weather-image

Wer nicht fragt, bleibt dumm

Laura-Helen Lücke (8) fragte: „Können Fische schlafen?“

veröffentlicht am 22.10.2009 um 13:47 Uhr
aktualisiert am 22.10.2009 um 15:58 Uhr

270_008_4185480_60_Fragmal.jpg

Laura-Helen Lücke (8) fragte: „Können Fische schlafen?“ Es antwortete Dr. Oliver Walenciak, Biologischer Leiter von Sea Life in Hannover: „Liebe Laura-Helen, die Frage kann man ganz klar mit ,ja‘ beantworten. Wie andere Tiere auch, müssen Fische sich von den Strapazen des Alltags erholen. Hierzu verringert sich die Atmung und der Herzschlag. Im Gegensatz zu Säugetieren fallen Fische aber nicht in einen Tiefschlaf, bei dem die Umgebung nicht mehr wahrgenommen wird, sondern sie gehen sozusagen auf Sparflamme. Wenn sich ein Feind nähert, können sie so unter Umständen noch die Flucht ergreifen.

Da Fische keine Augenlider haben, sieht man es ihnen oft nicht an, dass sie schlafen (und man hat bis heute auch keinen Fisch schnarchen hören). Jede Fischart hat aber ihre eigenen Schlafangewohnheiten. Manche Fischarten lassen sich einfach treiben, andere vergraben sich im Sand. Drückerfische klemmen sich in Felsspalten, manche Lippfische ziehen sich sogar einen Schlafrock aus Schleim an. Dieser soll sie vor Feinden schützen, die nachts mithilfe ihres Geruchssinnes auf Jagd gehen. Mondfische verbringen viel Zeit damit, tagsüber an der Meeresoberfläche in der Sonne zu dösen. Bei Haiarten, die ständig schwimmen müssen, geht man davon aus, dass abwechselnd immer nur eine Hälfte des Gehirns schläft, während die andere Seite wach bleibt. Die mit den Haien verwandten Kuhnasenrochen im Sea Life Hannover, die ebenfalls den ganzen Tag rastlos umherschwimmen, kann man jedoch beobachten, wie sie sich, kurz bevor die letzten Besucher gehen, auf den Boden legen und einfach einschlafen.“

Julian ter Veer aus Hessisch Oldendorf fragte: „Warum ist die Erde eine Kugel?“ Es antwortet der Diplom-Geologe Andreas Hoemann aus Brakel: „Lieber Julian, alle Dinge – auch die kleinsten Atome – üben eine Anziehungskraft auf benachbarte Dinge aus. Bei kleinen Gegenständen fällt dies im Alltag nicht auf; bei großen, wie zum Beispiel der Erde, zieht diese Kraft uns nach unten und wird Schwerkraft genannt. Im luftleeren Weltraum ziehen sich alle Dinge auch über weite Entfernungen gegenseitig an, so dass durch die Anziehungskraft der Sonne die Planeten auf Umlaufbahnen gezwungen werden. Bei der Entstehung unseres Sonnensystems – aber auch aller anderen Sonnen und Planeten im Universum – zogen sich die vorhandenen kleinen und kleinsten Teilchen also gegenseitig an und stießen deshalb zusammen. Sie verschmolzen zu immer größeren Gebilden, die dann wiederum eine stärkere Anziehung auf die übrigen Teile ausübten.

270_008_4185482_60FragmalC.jpg
270_008_4185486_60_Fragmal.jpg
270_008_4185494_60_Fragmal.jpg
270_008_4185501_60_Fragmal.jpg
270_008_4185502_60_Fragmal.jpg
270_008_4185482_60FragmalC.jpg
270_008_4185486_60_Fragmal.jpg
270_008_4185494_60_Fragmal.jpg
270_008_4185501_60_Fragmal.jpg
270_008_4185502_60_Fragmal.jpg

Durch die ständigen Zusammenstöße erhitzten sich die entstandenen größeren, zumeist unregelmäßig geformten Körper, bis sich eine geschmolzene Masse bildete. In dieser geschmolzenen Masse zogen sich alle Teilchen gleichmäßig gegenseitig an. In einer Kugel ist die Anziehungskraft aller Teile zum Mittelpunkt gerichtet. Weiter vom Mittelpunkt entfernte Bereiche werden deshalb stärker angezogen. Beulen und Dellen glichen sich deshalb in dem geschmolzenen Körper wie auf einer Wasseroberfläche aus. Weil im luftleeren Weltall keine anderen äußeren Einflüsse vorhanden sind, bildete sich eine Kugel.“

Josephine Rohmann aus Halvestorf fragte: „Warum haben Chinesen Schlitzaugen?“

Es antwortete Prof. Bernd Herrmann vom Johann-Friedrich-Blumenbach-Institut für Zoologie und Anthropologie in Göttingen: „Liebe Josephine, bei diesen Augenformen liegt beim geöffneten Auge der untere Teil des oberen Augenlides vollständig unter dem Oberteil des oberen. Das Oberteil ist über den inneren Augenwinkel geführt und an der Nasenseite angewachsen. Innerer und äußerer sichtbarer Augenwinkel liegen dadurch auf einer schrägen Linie, und damit scheint das Auge selbst schräg zu stehen, was es in Wirklichkeit nicht tut. Der Eindruck wird durch die andere Lidform erzeugt. Eigentlich ist diese Augenform bei zentralasiatischen und nordostasiatischen Völkern viel stärker zu sehen als bei vielen Chinesen.

