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Nur in Ausnahmefällen gehen Angehörige ganz leer aus

Wer „enterbt“ wird, bekommt trotzdem noch einen Pflichtteil

veröffentlicht am 27.06.2013 um 00:00 Uhr

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Autor:

Edith Petters Grundmeier REchtsanwältin und NoTarin

Springe. Mit dem Tode des Erblassers sind die Angehörigen verpflichtet, zu Hause aufbewahrte Testamente unverzüglich beim Nachlassgericht abzuliefern. Befindet sich das Testament in amtlicher Verwahrung eines Amtsgerichtes, so benachrichtigt das Standesamt das Amtsgericht von dem Todesfall.

Das Nachlassgericht eröffnet alle abgelieferten und verwahrten Testamente und ermittelt die Erben. Zwischen Todesfall, Testamentseröffnung, Ermittlung der Erben durch das Nachlassgericht und Zustellung des eröffneten Testamentes können Tage, sogar Wochen vergehen. Deshalb kann es sinnvoll sein, einer Vertrauensperson eine Vollmacht zu erteilen, die über den Tod hinaus weiter gilt, bis sie von den Erben widerrufen wird.

Eine Kopie des eröffneten Testamentes wird nicht nur den im Testament eingesetzten, sondern auch den gesetzlichen Erben zugesandt. Gehören die gesetzlichen Erben zum Kreis der Pflichtteilsberechtigten und sind im Testament nicht, oder nicht zumindest in Höhe des Pflichtteils bedacht worden, müssen sie sich entscheiden, ob sie den Pflichtteil geltend machen wollen.

Pflichtteilsberechtigt sind nur die leiblichen und Adoptivkinder des Erblassers, falls diese nicht mehr leben deren Kinder. Sind keine Nachkommen vorhanden, können auch die Eltern des Erblassers pflichtteilsberechtigt sein, falls sie noch leben. Geschwister und weitere Verwandte haben kein Pflichtteilsrecht. War der Verstorbene verheiratet, ist auch sein Ehegatte pflichtteilsberechtigt.

Die Pflichtteilsberechtigten sind nicht am Nachlass beteiligt, sie können nur von den Erben einen Geldbetrag in Höhe der Hälfte ihres gesetzlichen Erbteils fordern. Um diesen berechnen zu können, haben die Pflichtteilsberechtigten einen Auskunftsanspruch gegen die Erben über die Höhe des Nachlasses am Todestag. Sie können sogar die Bewertung einer lmmobilie zum Todestag durch einen Gutachter auf Kosten des Nachlasses verlangen.

Wenn ein Pflichtteilsberechtigter erfährt, dass er nicht bedacht worden ist, muss er sich entscheiden, ob er seinen Pflichtteil geltend machen will, weil der Pflichtteilsanspruch innerhalb von drei Jahren nach Kenntnis davon, dass der Erbfall eingetreten und er nicht ausreichend bedacht worden ist, verjährt. Die Verjährung wird nur durch gerichtliche Geltendmachung verhindert.

Hat der Erblasser, um die Pflichtteilsberechtigten zu benachteiligen, zu Lebzeiten Vermögenswerte verschenkt, so steht diesen unter Umständen ein Pflichtteilsergänzungsanspruch zu. lnnerhalb von einer Frist von zehn Jahren wird der Wert der Schenkung bei der Berechnung des Pflichtteils dem Nachlasswert hinzugerechnet. Der zugerechnete Wert reduziert sich jedes Jahr um 10 Prozent. Verstirbt der Erblasser ein Jahr nach der Schenkung, werden noch 90 Prozent des Wertes angerechnet, verstirbt er neun Jahre nach der Schenkung werden nur noch 10 Prozent des verschenkten Wertes angerechnet.

Der Erblasser kann einem Pflichtteilsberechtigten den Pflichtteil durch eine entsprechende Anordnung im Testament nur dann entziehen, wenn dieser dem Erblasser oder einer nahestehenden Person nach dem Leben trachtet oder sich einer schweren Straftat gegenüber dem Erblasser oder seinen nahen Angehörigen schuldigt gemacht hat. Der Pflichtteil kann ferner demjenigen entzogen werden, der eine dem Erblasser gegenüber bestehende Unterhaltspflicht böswillig verletzt oder wegen einer vorsätzlichen Straftat zu einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr ohne Bewährung verurteilt wurde.



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