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Sparer und Anleger müssen für private Kapitalerträge rund 28 Prozent Abgaben leisten / Direkt von der Bank ans FA

Wie die Abgeltungssteuer zu handhaben ist

Private Kapitalerträge unterliegen seit dem 1. Januar 2009 der Einkommensteuer in Form der Abgeltungssteuer. Sie beträgt 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Mit der Abgeltungssteuer hat für Sparer und Anleger sozusagen eine neue Zeitrechnung begonnen. Das Einkommen aus privaten Kapitalerträgen wird prinzipiell und einheitlich an der „Quelle“, das heißt bei den Kreditinstituten, bei denen es anfällt, besteuert. Haltefristen und das Halbeinkünfteverfahren haben „ausgedient“.

veröffentlicht am 14.11.2010 um 19:00 Uhr

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Im Einkommensteuergesetz § 20 wird genau definiert, was alles zu den Einkünften aus Kapitalvermögen gehört. Das sind zum Beispiel Dividenden, Einnahmen aus einer stillen Beteiligung, Zinsen aus Hypotheken und Grundschulden und vieles mehr. Für den Großteil der Steuerzahler geht es – vereinfacht gesagt – im weitesten Sinne um Zinsen, Dividenden und Kursgewinne. Entstehen Einkünfte dieser Art, müssen von Banken und anderen Finanzdienstleistern bis zu 28 Prozent (inklusive Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer) als Abgabenlast direkt an das Finanzamt abgeführt werden.

Aber nicht alle Einkünfte werden im Rahmen der Abgeltungsteuer gleich behandelt. So werden beispielsweise zur Verhinderung von Steuergestaltungen bestimmte Einkünfte nicht der Abgeltungssteuer, sondern vielmehr dem regulären Steuersatz unterworfen. Dies gilt zum Beispiel für Sachverhalte wie Einnahmen aus einer stillen Beteiligung oder Zinszahlungen, wenn Gläubiger und Schuldner einander nahestehende Personen sind.

Mit Einführung der Abgeltungssteuer ist die Einkommensteuer grundsätzlich abgegolten und der Steuerbürger kann eigentlich auf das Ausfüllen der Anlage KAP – Einkünfte aus Kapitalvermögen – bei der Abgabe der Steuererklärung nunmehr verzichten. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel, beispielsweise dann, wenn die Freistellungsaufträge nicht oder nicht in ausreichender Höhe erteilt wurden. Der Sparer-Pauschbetrag beträgt für Einzelpersonen 801 Euro und bei Verheirateten 1602 Euro. Bis zu dieser Höhe sind Zinseinnahmen vollständig steuerfrei. Wurden die Freistellungsaufträge in geringerem Umfang erteilt, sollte die Anlage KAP ausgefüllt werden, um den steuerlichen Freibetrag in Gänze ausschöpfen zu können. Keinesfalls in der Einkommensteuererklärung vergessen werden dürfen private Darlehen, für die der Abgeltungssteuerabzug nicht automatisch durchgeführt werden kann. Dies sei an folgendem Beispiel verdeutlicht: Paul gewährt seiner Schwester Doris ein Privatdarlehen von 10 000 Euro, damit diese eine größere Investition tätigen kann. Dafür erhält Bruder Paul von Doris drei Prozent Darlehenszinsen jährlich. In einem solchen Fall muss Doris keine Abgeltungssteuer einbehalten, wohl aber Paul die erhaltenen Zinserträge in Anlage KAP seiner Einkommensteuerklärung angeben. Sie werden, weil Geschwister als nahestehende Personen gelten, mit dem persönlichen Steuersatz besteuert.

Werden Kapitalerträge über die Steuererklärung deklariert, nimmt das Finanzamt im Interesse des Steuerzahlers auf Antrag eine Günstigerprüfung vor. Keine Sorgen um die Abgeltungssteuer brauchen sich Anleger und Sparer mit einer sogenannten Nichtveranlagungsbescheinigung zu machen. Die NV-Bescheinigung erteilt das Finanzamt, wenn das voraussichtlich zu versteuernde Einkommen für 2010 unterhalb des Grundfreibetrags von 8004 / 16 008 Euro (alleinstehend / verheiratet) bleibt. Für 2009 betrug dieser 7834 beziehungsweise 15.668 Euro.

Es lohnt sich, die Hilfe von Steuerexperten in Anspruch zu nehmen, wenn’s um die eigenen Abgaben geht, die an den Staat zu entrichten sind. Viele Dinge sind für Laien ohne fremde Hilfe nicht durchschaubar.

Foto: BStBK



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