weather-image
29°
Feuerwehrgerätehaus wird 200 000 Euro teurer als veranschlagt

Wer trägt die Schuld an der Kostenexplosion in Bevern?

Bevern (nig). Wer trägt die Schuld an der Kostenexplosion beim Bau des neuen Feuerwehrgerätehauses in Bevern? Nachdem im Samtgemeinderat die Baukostenüberschreitung von mehr als 200 000 Euro über dem Haushaltsansatz bekannt geworden war (wir berichteten), suchen nun Feuerschutz- und Bauausschuss nach den Ursachen.

veröffentlicht am 18.10.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 02:21 Uhr

Das Feuerwehrgerätehaus in Bevern gerät zum finanziellen Fass oh
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

So richtig fündig werden Ausschussmitglieder, Verwaltungsmitarbeiter und Architekten in der gemeinsamen Sitzung aber nicht. Einig ist man sich nur darin, den eilig verhängten Baustopp wieder aufzuheben – um die Heizung anzuschließen und das Gebäude winterfest zu machen.

Aber wer hat das Finanz-Debakel zu verantworten? Die Politik, die Verwaltung oder gar die Architekten? Feuerschutz- und Bauausschuss haben seit Monaten nicht mehr getagt. Bewusst liest Hermann Harling als Feuerschutzvorsitzender das Protokoll der vergangenen Sitzung vor, um die seinerzeit beratenen Punkte zum Gerätehaus in Erinnerung zu rufen. „Wegen so vieler Kleinigkeiten machen wir einen großen Aufwand und Ortstermine, und dieses Großprojekt lassen wir einfach so laufen“, klagt Ausschussmitglied Joachim Müller.

Jetzt noch sparen ist kaum mehr möglich

Die Architekten, aus deren Feder die erste Kostenschätzung stammt, weisen jegliche Schuldvorwürfe von sich. Alles, was ihnen an Kostenüberschreitungen bekannt wurde, hätten sie der Verwaltung gemeldet. Hinzu kämen Änderungen am Bau, die in der ersten Planung nicht vorgesehen waren. Architekt Thomas Zeißler nennt als Beispiel Innenwände, die als Gips-Leichtbauwände geplant, dann aber als Mauerwerk errichtet wurden, Sanitärräume, die anfangs nur zur Hälfte und später komplett gefliest werden sollten und eine zusätzliche Lüftungsanlage für die Umkleidekabinen. „Wer hat die Zustimmung für solche Änderungen gegeben?“, wollen Wolfgang Pankatz und Friedrich Klages wissen. Zur Antwort verweisen die Architekten auf die Verwaltung. Hinzu kommt, dass das Architektenbüro keinen Auftrag zur vollständigen Baukostenüberwachung hatte. Darauf wurde verzichtet, um die Honorarkosten zu sparen. Wer für diesen Schritt verantwortlich zeichnet, ist noch strittig. „Das war vielen vorher nicht bewusst“, gibt der Bauausschussvorsitzende Harald Stock zu.

Kostenüberschreitungen gibt es in nahezu allen Bereichen. Schon zwischen Plan-Beträgen und den ersten Ausschreibungsangeboten klaffen Unterschiede. Und zwischen Ausschreibung und den Prognosen gibt es abermals Abweichungen. Um Beispiele zu nennen: Die Erdarbeiten wurden aufwendiger als gedacht, weil der Boden nicht tragfähig genug war. Ein weiterer Punkt ist der Estrich, der mit 11 500 Euro veranschlagt war, schließlich aber 33 754 Euro kostet. So summieren sich der Bereich Erdarbeiten/Bauhauptgewerk auf 435 952 Euro (statt geplant 376 100 Euro) und der Bereich Sanitär/Heizung auf 102 384 Euro (statt 69 100 Euro).

Aus allem, zusammen mit noch erforderlichen Außenarbeiten sowie notwendiger Ausstattung, ergibt sich eine Gesamtsumme von über einer Million Euro. Im Vergleich zum Haushaltsansatz von etwa 800 000 Euro bedeutet das eine Überschreitung von 24,9 Prozent, hat Harald Stock zu Sitzungsbeginn errechnet.

Viel Einsparpotenzial gibt es zu diesem Zeitpunkt nicht mehr. In der kommenden Woche soll es eine weitere Sitzung der beiden Ausschüsse geben, dann gemeinsam mit dem Finanzausschuss. Bis dahin soll die Verwaltung eine endgültige Liste erstellen mit allen Ausgabepunkten, die notwendig sind, um das neue Gebäude mit Leben zu füllen. Dazu gehört auch die Inneneinrichtung, betont Friedrich Klages. Die wurde bislang nämlich noch gar nicht berücksichtigt.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare