möllenbeck das scheinbar harmlose "Pilgern" zum Thema machte.

veröffentlicht am 09.11.2007 um 00:00 Uhr

Ausgebucht bis auf den letzten Platz - sogar zusätzliche Stühle

Autor:

Cornelia Kurth

Zusammen mit Musiker Volker Buck, dessen so angenehme und ausdrucksstarke Stimme immer wieder das Publikum bezirzt, spielte Reineking im "Hofgarten" am Kloster Möllenbeck vor ausverkauftem Saal und zog die Gäste, wie eigentlich immer, schon nach den ersten Sätzen auf seine Seite. Anlass für diesen Kabarettabend unter dem Stichwort "Ich bin dann mal weg" (Harpe Kerkeling) war der neue Pilgerweg Loccum-Volkenroda, der eine Abzweigung über Möllenbeck nimmt und damit "wirtschaftliche Zukunft auch und gerade ins Klosterdorf" bringen wird, so jedenfalls die Reineking'sche These. "Ein Pilger ist soviel wert wie eine Kuh, wenn man ihn richtig zu melken weiß" sagte er, mit Betonung auf dem Umstand, dass sich die Zahl der Pilgerwilligen in Deutschland seit dem Bestseller von Kerkeling mindestens verzehnfacht habe. Und natürlich hatte er jede Menge Tipps zum "Pilger-Melken" parat, sei es zum Beispiel, den in Möllenbeck Unterkunft Suchenden, wie ehemals in den Pilgerherbergen am Randes des Jakobsweges, noch die letzte "Flohkiste" für teures Geld als zunftgemäße Schlafstatt anzubieten, sei es die Idee, das Fell der für die anstehende Kaninchenschau nicht tauglichen Hoppler als Rheumaheilmittel zu verscherbeln, oder der Vorschlag, ein "Pilgerbier" zu brauen, den "Möllenbecker Vierfachbock." Nicht umsonst schließlich sollte Bürgermeister Karl Heinz Buchholz den Pilgerwegsbeauftragen so betrunken gemacht haben, dass der Stichweg nach Möllenbeck schon im diesjährigen Pilgerverzeichnis aufgeführt sei, zum Wohle des Dorfes "Handel und Wandel". Erste Schritte seien schon in die Wege geleitet, wusste er aus Insiderkreisen zu berichten. So sei Hofgarten-Gastronomin Anne Bolhöfer beobachtet worden, wie sie heimlich 30 Flaschen sauren Weines hinter dicken Klostermauern einmauerte, mit Pastor Trompeter als Schmierensteher, damit dieser Wein dann später zufällig als Jahrhunderte alte Trank entdeckt und dann schnappsglasweise an die Pilger verkauft werden könne. Und auch die örtliche Gymnastikgruppe übe fleißig dafür, tanzende Heiligenerscheinungen im Klosterkreuzgang auftauchen zu lassen, um danach schon fertig bedruckte XXL-T-Shirts mit dem Aufdruck "Engel über Möllenbeck" als stimmungsvolle Nachthemden zu verkaufen. All dieser Schabernack, ergänzt um unzählige Nebenscherze, wurde begleitet von Volker Bucks Liedern, ausgesprochen stimmungsvolle, darunter Johnny Cashs Songs "Aus dem Gebetbuch meiner Mutter", der berühmte Gospelsong "Amen" oder auch "Michael, row the boad ashore, hallelujah", bei denen die Gäste durchaus bewegt mitsangen. "Kurz, die Wirtschaft blüht und gedeiht", so beschloss der Kabarettist den Pilgerprogrammteil, "und das Schönste ist: die Lipper kriegen nichts davon ab!" Nach der Pause gab es wieder die berühmten Reineking-Geschichten, für Fans des stimmgewaltigen Entertainers Altbekanntes dabei, aber auch zum Beispiel das ungeheuer lebensnah vulgär vorgetragene Portrait eines Messeverkäufers. Ein Guru des Marktes, der heilende Fußsalbe anbietet, wo der Kauf schon deshalb lohnt, weil sie fast billiger ist als der Besuch einer Arztpraxis, wo man "zehn Euro Eintrittsgeld" zu zahlen hat. Nicht zum letzten Mal wird es so einen Kabarettabend im atmosphärisch durchaus geeigneten "Hofgarten" gegeben haben. "Vielleicht machen wir das ja im Sommer mal Open Air unter den Kastanienbäumen", juxten die Protagonisten des Abends.



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