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Unterwegs mit den Schaumburger Kandidaten: Dr. Joachim Runkel (CDU) ist der Favorit

Wie ein kleiner Junge, der einfach alle mitreißt

Mitten im zweiten Satz stutzt Joachim Runkel. Er hat die Gäste begrüßt und erklärt, was er möchte: in den nächsten Landtag gewählt werden. Dann überlegt er einen ganz kurzen Moment - und schiebt einen kurzen Satz hinterher: "Und das werde ich auch."

veröffentlicht am 15.01.2008 um 00:00 Uhr

Nicht wieder gewählt werden? Da kann Joachim Runkel (r.) nur her

Autor:

Frank Westermann

Seine Chancen stehen gut. Ganz anders als vor fünf Jahren, als der Wind des Wechsels durch das Land fegte und sogar etablierten Politgrößen niederschmetternd niedrige Wahlergebnisse um die Ohren schlug, ist von einer Wechselstimmung in diesen Tagen nichts zu spüren: In Niedersachsen ist zwei Wochen vor dem Urnengang eher Wahl ohne Kampf. Und Runkel ist nicht mehr der Neue, der an die Pforte des Parlaments klopft, sondern mittlerweile ein gestandener Polit-Profi, der den Wahlkampf früh begonnen hat: 16 Termine im September, 28 im Oktober, 25 im November und immerhin noch 20 im Dezember und im Januar - Runkel ist ein harter Arbeiter, nur Weihnachten gönnte er sich eine Pause. Der wirtschaftliche Aufschwung, der Abbau der Schulden und Arbeitslosigkeit: Die positiv besetzten Themen liegen für Runkel auf der Hand. Ein mitreißender Redner ist er nicht, der Ton bleibt stets sachlich, gerne setzt er die Fingerkuppen beim Reden aufeinander, die Augen wandern rechts über den Tisch, dann links, danach durch den Saal und wieder zum Tisch. Dafür hat er einen großen Vorteil: Er kann primamit Menschen. Runkel geht gern auf sie zu, bleibt automatisch in der richtigen Distanz - und reißt meistens einen kleinen Witz, über den er selber am stärksten lacht. Wie ein großer Junge sieht er dann aus - und hat alle Barrieren einfach niedergerissen. Zuweilen kommt sein Wortwitz trocken wieein Martini daher: "In jeder Schaumburger Kommune gibt es die schlechteste Straße des Landkreises zu beklagen", bewertet er im Bückeburger "Ambiente" die Sanierungsbegehrlichkeiten gegenüber der Regierung. Seine inhaltliche Botschaft ist klar: Seit ihrem Amtsantritt hat die CDU/FDP-Regierung die Neuverschuldung von fast drei Milliarden auf 600 Millionen Euro gesenkt, ab 2010, so führt Runkel immer wieder aus, sollen erstmals Altschulden abgebaut werden. Denn drei der fünf Jahre, die Runkel das zweitgrößte deutsche Flächenland mitregierte, waren Jahre des Sparens. Bluten mussten unter Ministerpräsident Christian Wulff die Wehrlosen, rechnet die "taz nord" fast genüsslich vor: Die Natur-, die Kultur- und die Sozialverbände, die Studenten, die Blinden, die Landesbeamten. Wie sieht Runkel dies? Naturgemäß anders: "Wir sind vor fünf Jahren mit dem Versprechen angetreten, kräftig sparen zu wollen. Daraus haben wir nie einen Hehl gemacht", erzählt er vor dem Sülbecker Penny-Markt, wo er an einem nasskalten Montagmorgen den Einkaufenden ein paar Info-Zettel anbietet. "Und wo wir Fehler gemacht haben, etwa beim Blindengeld, das wir zunächst streichen wollten, haben wir diese Fehler korrigiert." Generell sei es der Regierung immer nur um eins gegangen: "Den effizienten Einsatz der Mittel." Doch: "Gute Wirtschaftsdaten in Niedersachsen gehen im Wahlkampf unter", konstatiert die FAZ. Während in "Wulffs Winterwunderland" ("Dewezet") Wahl ohne Kampf angesagt ist, wird in Hessen mit harten Bandagen und strammen Sprüchen gestritten. Nicht ganz ohne Reiz ist die Vorstellung, Runkel für einen kurzen Moment nach Hessen zu beamen: auf einen Penny-Vorplatz in einem Frankfurter Vorort etwa. Würde er dort jetzt über "Schlachten in der Wohnküche" (Hessens Ministerpräsident Roland Koch) oder "unsere Sitten und Gebräuche" (ebenfalls Koch) und den "akzeptierten Sprecher einer schweigenden Mehrheit von Deutschen" (Koch über Koch) diskutieren? Runkel antwortet mit einer Gegenfrage: "Sie kennen mich seit sechs Jahren, seit meinen ersten Bewerbungsreden in Auetaler Gaststättenhinterzimmern. Wäre das mein Stil?" Nein, wäre es wohl nicht, der Rodenberger wäre zu eloquent und sich einfach viel zu schade, um sich in den Niederungen des stimmungsmachenden Stammtischgeredes zu suhlen. Eine dezidierte Meinung hat er aber dennoch. Natürlich müssten sich hier lebende Ausländer integrieren, doch ihre Identität aufgeben, das müssten sie nicht: "Oder würden Sie bei einem Umzug nach Italien nicht mehr der deutschen Fußballmannschaft die Daumen drücken?"

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