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Trainieren wie die Profis: 120 Kicker kicken mit Hamburger Fußball-Legenden

Wer sein Handwerk nicht lernt, wird nie ein großer Fußballstar

Rinteln (rnk). Wer 581 Mal für den HSV aufläuft und 69 Mal für Deutschland spielt, wer Europameister wird, die Schale für den Deutschen Meister ebenso in den Himmel stemmt wie den DFB-Pokal und 1983 das gewinnt, was heute Champions-League heißt, der weiß, wie sich ein Profi verhält. Und so legt Manfred Kaltz, den alle nur Manni nennen, erst einmal drei, vier kurze Sprints hin und wärmt seinen 50-jährigen Körper auf, ehe er sich den gepannt wartenden Kindern zuwendet. 240 junge Fußballeraugen sehen ihn an, und Kaltz erklärt, was er sehen will: Disziplin.

veröffentlicht am 23.06.2007 um 00:00 Uhr

Viel anders als in den Vereinen ging es gestern in der Manni-Kaltz-Fußballschule also auch nicht zu. Nur die Trainer sind halt berühmte Spieler vergangener Jahre. Von den einst so gefürchteten Bananenflanken ihres immer noch berühmten Lehrers haben die meisten Kinder allerdings wohl nur von ihren Vätern gehört. Dass Disziplin und Aufmerksamkeit ebenso zu den Tugenden eines guten Fußballers gehören wie der pure Spaß am Spiel, steht so ausdrücklich zwar nicht auf dem Lehrplan der Fußballschule, doch die 120 überwiegend aus Rinteln kommenden Kinder haben auch diese Lektion lernen müssen. Als sich vier Jungen am Rande des Spielfeldes rangeln, darf das Quartett einen Sprint über das Feld hinlegen. Als sie zurück sind, schickt sie der Trainer der Manni-Kaltz-Schule noch einmal über den Platz. "Wie beim Bund", sagt ein Vater. "Funktioniert auch hier", antwortet der Trainer. FC-St.-Pauli-Legende Dieter Schlindwein kommt staubedingt verspätet an, da hat Uli Stein den Torwart-Nachwuchs schon ins Schwitzen gebracht. Die Gruppe des Hamburgers, der Mitte der achtziger Jahre weltbester Keeper war, hat allerdings ein Handicap: Sie ist mit acht, neun Nachwuchstorhütern sehr übersichtlich, entsprechend intensiv sind die ersten Trainingseinheiten. "Trainieren wie die Profis" lautet das Motto der Manni-Kaltz-Fußballschule. Doch wer genau hinsieht, bemerkt, dass weder der Erfinder der Bananenflanke noch seine Co-Trainer diesem Motto wirklich ernsthaft verpflichtet sind: Kindgerechtes und spielerisches Üben steht ganz oben auf dem Programm - und das ist auch gut so. Doch wer sein Handwerk nicht lernt, wird nie ein großer Kicker. Daher machen Kaltz und Co. gleich zu Beginn klar, dass Ball- und Schusstechnik das A und O des künftigen Profispielers sind, dann erst kommen Technik und strategisches Denken. Claus Peters, Vorsitzender des SC Rinteln, strahlt nach 20 Minuten mit der Sonne im aufgerissenen Himmel um die Wette. Die Kinder lernen, und der SC Rinteln ist im Nachwuchsbereich sowieso schon nicht schlecht: Die E1- und die E2-Jugend sind Kreismeister, und holt die A-Jugend heute einen Punkt, steigt sie in die Landesliga auf: "Wir sind gerade bei den Trainern in den unteren Jahrgangsstufen gut aufgestellt", meint Peters. Anders wäre der Erfolg auch nicht zu erklären: Ein Spieler der G-Jugend muss anders als einer der A-Jugend trainiert werden. Und selbst der heutige Torwarttrainer der Nationalmannschaft von Nigeria ist ruhiger geworden: "Da sag ich gar nichts zu", antwortet Stein auf die Frage, wie er den Mordanschlag auf Nigerias Nationalspieler Obafemi Martins bewertet. Früher hätte der eher aufbrausende Keeper diesen verbalen Elfmeter schlagzeilenträchtig verwandelt. Vielleicht ist es ja der disziplinierende Einfluss der Manni-Kaltz-Fußballschule.



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