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Eg Witt verteilt Urkunden für alle, die "gegen den Strom" angepaddelt sind

Wie aus einer Kunstaktion am Ende doch ein sportlicher Wettkampf wird

Rinteln (cok). Als Eg Witt im Juli diesen Jahres eine seine schönen Kunstaktionen startete, hätte er nicht vermutet, dass daraus zugleich ein sportlicher Wettkampf entstehen würde. "Stromstelle" hieß sein Projekt, bei dem unerfahrene Kajakfahrer auch im übertragenen Sinne spüren sollten, wie es ist, "gegen den Strom" zu schwimmen. Zum Abschluss des Ganzen verteilte er nun Urkunden an die Teilnehmer und konnte dabei nicht verhindern, dass man, amüsiert, ein bisschen an die Urkundenverteilung bei Bundesjugendspielen denken konnte.

veröffentlicht am 16.10.2006 um 00:00 Uhr

Die Projektteilnehmer präsentieren Blätter aus dem neuen Witt-Ka

"Ich dachte, der Mensch sei so edel, hilfreich und gut, dass er nicht unbedingt seine Leistungen mit denen der anderen vergleichen muss, sondern auch mal darüber stehen kann", sagte er mit netter Ironie. "Aber wenn das Volk es so will, dann darf eben doch sogar im Rahmen der Kunst ein Wettkampf entspringen." So einige der insgesamt 16 Kajakfahrer, Männer und Frauen jeden Alters, hatten nämlich sehr gejubelt, wenn sie bessere Zeiten und weitere Strecken mit dem schmalen Boot bewältigten als ihre Mitfahrer, und das, obwohl es eigentlich nur um ein individuelles Kräftemessen zwischen dem einzelnen Mensch und der Natur gehen sollte. Die Teilnehmer aber nahmen das alles gar nicht schwer. "Am Wettbewerb lag mir gar nichts", meinte Hannelore Lachmann aus Stadthagen, die damals für viel Spaß gesorgt hatte, weil ihr kleiner Hund so tapfer neben dem Boot hergeschwommen war. "Mich faszinierte wirklich das Motto "Gegen den Strom" zu schwimmen, weil das auch mein eigenes Anliegen ist." Und der Rintelner Werner Grolm betonte, dass es für ihn eine bedeutsame Erfahrung gewesen sei, zu spüren, wieviel Kraft und Besonnenheit es fordert, sich gegen etwas zu stemmen. "Ohne Pause und ein Nachgeben geht das gar nicht." Hildegard Droste beschrieb, wie sie mit dem ungewohnten Gefährt erstmal weserabwärts trieb und nur noch ein Ziel hatte: Den Startpunkt zu erreichen. "Als das gelang, was ich richtig glücklich!" So stellte sich heraus, dass tatsächlich jeder einzelne Teilnehmer eine besondere Erfahrung gemacht hatte, ganz im Sinne von Eg Witts Kunstauffassung, in der es um eine Eröffnung von Erfahrungshorizonten geht, die ohne solche Aktionen verschlossen bleiben. Die Foto-Grafiken, welche er unter den Teilnehmern verteilte, zeigen einen einsamen Paddler auf der Weser, ein tolles, mit Farben spielendes Kunstgeschenk, auf dem die Zeiten und Strecken jedes Einzelnen verzeichnet sind, natürlich ohne jeden Hinweis darauf, in welcher Rangfolge diese Leistungen einzuordnen wären. Das interessierte auch niemanden mehr. Viel neugieriger war die kleine Gruppe auf den Katalog zur Aktion, der in der nächsten Woche erscheinen wird, mit vielen Fotos, Texten und auch einigen Gedichten vom Künstler persönlich. Der plant schon wieder Neues. "Stromstelle" soll noch einmal wiederholt werden. Auf einem viel gewaltigerem Fluss, dem Rhein. "Und da soll dann der Wettbewerb von Anfang an dazugehören", so Witt. Es sei eben nicht jeder ein Künstler, sondern wohl auch jeder irgendwie ein Sportler. "Und das sehen wir es einfach mal positiv."

Eine Stromstellen-Urkunde von Eg Witt.
  • Eine Stromstellen-Urkunde von Eg Witt.
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