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Aufarbeitung der Lügde-Affäre

Werden Fehler vertuscht?

Der Missbrauchsfall von Lügde hat hohe Wellen geschlagen und ist für Außenstehende kaum zu durchschauen. Aber hier sind im Ablauf der Geschehnisse viele Fehler begangen worden. Von verschiedenen Personen in verschiedenen Behörden.

veröffentlicht am 25.11.2019 um 22:14 Uhr

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Zu: „Was gehört in die Öffentlichkeit“, vom 14. November

Nun ist es aber eine Selbstverständlichkeit, diese Fehler aufzuarbeiten, um hieraus möglichst zu lernen. Auch wenn ich oft die Ansichten der Kreistagsabgeordneten Ursula Körtner nicht teile, erwarte ich zu ihren Fragen sachliche und ehrliche Antworten. Wenn sie die Frage stellt, ob Mitarbeiter des Jugendamtes Hameln-Pyrmont gelogen haben, kann ich diese Frage mit Belegen und Fakten verneinen – oder ich muss zugeben, dass ich gelogen habe.

Ich verstehe auch nicht die große Aufregung der Beschuldigten, wenn ich ein gutes und reines Gewissen habe und die Anschuldigungen entkräften kann. Der ehemalige oberste Dienstherr des Jugendamtes, Landrat Tjark Bartels, war dieser Dimension des Falles Lügde nicht gewachsen. Er hatte als eine der ersten Maßnahmen nach dem Bekanntwerden der massenhaften Kinderschändung den Leiter des Jugendamtes strafversetzt. Weil dieser als Vorgesetzter seine Mitarbeiter nicht ausreichend angeleitet hat? Oder war er das erste „Bauernopfer“? Ich vermisse die Ebene der Dezernenten und Fachbereichsleiter. Welche Schuld haben sie, dass es zu den schlimmen Vorfällen auf dem Campingplatz kam? Haben sie die Arbeitsweise ihrer Mitarbeiter/innen nicht ausreichend geprüft? Wo sind die Vermerke und schriftlichen Aufzeichnungen zu diesem Vorfall? Wurde hier oberflächlich oder gar schlampig von den Fachkräften gearbeitet oder geprüft? Des Weiteren kann ich auch nicht verstehen, warum die Akten und Unterlagen, welche das Jugendamt Hameln-Pyrmont dem Untersuchungsausschuss in Nordrhein-Westfalen zur Aufarbeitung geschickt hat, teilweise geschwärzt wurden. Alle Behördenmitarbeiter und Politiker sind zur Verschwiegenheit und Vertraulichkeit verpflichtet. Deshalb kann hier auch nicht das Argument des Datenschutzes zum Tragen kommen. Oder sollen mit dieser Vorgehensweise die Versäumnisse und Fehler einzelner Mitarbeiter vertuscht und übertüncht werden?

Ich glaube, bei einer ehrlichen und offenen Aufarbeitung werden noch viele Versäumnisse einzelner Personen ans Tageslicht kommen. Dann müssen aber auch nachvollziehbare Konsequenzen für die Schuldigen erfolgen und keine Halbwahrheiten oder Vertuschungsversuche im Raum stehen bleiben. Denn sonst ist es nur eine Frage der Zeit, bis der nächste Fall von Kindesmissbrauch beim Fehlverhalten der zuständigen Behörden und deren Mitarbeiter uns alle fassungslos und wütend werden lässt und die betroffenen Verantwortlichen sich wieder nur wegducken und die Schuld bei Anderen sehen.



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