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Winterfütterung von Vögeln schadet nicht / Experten für mehr Wildwuchs in unseren Gärten

Wichtigste Regel: Futterplatz sauber halten

Wolfgang Fiedler, Leiter der Vogelwarte Radolfzell: "Es ist definitiv falsch, dass Winterfütterung zu Schäden führt." Foto: ly Von Stefan Lyrath

veröffentlicht am 06.01.2007 um 00:00 Uhr

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Porta Westfalica. Klirrende Kälte, Eis und Schnee, ein Wintertag wie aus dem Bilderbuch. Und dann kommen sie: Meisen, Spatzen, Rotkehlchen - die ganze Vogelschar. Hinter dem Küchenfenster verfolgen strahlende Kinderaugen das Gebalge an der Futterstelle. Ein schönes Bild, gewiss. "Aber man soll aus Wildvögeln keine Haustiere machen", sagt Dr. Albrecht von Lochow, Geschäftsführer des Vereins Naturschutz und Heimatpflege Porta (NHP). "Besser sollte man Gärten und Landschaft so gestalten, dass die Vögel etwas zu fressen finden", fügt der studierte Forstwissenschaftler hinzu, nach eigenem Bekunden "kein extremer Befürworter der Winterfütterung". Ein Grund spreche dennoch dafür: "Um Kindern die Natur nahe zu bringen." Andere treten vehement für die Winterfütterung ein. Prof. Dr. Peter Berthold zum Beispiel, Buchautor und früherer Direktor der Vogelwarte Radolfzell am Bodensee, einer Abteilung des Max-Planck-Institutes für Ornithologie, propagiert sogar ganzjähriges Zufüttern, um die arg dezimierten Bestände wieder zu erhöhen. Er sieht darin einen Beitrag zum Vogelschutz. Vor 100 Jahren kamen auf jeden Einwohner mindestens drei Singvögel. Berthold geht davon aus, dass es bald nur noch einer ist. So lange es Ornithologen gibt, streiten die Vogelkundlerüber Sinn und Unsinn der Winterfütterung. Dass kranke Flattermänner mit menschlicher Hilfe an der natürlichen Auslese vorbeikommen und ihr Erbgut weitergeben können, wie Kritiker einwerfen, lässt sich wissenschaftlich offenbar nicht nachweisen. "Es ist definitiv falsch, dass Winterfütterungzu Schäden führt", betont Wolfgang Fiedler, Leiter der Vogelwarte Radolfzell. Wer mag, darf also nach Herzenslust Körner streuen, Meisenringe oder Knödel aufhängen. Wildgärten, in denen die Stauden mit den Samen bis zum Frühjahr stehen bleiben, wären freilich eine Alternative. "Bloß dringt diese Erkenntnis nicht zu allen Menschen vor", sagt Wolfgang Fiedler. "Unsere Gärten sind zu steril", meint auch Dr. Albrecht von Lochow. "Das gilt für die ganze Landschaft", wie der Portaner Naturschützer hinzufügt. Dr. Albrecht von Lochow rät dazu, vor allem heimische Bäume und Sträucher zu pflanzen. Über Jahrtausende seien die Gefiederten daran angepasst. Insekten oder deren Larven zieht es ebenfalls in die Gewächse, wo sie dann von Vögeln aufgespürt werden, winters wie sommers. Unbestritten ist indes, dass das Nahrungsangebot unterm Strich abnimmt. Es gibt weniger Insekten und Wildkräuter. Ein Grund: sterile Gärten und Landschaft. Der andere: "Spritzen mit Herbiziden und Insektiziden", so von Lochow, der "kein Problem" damit hat, "wenn jemand durch Winterfütterung nachhilft". Allerdings solle der Futterplatz sauber gehalten werden. Sonst drohe den Vögeln eine tödliche Infektion mit Salmonellen. Naturschutzverbände wie der Nabu raten Tierfreunden, Wildvögel erst bei Frost oder Schnee zu füttern, dann allerdings regelmäßig. Für Körnerfresser werden Sonnenblumenkerne und Freiland-Futtermischungen empfohlen, für Weichfutterfresser Rosinen, Obst, Haferflocken, Kleie und auch Meisenknödel. Gewarnt wird vor salziger Nahrung wie Speck oder Salzkartoffeln. Auch Brot sei nicht zu empfehlen, weil es im Magen der Tiere aufquille. Die Futterspender (der Nabu empfiehlt Silos) sollten anübersichtlichen Stellen platziert werden, wo sich keine Katzen anschleichen könnten - damit die Freude der Kinder nicht in Entsetzen umschlägt.



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