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Von selber reifen keine Blütenräume beim Obstanbau / Schnellkurs an der Stoevesandtstraße

Wer ernten will, muss schneiden können

Obernkirchen (sig). Wer mal auf die Schnelle eine Gartenschere in die Hand nimmt und damitÄste eines Obstbaumes kürzen oder ganz entfernen will, der sollte sich keine allzu großen Hoffnungen auf eine gute Ernte im kommenden Spätsommer oder Herbst machen. Es gehört nämlich schon eine Portion Theorie und Praxis dazu, um brauchbare oder sogar optimale Ergebnisse zu erzielen. Deshalb lud der Vorsitzende des Obernkirchener Obst- und Gartenbauvereins, Werner Kütemeyer, seine Mitglieder zu einem fachgerechten Obstbaumschnitt in seinen Garten ein.

veröffentlicht am 12.02.2007 um 00:00 Uhr

Hans-Dieter Scholz

Dick vermummt versammelten sich die wissbegierigen Zuschauer am Sonnabend rund um die kleine Apfelplantage an der Stoevesandtstraße. Einige Schneepflocken verirrten sich in der nasskalten Luft. Das hinderte aber den Experten Hans-Dieter Scholz aus Lindhorst nicht daran, Hand anzulegen an vier Apfelbäumen. Dazu gehörten der grüne und der rote Boskop, zwei fein säuerliche Winterapfelsorten, sowie die halbfrühe Sorte James Griev, die saftig und süß ist, aber nicht so lange haltbar ist. Seit 38 Jahren gibt das Mitglied des Stadthäger Obst- und Gartenbauvereins sein Wissen beim Schneiden von Obstbäumen und Ziergehölzen weiter. Da hat sich ein kapitaler Fundus von Erfahrungen angesammelt, und der im Amateurstatus stecken gebliebene Gartenfreund staunt, was es bei dieser Tätigkeit so alles zu bedenken gibt. Das fängt beim Werkzeug an. Was eine stabile Gartenschere nicht schafft, das erledigt Hans-Dieter Scholz mit einer handlichen Stahlsäge. Deren Sägeblatt ist in nahezu alle Richtungen verstellbar, damit man auch in engen Astgabelungen hantieren kann. Für den Fall, dass dickere Äste abgeschnitten werden müssen, führt der Experte ein Lackbalsam zum Verschließen der Wunde bei sich. "Damit schaffe ich eine künstliche Rinde und verhindere den Wundfluss", ließ Hans-Dieter Scholz seine Zuschauer wissen. Schneiden könne man das ganze Jahr über - nur nicht in der Blütephase und dann, wenn am Baum die Früchte reifen. "Sorgen Sie dafür, dass keine Stummeln stehen bleiben, sondern schneiden Sie direkt über der Stelle, wo der Ast oder Zweig ansetzt", lautete ein wichtiger Hinweis. Und danach zeigte der Lindhorster, dass alle nach oben stehenden oder nach innen wachsenden Triebe entfernt werden sollten. DieÄste im Bereich der Krone dürfen nicht zu dick werden, sonst verkümmern die unteren. Oben lässt der Experte nur eine Spitze zu und sorgt dafür, dass alle konkurrierenden Äste entsprechend zurück geschnitten werden. Das geschieht jeweils nur an den Stellen, an denen die Knospen nach außen zeigen. Einige längere Äste wurden auch nach unten gebogen. Das geschah mit einer Schnur, die in jedem Fall nicht aus Kunststoff sein soll, "weil der in die Rinde einwachsen kann". Damit der Saftstrom nicht ausschließlich nach oben steigt, empfahl Hans-Dieter Scholz diese Maßnahme. Mit sicherer Hand entfernte er nicht nur alle trocken gewordenenÄste, sondern auch diejenigen, die viele Früchte getragen hatten und danach nach unten hingen, sowie die als Wasserholz bezeichneten Triebe, an denen sich keine Früchte bilden. Eine Wissenschaft für sich ist das richtige Behandeln der jungen Obstgehölze in den ersten drei Jahren, bis sie anfangen, zum ersten Male Früchte zu tragen. Ohne das nötige Fachwissen kann man da schon viel falsch machen und sich um den Lohn seiner Mühen bringen. Hans-Dieter Scholz versprach, im nächsten Jahr wieder zu kommen und dann weitere nützliche Tipps und Hinweise für die richtige Obstbaumpflege zu geben.

Licht und Sonne sollen möglichst alle Äste erreichen. Deshalb is
  • Licht und Sonne sollen möglichst alle Äste erreichen. Deshalb ist der Fachmann gar nicht zimperlich beim Freischneiden. Fotos: sig

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