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Vor Gericht: Hund angefahren - Herrchen schlägt Pizzaboten nieder / 1300 Euro Geldbuße für 38-Jährigen

Wie ein Pitbull, der durch den Wesenstest gefallen ist

Seggebruch/Bückeburg (ly). "Wir sind ein Volk von Hundenarren", sagt Armin Böhm, Direktor des Bückeburger Amtsgerichts. Wohl wahr. Und auch dies: Wenn dem besten Freund etwas zustößt, kann Herrchen schon mal die Nerven verlieren, das scheint nur allzu menschlich.

veröffentlicht am 11.11.2006 um 00:00 Uhr

In einem Fall aus Seggebruch ist ein Hundehalter allerdings völlig außer Kontrolle geraten und hat sich sogar wegen Körperverletzung strafbar gemacht. Grund: Ein Pizzataxi hatte seinen Vierbeiner angefahren. Das nicht angeleinte Tier war vors Auto gelaufen. Der Seggebrucher (38) beließ es daraufhin nicht bei Beschimpfungen. Wie ein Pitbull-Terrier, der schon dreimal durch den Wesenstest gefallen ist, stürzte er sich auf den Pizzaboten, schlug und trat zu. Wer schlagen will, muss zahlen: Der Ausraster kostet den Tierfreund 1300 Euro Bußgeld. Davon gehen 300 Euro als Schmerzensgeld an das Opfer, der Rest an eine gemeinnützige Einrichtung. Verurteilt wurde der Angeklagte indes nicht. Angesichts der Erregung, in welcher der nicht vorbestrafte Mann sich an jenem Abend im Mai befunden haben muss, fanden Richter Armin Böhm und Staatsanwalt Wilfried Stahlhut die vorläufige Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldauflage vertretbar. Die Schuld wurde als gering eingestuft. Dennoch: "Mein Mandant sieht ein, dass er sich falsch verhalten hat", so Verteidiger Dr. Volkmar Wissgott. Was mag in dem Schläger vorgegangen sein? Vielleicht dies: Ein halbes Jahr vorher hatte er einen anderen Hund einschläfern lassen müssen. Nun fürchtete der 38-Jährige offenbar, erneut einen vierbeinigen Hausgenossen zu verlieren. Er selbst sagt: "Ich war emotional geladen. Was da passiert ist, weiß ich auch nicht." Der Hund ist übrigens mit dem Leben davongekommen. Der Pizzafahrer war damals ausgestiegen, um dem Tier zu helfen, das wie tot auf der Straße lag. "Da kam auch schon der Herr angelaufen und hat mich geschlagen." Mit einem gehörigen Schrecken konnte der Helpser sich irgendwann in sein Auto retten. Anfangs mag das entsetzte Opfer geglaubt haben, dass der Angreifer seine Drohung wahr machen wollte: "Ich schlag dich tot!"

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