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Der Naturschutzbund auf den Spuren des Neuntöters

Wie eine Oase in der Wüste

Schoholtensen (rd). Hobby-Ornithologe Marc Jameson hatte zu einer Neuntöter-Beobachtungswanderung im östlichen Auetal eingeladen. Acht Naturfreunde freuten sich über dieses Angebot und starteten mit Jameson eine interessante Tour am Schoholtenser Dorfgemeinschaftshaus.

veröffentlicht am 20.02.2009 um 16:06 Uhr

Früher kannte man ihn als Dorndreher, heute ist er der Neuntöter

Zunächst ging es von der Florianstraße Richtung Reinsdorfer Weg. Von dort ging es über einen Feldweg nach Reinsdorf. An diesem Weg liegt nach rund 200 Metern eine mit Hecken durchsetzte Feldmark. "Diese Hecken sind vergleichbar mit einer Oase in der Wüste, erklärt Jameson: "Hecken an Wiesen und Feldern sind die letzten Rückzugsräume für Pflanzen und rund 1000 Tierarten." Aber warum sind Hecken bei Tieren des Waldes und der Feldflur so beliebt? Aufgrund der vielfältigen Strukturen finden Tiere neben Nahrung auch Schlaf- und Rastplätze auf kleinstem Raum. Einige der dort lebenden Tierarten sind schon selten geworden. Dazu gehört auch der Neuntöter: Er ist ein Würger, den man im Auetal aber noch recht häufig begegnet. So auch in Schoholtensen. Von weitem sahen die Teilnehmer das bunte Neuntöter-Männchen auf einer erhöhten Ansitzwarte der Hecke. Das Männchen ist unschwer zu erkennen: blaugrauen Oberkopf, schwarzen Augenstreifen und brauner Rücken. Er hält nach Feinden oder Nahrung, den Insekten, Ausschau. Aus dem Weizenfeld heraus beobachtet das Weibchen die Beobachter. Das Weibchen ist im Gegensatz zu dem Männchen weniger auffällig gefärbt. Die Oberseite ist braun und die Brust quer gebändert. An Action fehlt es auf dieser Tour nicht: Das Männchen fliegt auf, landet auf dem Feldweg und packt mit seinem gebogenem Hackenschnabel einen Schmetterling. Warnend ruft er rau "gäck gäck" und fliegt mit seiner Beute zu einer benachbarten Brombeerhecke, wo auch schon seine zwei Jungvögel lauern. Wenn die Beute nicht sofort gefressen wird, wird diese in der Nähe als Vorrat auf einen Dorn gespießt, daher auch der Name Dorndreher, wie er früher genannt wurde. Mitte Mai bis Anfang Juni werden die vier bis sechs Eier gelegt. Die Brutdauer beträgt rund zwei Wochen, nach weiteren zwei Wochen verlassen die Jungen das Nest. Bei dieser Brut wurden nur zwei Eier gelegt und kamen auch nur zwei Junge durch, was wahrscheinlich mit dem regen und dem Wechselwetter zu tun hatte. Die gut drei Wochen alten Jungtiere, die wie das Weibchen gefärbt sind, werden in Nestnähe noch gefüttert, wie man beobachten konnte. Die Jungtiere müssen schnell stark werden denn Mitte August bis Mitte September ziehen sie weg. Nach der kleinen Rundwanderung kamen die Tierboebacher wieder an den Hecken vorbei: Das Männchen saß wieder auf seiner Sitzwarte. Dieses Mal mit einer fetten grünen Raupe im Schnabel.

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