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Um Probleme zu lösen : Stefan Wagner und Iris Burkhardt-Pawlik bieten Deeskalationstraining an

Wie bekommen Schulklassen ein "Wir"-Gefühl?

Rinteln (cok). Manchmal funktioniert in einer Schulklasse gar nichts mehr: Die Schüler geraten bei jeder Gelegenheit ungebremst aneinander, oder es ist ständig so laut, dass ein geregelter Unterricht unmöglich wird. In so einer Situation können Pastor Stefan Wagner und Sozialpädagogin Iris Burkhardt-Pawlik mit ihrem Deeskalationstraining Hilfe anbieten.

veröffentlicht am 14.12.2007 um 00:00 Uhr

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Während einer einjährigen Weiterbildung erarbeiteten sie sich Strategien zur Entspannung von Kommunikationsproblemen in Schulklassen. Je nachdem, was sich aus einem Vorgespräch mit den betroffenen Klassenlehrern ergibt, liegt der Schwerpunkt eines zweitägigen Trainings mit den Schülern auf den Themen "Gewalt", "Mobbing" oder "Gestörte Kommunikation". Dabei wird eher beiläufig über die konkret anliegende Problematik geredet, sondern es sind vor allem Rollen- und Gemeinschaftsspiele, die Lösungszugänge bieten sollen. "Natürlich können wir keine Erfolgsgarantie geben", so Stefan Wagner. "Aber eigentlich immer sind die Trainingstage der hilfreiche Anstoß dafür, die Probleme in einer Klasse mal aus einer ganz neuen Perspektive wahrzunehmen." So war das auch in einer siebten Klasse des Gymnasiums Ernestinum, in derSchüler und Lehrer sich gleichermaßen unwohl fühlten, weil es in vielen Unterrichtsstunden einfach nicht möglich war, eine ruhige Lernatmosphäre herzustellen. In Spielen, die nur gelingen können, wenn die Teilnehmer nicht gegeneinander kämpfen, sondern gemeinsame Strategien entwickeln, stellte sich bald heraus, dass es in der Klasse kein richtiges "Wir"-Gefühl gab. Die meisten handelten beim Spiel auf eigene Faust, andere machten nur Unsinn. Es klappte einfach nicht, die gestellteAufgabe zu lösen. Schon am zweiten Tag lief es besser. Jetzt ging es unter anderem darum, ein ziemlich hoch gespanntes Seil zuüberwinden. Kein Schüler durfte auf der Seilseite zurückbleiben. Da half es natürlich nicht, dass die Sportler gleich locker drüber sprangen, während die Unsportlichen ratlos stehenblieben. Nach gemeinsamer Beratung aber halfen sich die Gruppenmitglieder gegenseitig, indem sie zum Beispiel eine Art Treppe bildeten. "Das hört sich so einfach an", meint Stefan Wagner. "Aber genau durch solche Spiele - und das Sprechen darüber - wurde den meisten Schülern bewusst, dass sie eigentlich sehr gern eine Klassengemeinschaft hätten." Auch an der Hildburg-Realschule und der Hauptschule waren Stefan Wagner und Iris Burkhardt-Pawlik schon zu Gast. Dort ging es um "Mobbing" und auch die Angst vor Prügeleien. In Rollenspielen war es für die Schüler möglich, eine Meta-Ebene zu erreichen und mal wie von außen auf ihr eigenes Verhalten zu blicken. Nützlich ist es auch, die Klassen zwischendurch in reine Jungen- und reine Mädchengruppen aufzuteilen. Ohne das Gefühl, sich vor dem anderen Geschlecht brüsten oder verstecken zu müssen, können Probleme dann viel unbefangener besprochen werden. Hat sich denn nun etwas geändert, zum Beispiel in der 7. Ernestinum-Klasse? Einige befragte Schüler können das durchaus bejahen. "Ich glaube, so langsam werden wir doch eine Klasse, die zusammenhält", sagt einer. Und ein anderer: "Es ist schon viel leiser geworden - wirklich!" "Vieles, was so schwierig ist, liegt daran, dass die Regeln für ein entspannteres Zusammensein, die doch eigentlich alle wünschen, nicht wirklich durchsichtig sind, und dass es oft keine Konsequenzen für diejenigen gibt, die sie durchbrechen", meint Iris Burkhardt-Pawlik. "Schön wäre es, wenn wir solche Trainingstage regelmäßig und durchaus auch für Lehrerkollegien anbieten könnten."



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