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Experten bestimmten auf Mineralienbörse unbekannte Steine

Weser besorgt ersten Schliff

Lauenau (nah). Der große Stein schillert in mehreren Farben: Weiße, graue und braune Flächen überziehen ihn. Vor Millionen Jahren ist er von Skandinavien ins Urstromtal der Weser geschwemmt worden. Jetzt liegt er in der Hand von Ute Brenneisen. Die Weserströmung hat ihm den ersten großen Schliff besorgt. Die Feinarbeiten erledigte die Trommelschleifmaschine der Expertin. Nun könnte er eine neue Verwendung finden - als Briefbeschwerer, Handschmeichler oder einfach nur als dekoratives Schmuckstück.

veröffentlicht am 27.02.2009 um 15:45 Uhr

Was versteinertes Holz verraten kann: Ulrich Vetter (r.) erläute

Steine können eine ganze Menge über sich verraten. Das wissen die Freunde von Mineralien und Fossilien ganz genau. Zum 13. Mal hatten jetzt etliche Sammler ihre Stände im Innenhof des Lauenauer Wasserschlosses aufgeschlagen. Sie tauschen oder verkaufen sich untereinander das begehrte Gut; und sie bietenes Interessierten an: Der Besucherstrom riss an beiden Tagen nicht ab. Das lag nicht zuletzt am Wetter: Endlich schien wieder einmal die Sonne auf die schwerbeladenen Tische. Da hoffte schon Singh am frühen Morgen auf gute Geschäfte. Der Inder war aus seiner Wahlheimat Hamburg an den Deister gekommen und gefiel vor allem bei den weiblichen Besuchern mit langen Perlensträngen: Winzige Aquamarine reihten sich aneinander und warteten offenbar nur darauf, bald zu einer hübschen Kette verarbeitet zu werden. Größere Schmuckstücke, die vielleicht auch für den Pulloverausschnitt geeignet wären, fanden dagegen weniger Beachtung: "Das zieht einem ja den Hals runter", schüttelte eine Kundin den Kopf. Unterdessen ist Maximilian Büthe ganz in seinem Element. Der Zehnjährige sammelt schon seit Jahren aufgrund des mütterlichen Vorbilds Steine aller Art. Jetzt zeigt ihm Ulrich Vetter etwas ganz Ungewöhnliches: ein Stück versteinertes Holz. Und schon könnte wieder ein kleiner Vortrag beginnen über das, was dieses kleine Relikt aus der Urzeit alles über sich verrät. Vetter muss es wissen. Der früher auch beruflich tätige Mineraloge versteht sich auf die Bestimmung fremder Steine. Farbe, Härte, Kristallform, Spaltbarkeit und schließlich ultraviolettes Licht geben konkrete Hinweise. Aber noch wichtiger ist Vetter die lebenslange Erfahrung: "Ich habe schon genug Steine in meiner Hand gehabt", sagt er, "da speichert sich Vieles in meinem Kopf". Vetters Wissen ist an diesem Tag noch einige Male gefordert worden. Auch Ute Brenneisen, die zusammen mit ihrem Mann Christoph regelmäßig zu den Treffen einlädt, hat noch viel über die Vielfalt der Weserkiese zu erzählen. Später will sie sich ganz anderen Steinen zuwenden: Sie zeigt interessierten Gästen ihre mächtige "Burg", berichtet aus der Geschichte und vom Aufwand, das alte Amtsschloss vor dem Verfall zu bewahren. Dessen Kulisse ist nicht nur für die Mineralienbörse geradezu einmalig. Am Abend beim Lagerfeuer kommt im Kreis der Steinesammler richtig romantische Stimmung auf.

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