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Ostprodukte, die die DDR überlebten

West-Karriere im Supermarktregal

Landkreis. Auch im real existierenden Sozialismus wurde konsumiert, und viele Produkte in der DDR trugen Namen, von denen einige wenige heute ein fester Bestandteil in den Warenregalen Westdeutschlands sind. Dazu gehören der Rotkäppchen-Sekt, die Halloren-Kugel, das Waschmittel Spee sowie die Biermarken Radeberger, Hasseröder oder Köstritzer – Marken, die nicht zuletzt aufgrund intensiver bundesweiter Werbung inzwischen fast jeder kennt und die sich längst auf dem gesamtdeutschen Markt etabliert haben.

veröffentlicht am 18.11.2014 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 09.11.2017 um 09:09 Uhr

Schon vor dem Mauerfall produzierte die DDR unzählige Konsumgüter – viele aber nicht für die eigene Bevölkerung, sondern für den „Klassenfeind“. Die DDR galt als verlängerte Werkbank des Westens, denn die Arbeitskräfte waren billig, die Qualität anerkannt gut. Im Westen warben Geschäfte und Bestellkataloge mit preiswerten Kameras oder Elektrogeräten. Was jedoch an Ostwaren im Westregal landete, ging seinerzeit der DDR-Bevölkerung verloren oder war für die Bürger nur zu horrenden Preisen in Spezialläden zu erwerben.

Viele Produkte aus der früheren DDR sind 25 Jahre nach dem Mauerfall verschwunden. Doch einige haben sich durchgesetzt, und einige wenige sind sogar von Westfirmen übernommen worden.

Rotkäppchen: Schon in der DDR versprach der Sekt-Name Luxus und die im sachsen-anhaltinischen Freyburg, dem Zentrum des Weinanbaugebietes Saale-Unstrut, abgefüllten Flaschen galten als „zweite Währung“. Die Sektkellerei den Sprung in den Kapitalismus geschafft und einen märchenhaften Aufstieg hingelegt, denn Rotkäppchen steht wie kaum ein anderes Produkt für ostdeutschen Erfolg und hat es zum Marktführer im vereinten Deutschland gebracht. Der Hersteller lehrt die Konkurrenz das Fürchten, denn das Unternehmen schluckte bereits westdeutsche Traditionsmarken wie beispielsweise Mumm, Blanchet, MM und Chantré. Fast jede zweite Sektflasche in Deutschland kommt heutzutage aus dem Hause Rotkäppchen-Mumm.

Eine Sandmännchen-Handspielpuppe wirbt in Erfurt während der Verkaufsmesse „Ostpro“ an einem Verkaufsstand. Die Ostpro ist ein Forum für Firmen aus den neuen Bundesländern. dpa

Spee: Das Kult-Waschmittel des Ostens ist heute deutschlandweit die Nummer drei und wurde 1990 von Henkel übernommen. Zu DDR-Zeiten wurde Spee – der Name steht für „Spezial-Entwicklung“ – vom VEB Waschmittelwerk Genthin hergestellt. Dass der Düsseldorfer Konzern Spee von der Treuhand übernahm, war kein Zufall, denn Henkel hatte die Produktionsstätte 1921 selbst gegründet. Inzwischen aber wird das Waschmittel in Düsseldorf produziert.

Bautzener Senf: Der Ostdeutsche liebt Senf, denn davon wird Erhebungen zufolge in den neuen Bundesländern dreimal mehr verzehrt als im Westen. Und der schon zu DDR-Zeiten beliebte Bautzener Senf hat auch im Westen den Durchbruch geschafft und ist nach eigenen Angaben Marktführer in Deutschland. Hergestellt wird der Mostrich aus der Lausitz seit 1953. Zunächst im VEB „Lebensmittelbetriebe Bautzen“, heute im Vorort Kleinwelka. Inhaber ist Develey, die Bayern hatten die Kult-Marke der DDR 1992 von der Treuhand übernommen und bundesweit in die Regale gebracht.