Lange dachte man, diese Augenform sei eine besondere Anpassung an kaltes

Klima, so wie man es auch von der Gesichtsform zentral- und nordostasiatischer Völker glaubte. Diese Auffassung ist heute stark infrage gestellt. Eine wissenschaftlich haltbare Ursache für diese Augenform ist nicht bekannt. Dass diese Augenform in bestimmten Umgebungen vorteilhaft sein kann, darf man daraus ableiten, dass sie ähnlich auch in Südafrika vorkommt. Dort ist es aber ziemlich warm. Ganz sicher ist, dass sich seit vielen tausend Jahren die betroffenen Menschen an der Augenform nicht stören – sonst wären diese Formen nämlich im Laufe der Generationen viel seltener geworden oder vielleicht schon verschwunden.“

Adrian und Marek Rakemann aus Hemeringen fragten: „Warum dreht sich das Wasser im Abfluss immer links herum, wenn es abfließt?“

Es antwortete Physiker Dr. Peter Droste: „Lieber Adrian, lieber Marek, die Legenden über die wundersamen Auswirkungen der Corioliskraft sind vielfältig. Die Corioliskraft ist eine Trägheitskraft, die in allen rotierenden Systemen wirksam wird, und auf der Erde wirkt sie sich tatsächlich auf Strudel aus: Sie sorgt zum Beispiel dafür, dass auf der Nordhalbkugel die Winde alle Hochdruckgebiete im Uhrzeigersinn umwehen und alle Tiefdruckgebiete gegen den Uhrzeigersinn – auf der Südhalbkugel ist es dann genau umgekehrt. Dass die Corioliskraft in diesem Fall sichtbar in Erscheinung tritt, liegt vor allem an der großen Ausdehnung von Hoch- und Tiefdruckgebieten.

In der Badewanne oder im Waschbecken dagegen hängt die Abflussrichtung zu 99 Prozent vom Zufall ab und vielleicht zu einem Prozent von der Corioliskraft. Es ist also keinesfalls richtig, dass sich der Strudel auf der Nordhalbkugel immer links herum und auf der Südhalbkugel rechts herum dreht.“

Justin Speer fragte: „Warum sind die Dinosaurier ausgestorben?“

Es antwortet Nils Knötschke vom Dinosaurier-Park Münchehagen: „Am Ende der Kreidezeit vor 65 Millionen Jahren sind alle größeren Dinosaurier wie T-Rex und die Langhalssaurier ausgestorben. Das lag an Vulkanausbrüchen und Meteoriteneinschlägen auf der gesamten Erde. Dadurch hatte sich das Klima auf der Erde gewandelt. Es wurde kälter, die Nahrungspflanzen der Pflanzenfresser starben ab. Die Pflanzenfresser konnten nicht mehr leben, und damit fiel auch die Nahrungsgrundlage für die großen Fleischfresser weg. Allerdings haben manche Tiere dieses Ereignis überlebt – zum Beispiel Krokodile und Schildkröten. Und es stimmt auch gar nicht, dass alle Dinosaurier ausgestorben sind! Eine Gruppe von kleinen schnellen Raubsauriern hat angefangen, Federn auszubilden. Diese kleinen Raubsaurier haben sich am Ende der Kreidezeit zu unseren heutigen Vögeln weiterentwickelt.“

Kira Lentge aus Hameln fragte: „Warum sind Babyaugen immer blau?“

Es anwortete Augenärztin Dr. med. Maren Elise Kitay: „Liebe Kira, die meisten hellhäutigen Babys, die bei uns geboren werden, kommen mit blauen Augen auf die Welt. Ob ein Baby die

blauen Augen seiner Mutter oder

braunen Augen seines Vaters geerbt hat, stellt sich erst im Laufe der ersten Monate heraus. Sogar, wenn beide Eltern braune Augen haben. Die Farbe unserer Augen wird nämlich durch Farbzellen bestimmt. Sie heißen Melanozyten. Diese Melanozyten sind so etwas wie Farbtuben. Sie sitzen in der farbigen Regenbogenhaut rund um die schwarze Pupille. Diese Farbtuben drücken einen Farbstoff, das Melanin, in die Regenbogenhaut. Für blaue Augen ist am wenigsten Farbe nötig. Geben die Farbtuben ein klitzekleines bisschen mehr Farbe in die Regenbogenhaut, färbt sich das Auge grün. Noch etwas mehr Farbe, und das Auge wird braun. Übrigens: Dunkelhäutige Babys haben meist schon bei der Geburt braune Augen. Bei ihnen wird schon während der Schwangerschaft eine größere Menge Farbstoff erzeugt.“

Zunächst auf der Familienseite,

inzwischen auf der „Kleinen Seite“, beantworten Experten simple wie komplizierte Kinderfragen.

Dumme Fragen gibt‘s nicht: In der Rubrik „Frag mal!“müssen Experten für junge Dewezet-Leser mitunter harte Nüsse knacken. Eine kleine Auswahl.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2017
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare