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Pflanzen aus aller Welt verdrängen heimische Flora / Züricher Professor hält Vortrag zum Tüxen-Preis

Wie der Riesenbärenklau Botaniker nervös macht

Rinteln (wm). Das, was der unbedarfte Beobachter in Rintelner Gärten, auf dem Friedhof, auf Brachflächen oder an Wegen als Natur ansieht, gleicht oft eher dem Sortiment eines Kolonialwarenladens als einer natürlich gewachsenen Lebensgemeinschaft. Neophyten nennt die Fachwelt Pflanzen, welche die Globalisierung vorweggenommen haben.

veröffentlicht am 07.04.2006 um 00:00 Uhr

Prof. Dr. Elias Landolt

Das ist das Thema desöffentlichen Abendvortrages anlässlich der Reinhold-Tüxen-Preis-Verleihung in Rinteln am Freitag, 12. Mai, um 20 Uhr im Brückentorsaal. Jeder Bürger ist dazu eingeladen. Professor Dr. Elias Landolt aus Zürich will am Beispiel seiner Heimatstadt schildern, wie sich Pflanzen aus aller Welt - meist durch Menschen - bei uns ausgebreitet und - weil oft aggressiv - die heimische Flora verdrängt haben. Wirklich bewusst ist den meisten Bürgern als Neophyt der Riesenbärenklau Heracleum aus dem Kaukasus, der sich in den Weserauen breit macht. Er kann bei Berührung unter Einwirkung von Sonnenlicht massive Verbrennungen verursachen. Nervös macht Botaniker und Kleingärtner auch die Armenische Brombeere, die verwildert wie ein lebender Stacheldrahtverhau große Flächen besiedelt und nur schwer wieder loszuwerden ist. Doch auch was alle schätzen, hat mit heimischer Vegetation oft nichts zu tun wie Rhododendronbüsche, Thuja- und Ligusterhecken, Geranien, Fuchsien, Robinien, die späte Traubenkirsche - auch Pflanzen sind Moden und Trends unterworfen, gepflanzt wird, was beim Nachbarn gefällt oder in Baumschulen und Gartenschulen günstig angeboten wird. Pflanzen, die von den Gärten dann oft auswildern. So ist beispielsweise die Kanadische Goldrute auf dem besten Weg, allgemeines Unkraut auf Sozialbrachen zu werden. Professor Dr. Elias Landolt will in seinem Vortrag auch darlegen, wie Globalisierung und Erderwärmung die Ausbreitung von Neophyten beschleunigt haben, von denen manche "biologische Zeitbomben" sind. Wie dramatisch langfristig eingeschleppte Tiere oder Pflanzen eine ganze Landschaft verändern können, lässt sich an den extremen Beispielen Neuseeland oder Australien ablesen.

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