Radeberger: Das Pils galt als eines der besten Biere Ostdeutschlands und war in der DDR nur schwer erhältlich, denn fast die gesamte Produktionsmenge ging in den Export. Heute zählt Radeberger zu den meistgetrunkenen Biermarken im Osten und ist auch dank intensiver Werbung zu einer bekannten Marke des Westens aufgestiegen. Gebraut wird der Gerstensaft unverändert im sächsischen Radeberg vor den Toren Dresdens. Eigentümer der Brauerei ist heute das Bielefelder Unternehmen Dr. Oetker, das seine Biersparte 2002 in „Radeberger Gruppe“ umbenannte. Unter dem Dach von Deutschlands größter privater Brauereigruppe sind rund 40 Marken zusammengefasst, darunter auch Ostbiere wie Berliner Bürgerbräu oder Potsdamer Rex.

Eko Stahl: Stahl ist ein Erfolgsprodukt, auch nach der Wende. Heute zählt das Werk in Eisenhüttenstadt zur Arcelor-Mittal-Gruppe, dem größten Stahlkonzern der Welt. Eko Stahl hat es geschafft, sich über die Umbruchphase der 90er-Jahre hinweg zu behaupten. Schon zu DDR-Zeiten galt das Eisenhüttenkombinat Ost (Eko) mit 16 000 Beschäftigen als größte Metallurgie der Republik. Nach der Wiedervereinigung rutschte Eko wie fast alle ostdeutschen Unternehmen in eine Krise. 2001 erholte sich die Firma – unter dem Dach von Arcelor. Hauptabnehmer der Eko-Produkte ist heute die Automobilindustrie, gefolgt vom Bau.

Diamant: Die Brüder Wilhelm und Friedrich Nevoigt gründeten 1885 in Reichenbrand bei Chemnitz eine Werkstatt, in der sie Schreibfedern, Strickmaschinen und später Fahrräder herstellten. „Diamant“ gilt als älteste Fahrradfabrik Deutschlands. Zur Bekanntheit der Marke trug der DDR-Radsportler Gustav-Adolf Schur bei, der seine Siege auf einem Rennrad „made in Sachsen“ einfuhr. Das Unternehmen gehört heute zum US-Radhersteller Trek.

Halloren-Kugeln: Die Leckerei hat ihren Namen von den früher in Halle tätigen Salzwirkern, den Halloren. Weil die aus Sahne und Schokolade bestehenden Pralinen an die Silberknöpfe an den Halloren-Jacken erinnern. 180 Millionen Kugeln werden jährlich verkauft. Und das nicht nur in Deutschland, auch in Dänemark, Rumänien oder Kanada ist das Produkt aus der zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Halle an der Saale gegründeten Kakao- und Schokoladenfabrik in Halle (Saale) einen Namen. Die Treuhandanstalt veräußerte das Unternehmen 1992 an die Halloren Beteiligungsgesellschaft mbH aus Hannover. Der Hauptsitz ist nach wie vor in Halle. Seit 2000/2001 gehört auch die 1880 gegründete Confiserie Dreher aus München mit ihren Mozartkugeln zur Halloren Schokoladenfabrik.[ 2002 wurde die Weibler Confiserie & Chocolaterie GmbH in Cremlingen übernommen und 2007 ist das Unternehmen in die Halloren Schokoladenfabrik AG umgewandelt worden.

Florena: Die Geschichte der Cremefirma aus Sachsen begann 1920 mit der Anmeldung eines Talkum-Puders beim Reichspatentamt München. Nach der Enteignung hieß die Fabrik in der DDR VEB Kosmetik Kombinat Berlin. Um das Unternehmen zu retten, kauften es drei Florena-Manager im Jahr 1992 der Treuhand ab. Zehn Jahre später erwarb Beiersdorf sämtliche Anteile. Längst produziert das Stammwerk in Waldheim auch Cremes der Marken Nivea oder Eucerin. „Florena“ jedoch hat sich als Öko-Creme bundesweit etabliert.

Köstritzer: Für die Schwarzbierbrauerei im thüringischen Bad Köstritz begann die Marktwirtschaft mit einem Absatzeinbruch. Die Rettung kam in Gestalt einer Großbrauerei: Seit 1991 gehört Köstritzer zur Bitburger-Gruppe, die inzwischen auch die Pilsbrauerei Wernesgrüner besitzt. Köstritzer konzentriert sich auf Schwarzbier. Heute werden 52 Prozent des Bieres im Westen, 48 Prozent im Osten getrunken. Um dem sinkenden Bierkonsum in Deutschland zu begegnen, will Köstritzer nun auch in Asien expandieren.



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