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Musikschüler rätseln: Wetter, Fußballfieber, mangelhaftes Management schuld?

Wie ein Musikfest mit einem tollen Programm voll ins Wasser gefallen ist

Rinteln. Geradezu melancholisch werden konnte einem angesichts der gähnenden Leere vor den Bühnen beim Schaumburger Programm zum Deutschen Musikschultag am vergangenen Sonnabend in Rinteln.

veröffentlicht am 18.06.2008 um 00:00 Uhr

Nicht nur die Percussions-Gruppe Cabasa hätte sich am Sonnabend

Autor:

Ulrich Reineking

Da gaben fröhliche Blasmusikanten oder Gitarrencombos aus der Region einen schmissigen Titel nach dem anderen zum Besten und vor ihnen standen gerade mal ein paar Handvoll Zuhörer. Die Mädels der KJMS-Tanzgruppen boten vollen Körpereinsatz in mitreißenden Choreografien. Percussionisten kloppten sich mit Leidenschaft die Finger wund - die Öffentlichkeit aber nahm davon allenfalls beiläufig Notiz, sieht man mal von den paar Unentwegten ab, die jeder Darbietung ihren wohlverdienten Beifall zollten. Junge Leute schwangen hingebungsvoll ihre Saxofone und schufen Klänge, die von denen des Käpt'n Cook kaum zu unterscheiden waren. Andere brachten Klassisches zu Gehör, ließen es swingen oder boten musikalische Streifzüge durch alle möglichen Stilrichtungen, doch waren da nur wenige, viel zu wenige, die sich darauf einließen. Und als am Abend die absolut professionell aufspielende Jazzrock- und Soulformation "Out of Order" aus Hameln ihre musikalische Wundertüte zelebrierte, kannte der Jubel der schließlich doch noch knapp hundert Zuhörer zwar kaum Grenzen, aber mit der drei- oder vierfachen Menge hätte das die totale Marktplatzfete werden können. Sicher mag die mäßige Resonanz auch der schlechten Witterung und dem grassierenden Fußballfieber geschuldet sein. Ganz sicher aber werden die Veranstalter darüber nachdenken müssen, ob sie Werbung und Öffentlichkeitsarbeit wirklich so organisiert hatten, dass alles Erdenkliche für die Mobilisierung getan wurde und wie das bei einem nächsten Mal zu verbessern wäre. Eltern von Musikschulkindern zeigten sich zum Teil verärgert darüber, dass nicht einmal sie rechtzeitig über das Ereignis informiert worden waren, um noch im Bekanntenkreis für diesen Besuch zu trommeln. Eine Frage aber bleibt dennoch: Warum wurden Leistung und Engagement der jungen Leute aus heimischen Ballettgruppen, Ensembles und Bands nicht von mehr Menschen durch einen Besuch gewürdigt - zumal die Anwesenden durchweg begeistert waren? Irgendeine Radio-Quasselstrippe mit Musik vom Band und dem Playback eines Stars von vorgestern - und der Platz wäre vermutlich bei freiem Eintritt auch dann voll gewesen, wenn es unentwegt gegossen hätte. Wer beklagt, warum manche jungen Leute beim Ausüben ihrer Hobbys so wenig Stehvermögen zeigen - im kollektiven Desinteresse liegt vermutlich auch eine Antwort dafür. Schade. Sehr schade.



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