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Vergangener Monat extrem trocken und ungewöhnlich sonnig / Jetzt kommt typisches Herbstwetter

Wetterextreme halten an: September viel zu warm

Landkreis. Der Herbst lässt sich nun nicht mehr verleugnen. Verantwortlich dafür ist der ehemalige Hurrikan "Helene", der sich als normales Tiefdruckgebiet mit Regen, Wind und nur wenigen Wolkenlücken vom Ostatlantik nach Mitteleuropa verlagert. Dabei gehen die Tagestemperaturen auf jahreszeitlich angemessene 15 bis 17 Grad zurück, während die Nächte mit Tiefstwerten von zehn bis zwölf Grad noch relativ mild bleiben. Richtung Wochenende deutet sich ruhiges, zu Nebel neigendes Hochdruckwetter an.

veröffentlicht am 02.10.2006 um 00:00 Uhr

Autor:

Reinhard Zakrzewski

Der September hatte große Ähnlichkeit mit dem Juli. Anhaltend hohem Luftdruck über Osteuropa stand ein umfangreiches Tief vor Westeuropa gegenüber. Dazwischen floss - besonders zur Monatsmitte - sehr warme Luft aus dem Mittelmeerraum und Afrika zu uns. Nur der fortgeschrittenen Jahreszeit war es zu verdanken, dass wir nicht unter Hitzewellen wie im Juli zu leiden hatten. Im Schaumburger Land fiel der September mit durchschnittlich 18,5 Grad um 4,7 Grad zu warm aus, womit der Rekord von 1999 (18,8 Grad) nur knapp verfehlt wurde. Sehr ungewöhnlich: Der September war wärmer (1,9 Grad) als der August. Bislang gab es dies nur zweimal (1961 und 1999), aber noch niemals in diesem Ausmaß. Durch die außergewöhnlich hohe Zahl von zwölf Sommertagen (normal sind zwei mit mindestens 25 Grad) und Maxima bis zu 28,6 Grad (13. September), hinterließ der September den Eindruck eines vollen Sommermonats. Deutschlandweit gehörte der Mittelgebirgsnordrand zu den trockensten Regionen überhaupt. In Bückeburg fielen mit 8,8 Liter nur 16 Prozent der normalen Niederschläge und damit so wenig wie noch niemals seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahre 1979. Lediglich das legendäre Dürrejahr 1959 war noch trockener. Mit 207 Sonnenstunden (161 Prozent) schob sich der September 2006 unter die ersten fünf der Bestenliste. Und was bedeutet ein solcher Super-September für den Winter? Einschlägige Bauernregeln sagen dazu: "Ist der September lind, wird der Winter ein Kind", oder " regnet's sanft (diesmal gebietsweise einige Tropfen) am Michaelistag (29. September), folgt ein sanfter Winter nach". Demnach hätten wir diesmal mit einem grün angestrichenen Winter zu rechnen. Statistisch lässt sich die erste Regel für den Februar zu 70 Prozent, für Dezember und Januar zu maximal 60 Prozent bestätigen. Beide Regeln zusammen kommen auf beeindruckende 85 Prozent für die milde Variante. Wichtiger als die Witterung im September ist allerdings das Signal aus dem Folgemonat Oktober. So ist ein kühler und feuchter Oktober nachweislich Gift für den Winter, während zu warmes Wetter (mindestens zwei Grad) und zu wenig beziehungsweise normale Niederschläge in Mitteleuropa in 70 Prozent aller Fälle einen eisigen Januar und auch noch Februar nach sich ziehen. Ob der Oktober wie im vergangenen Jahr diesen hohen Anforderungen gerecht werden kann, ist noch nicht abzusehen. Wetterweisheit: Der Herbst kommt am frühen Morgen, aber der Frühling am Ende eines Wintertages (Elizabeth Bowen).

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