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Gefahren für Mountainbiker im Kreisforst / Löcher bis zu vier Meter tief / Wege sind sicher

Wie Bombenkrater: Stollen im Wald eingestürzt

Landkreis (fox). Sie sehen aus wie Bombentrichter, die eingestürzten Stollen im Kreisforst. Und sie sind tückisch. Teilweise mit Laub aufgefüllt, teilweise noch nicht vollständig in sich zusammengesackt, stellen die Spätfolgen des Steinkohlebergbaus schlummernde Gefahren dar. Wer mit offenen Augen durch den Wald geht, hat jedoch kaum etwas zu befürchten. Querfeldein-Mountainbiker, die abseits der Wege mit hohem Tempo unterwegs sind, schon eher, meint Wendthagens Revierförster Lothar Seidel und mahnt zur Vorsicht.

veröffentlicht am 27.02.2009 um 06:48 Uhr

Revierförster Lothar Seidel an einem der eingestürzten Stollen v

Vom 17. Jahrhundert bis 1958 ist in Schaumburg Steinkohle abgebaut worden. Der Bückeberg ist im Nordwesten stark davon betroffen. Rund 25 Stollen durchziehen nach Angaben des Wendthäger Bergbau-Veteranen Alfred Heumann (69) den Bückeberg im Bereich des Forstamtes Spießingshol wie feine Adern. Die "Bahnhöfe" - Stellen innerhalb des Stollennetzes, an denen Kohleloren im Stollen aneinander vorbeigeführt wurden - stürzten am ehesten ein, berichtete Heumann. "In diesen Bereichen sind die Stollen rund drei Meter breit und zwei Meter hoch", sagte der ehemalige Bergmann. Der Windwurf des Orkans "Kyrill" und starke Regenfälle würden die Einbrüche begünstigen. Auch die Stollenbereiche, die nur von Holzbalken abgestützt werden, sackten allmählich in sich zusammen. Die Stollen lägen direkt unter der Sandsteinsohle. Nur zehn bis 15 Meter unter der Erdoberfläche, "manchmal auch nur sieben Meter", erklärte Heumann - "je nach Lage der Steinkohle". Dies sei eine Besonderheit, durch den erdnahen Abbau seien die Bereiche besonders gefährdet. Wie Seidel erklärte, sind rund die Hälfte des Forstgebietes von Wendthagen und Obernwöhren vom Bergbau betroffen. Fünf bis zehn akute Einstürze pro Jahr verzeichnet das Kreisforstamt. Um die Präsenz der Gefahr zu unterstreichen berichtete Seidel von einer Forstwirtin, die vor einiger Zeit im Revier nicht zur Mittagspause eingekehrt sei. "Nach 30 Minuten haben wir sie in einem Loch im Boden gefunden", sagte Seidel. Erst in unmittelbarer Nähe des Kraters habe man die Forstwirtin schreiengehört. "Diese Löcher sind teilweise im Schnitt so bauchig wie eine Sanduhr zu sehen. Man gerät oben hinein und kommt dann nicht wieder allein heraus. Man muss sich bei dem Sturz noch nicht einmal verletzten." Auch habe es einen Unfall mit einer Rückemaschine gegeben, die wegen ihres hohen Gewichtes eingesackt war. "Die konnten wir nur noch mit schwerem Gerät bergen", so der Revierförster. Die einbrechenden Stollen sind von Wanderwegen aus nur schwer auszumachen. Ganze Schachtgänge die einstürzen, lassen sich zwar als ausgeprägte Kluft im Waldboden erkennen. Die tiefen Krater klafften eher fernab der Wanderwege, was die Thematik für Seidel mit Blick auf touristische Aspekte entspannter gestaltet. Problematisch werde es nur für Waldbesucher, die sich abseits der Wegebewegten. Deshalb rät der Revierförster insbesondere Mountainbikern zur Vorsicht, auch Pilzsammler sollten die Augen offen halten. Aus forstwirtschaftlicher Sicht spielten die Krater ebenfalls eine Rolle: "Wir müssen hier verstärkt mit Naturverjüngung der Nadelgehölze arbeiten. Es hat keinen Sinn, in diesen Bereichen teuer Edelhölzer anzupflanzen", sagte Seidel.



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