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Neu im GOP: Schierer Wahnsinn bis zum "Morgen danach"

Wessels, Weiss& noch viel mehr

Bad Oeynhausen. Soll und darf man sagen, dass das neue GOP-Programm unter dem etwas spröden Titel "Wessels& Weiss" das schönste, charmanteste und originellste Programm dieses Jahres im Kaiserpalais war, wenn dies scheinbar andere große Shows in die zweite Reihe stellt?

veröffentlicht am 08.11.2008 um 00:00 Uhr

Yelena Shumskaya lässt sich gern "befeuern". Foto: tol

Autor:

Ulrich Reineking

Andererseits soll niemand aus seinem Herzen eine Mördergrube machen und deshalb frei heraus: diese Nummer ist total genial und lohnt allemal, für den Besuch mit der ganzen Familie gegebenenfalls stille Reserven von Pfandflaschen zu Eintrittsgeld zu machen! Der Moderator Jojo Weiss, der mit Worten jonglieren kann wie kein zweiter dieses Genres - er könnte obendrein mit seinem leibeigenen Akustik-Set jederzeit beim Tonfilm die Geräusche machen. Ist dabei aufgedreht wie Michael Mittermeier, mit dem er auch das bajuwarische Idiom teilt. Zugleich, aber dabei viel tiefgründiger, hat er auch reichlich am absurden Witz des Dadaismus geschnüffelt und kann nebenher auch ein bisschen jonglieren. Was ihm vermutlich sein kongenialer Bühnenpartner Andreas Wessels beigebracht hat - ein langer Lulatsch, den er im permanenten Anfrotzeln stets ziemlich wahrheitswidrig als "den Dicken" bezeichnet und der mit seinen kleinen und großen Bällen wahrhaft sinnverwirrende Gaukelei betreibt. Dann ist da noch dieser russische Wunderknabe Eduard Gelazarov, dessen beneidenswerte Körperlichkeit bei seiner Equilibristik-Darbietung die versammelten Bürodamen am Nebentisch zu eindeutigen Reaktionen kollektiven Verlangens motivierte: "Was für ein Sahneschnittchen!" Mit ihrer souveränen Grazilität hätte die durch und durch blonde Yelena Shumskaya zwar ähnliche Gefühle beim männlichen Publikum provozieren können bei ihren verwegenen Bondage-Variationen am Vertikalseil, doch wären solche emotionalen Blüten durch ihren eiskalten Blick und das dominante Auftreten vermutlich schon im Ansatz erfroren. Das australische Akrobatik-Duo Price& McCoy zeigt eine Hand-auf-Hand- und Kopf-auf-Kopf-Darbietung mit derart komischen Elementen, dass sie glatt als Clownerie durchgehen könnte, und auch bei dem französischen Taschenzauberer und skurrilen Manipulator Norbert Ferré fehlt es nicht an urkomischen und skurrilen Elementen. Und wenn ihm da offenbar plötzlich auf der Bühne die Schuhe in den Schuhkarton mit der Aufschrift "Surprise" gewandert sind, weiß kaum jemand imSaal, ob und wie er seiner Wahrnehmung noch trauen kann. Wie es dem gleichfalls französischen Artisten Paul Herzfeld gelingt, mit seinem kraftstrotzenden und dabei doch eher grazilen Body schwerkraftvereinende Figuren am Vertikalmast zu beschreiben, lässt sich kaum oder gar nicht beschreiben, ist aber allemal mehr als nur einen Hingucker wert. Im Finale nicht nur das gewohnte Defilee der Akteure, sondern auch noch wie magisch rotierende Tonnen und herrliche Slapsticks mit den Herren Weiss und Wessels rund um die nächtliche Bar. Wie da Zigaretten während gereimter und ungereimter Plaudereien meterweit fliegen und punktgenau beim Nikotinsüchtigen landen und wie sich Gläser zentimeterweise wie von selbst über die Köpfe der beiden Barbesucher bewegen, ohne dass dabei auch nur ein Tropfen verloren geht - all' dies ist nicht nur erstaunlich, sondern poetische Gestaltung der Atmosphäre "am Morgen danach", in der sich Jojo Weiss auch noch als Chansonnier von Format erweist. Hochverdiente Beifallsstürme nicht weit vom Orkan entfernt - und zum Glück ist das ja alles noch bis zum 4. Januar zu erleben. Karten an den Vorverkaufsstellen oder über die Hotline 05731/74 480.



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