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Letzte Ratsrede Hoffmanns / "Demokratische Entwicklung gefährdet" / Hellmann "der richtige Mann"

"Werde mich aus der Politik heraushalten"

Stadthagen (ssr). In seiner letzten Rede vor dem Rat der Stadt hat der scheidende Bürgermeister Jürgen Hoffmann (65, parteilos) unmissverständlich angekündigt: "Ich werde mich aus der Politik heraushalten." Zuvor hatte Hoffmann in seiner zehnminütigen Ansprache Lob und Tadel verteilt.

veröffentlicht am 12.10.2006 um 00:00 Uhr

Hoffmann erinnerte daran, dass er 1998 als jemand zum ersten hauptamtlichen Bürgermeister der Kreisstadt gewählt worden war, der keiner Partei angehört und zuvor sogar aus einer ausgetreten sei. Als Unabhängiger gewonnen zu haben, "das war für viele in den Parteien bis heute schwer verdaulich", sagte der Bürgermeister. Und das habe die psychologische Folgewirkung gehabt, dass bei etlichen Sachauseinandersetzungen von Parteienvertretern der Eindruck erweckt worden sei, "da ist einer, der will sich einfach nur querstellen", fügte Hoffmann hinzu. Ausdrücklich nahm er den damaligen Mitbewerber und heutigen Ratsherrn Richard Wilmers von dieser Analyse aus: "Der hatte sich schnell und gut damit abgefunden." Mit Blick auf die Ratspolitik seit 1998 fand Hoffmann zunächst allgemein wohlmeinende Worte. Verwaltung und Politik hätten viele Entscheidungen gemeinsam in der richtigen Richtung gefällt und das Wohl der Stadt vorangebracht. Scharfe Kritik übte er allerdings an der "Sorglosigkeit", mit der die Ratspolitiker die Finanzen der Stadt behandelt hätten. Zur Erinnerung: Hoffmann hatte mehrfach, teils ganz alleine, gegen den städtischen Etat gestimmt. Übel aufgestoßen sei ihm dabei auch die Vorgehensweise der beiden großen Fraktionen. Die Verwaltung habe stets einen Etatentwurf vorgelegt, beschrieb er das aus seiner Sicht. Dann hätten sich SPD/FDP und CDU zusammengesetzt und teils erhebliche Änderungen beschlossen, "ohne mit der Verwaltung zu reden". Da habe er das Recht empfunden, "mein politisches Mandat zu nutzen und dagegen zu stimmen". Schweres Kaliber fuhr Hoffmann mit seiner These auf: "Es gibt Entwicklungen in der Stadt, welche die demokratische Entwicklung gefährden." Zuvor hatte er an die Entscheidung zum Standort Festplatz erinnert. Er könne in diese Zusammenhang aber "bewusst nur Andeutungen machen", sagte er und fügte hinzu: "Ich jedenfalls gehöre keinem Netzwerk an." Gegen Ende seiner Rede wünschte Hoffmann seinem gewählten Nachfolger Bernd Hellmann (SPD) alles Gute für dessen am 1. November beginnende Amtszeit und fügte hinzu: "Das ist der richtige Mann für Stadthagen." Abschließend formulierte der scheidende Bürgermeister unmissverständlich die Ankündigung: "Ich werde mich künftig aus der Politik heraushalten."

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