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Kinder erkunden den Riesbach / Nur noch wenige Fließgewässer bieten Lebensraum für Tiere und Amphibien

Wer weiß denn noch, wie ein Naturbach aussieht?

Klein Holtesen (rd). Ein Dutzend Kinder hat sich mit Marc Jameson, Jugendwart vom Naturschutzbund (Nabu) Auetal, am Riesbach in Klein Holtensen auf die Suche nach den Tier- und Pflanzenarten, die an einem Fließgewässer leben, gemacht. Aus gutem Grund: Wer weiß denn noch, wie ein Naturbach aussieht?

veröffentlicht am 08.02.2008 um 00:00 Uhr

Die Klimaerwärmung verändert auch den Lebensrhythmus der Kröten.

Leicht sollte es aber nicht werden: Denn zum größten Teil wurde dem Bach seine natürliche Dynamik genommen. Schon vor Jahrhunderten begannen Menschen, die Bäche zu regulieren, zu begradigen und zu verschmutzen. Wie hier vor Ort zwängte man sie auch in Wasserbausteinen, Betonröhren und Halbschalen ein. Bäche erfüllen eine wichtige Funktion in der Natur, erklärte Jameson: "Aber nur noch wenige unserer Fließgewässer sind als Lebensraum für unzählige Tier- und Pflanzenarten geeignet." Der Schatten der Bäume gehört ebenso zu den wichtigen Merkmalen dieses Lebensraums wie die von der Strömung ausgehöhlten Ufer. Tief hängende Äste beschatten zum Teil die Wasseroberfläche, sie sind bevorzugte Ansitzwarten für den Eisvogel, der häufig an flachen Uferbereichen brütet, an denen die Wurzeln einer Erle oder Weide zu sehen sind. Hier graben sie ihre Brutröhre in die Uferböschung. Wenn das Ufer senkrecht aufragt, legen die Vögel ihre Bruthöhle in der Steilwand nach Möglichkeit so hoch über dem Wasser an, dass das Nest nicht einem Hochwasser zum Opfer fällt. Das ist (nicht nur in KleinHoltesen) eine clevere Strategie. Das erste Ziel der kleinen Bachexkursion war die Fläche Mühlenholz. Durch Niederschläge und Überschwemmungen des Riesbaches ist dort ein kleines Feuchtbiotop entstanden. Eine sumpfige mit kleinen Tümpeln versehene Wiese - ein Reich für den seltenen Kammmolch und weitere Amphibien. Um auch die kleinsten Bewohner zu finden, drehten die jungen Naturforscher sprichwörtlich jeden Stein um. Nils aus Escher wurde fündig: "Ein Frosch!" - aber es war nicht mehr als eine Erdkröte, die durch das warme Klima schon ungewöhnlich munter war. Den biologischen Überbau lieferte Jameson: "Durch die Klimaerwärmung sind ihre Verwandten schon seit Mitte Januar auf dem Weg zu ihren Laichgewässern." Hier könnte man, so schlug Jameson vor, durch eine Bachrenaturierung die gerade verlaufende Bachstrecke neu gestalten, um so einen natürlichen Bachlauf zu erhalten. Das könnte neuen Lebensraum für eine Vielzahl von Tieren und einen reich gedeckten Tisch für Störche schaffen. Nicht zu unterschätzender Nebeneffekt: Dadurch könnte man vielleicht auch die Überschwemmungsgefahr in den Griff kriegen. Um die typischen Bachvögel zu beobachten, ging es Richtung Wiersen. Entlang des Großen Riesen schlängelt sich der Bach durch Wald und Wiese. An den Ufern wächst auch die Schwarzerle, die mit ihren Wurzeln Bachforellen und unzähligen Kleintieren Schutz und Lebensraum bietet. In diesem Bereich darf der Bach auch wieder seinen eigenen Weg suchen, erklärte der Nabu-Jugendwart, denn kein Hindernis und kein Beton stören ihn dabei. Die Strömungsvielfalt schafft zudem schnell fließende und flache Stellen. Dort war auch der perfekte Lebensraum für Gebirgsstelze und Wasseramsel, die gleich mehrfach gesichtet wurden. Übers Feld ging es nach Schoholtensen. Bäche sind hier in ihrer natürlichen Form nicht mehr anzutreffen. Kleine Rinnsale in Betonschalen verlaufen zwischen den Feldern. Dort ist keine Artenvielfalt mehr zu finden. Am Ende war allen klar, dass die großen Wunder am Riesbach nicht mehr anzutreffen sind, aber für eine Bachexkursion lohnt sie sich auf jeden Fall. Und eines steht fest: "Im Sommer kommen wir wieder!"

Wo der Mensch Hand anlegt, wird es eng für Tiere und Amphibien.
  • Wo der Mensch Hand anlegt, wird es eng für Tiere und Amphibien.
Nils (M.) mit seiner Gruppe: In Wiersen werden Bachbewohner beob
  • Nils (M.) mit seiner Gruppe: In Wiersen werden Bachbewohner beobachtet.


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