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47-Jähriger bezeichnet Juristen in einem Brief ans Gericht als "korrupt" / Zu 3600 Euro Geldstrafe verurteilt

Wer einen Richter beleidigt, sollte gut bei Kasse sein

Stadthagen (ly). Wer meint, einen Richter beleidigen zu müssen, sollte zumindest gut bei Kasse sein. Wegen einer solchen Tat hat das Stadthäger Amtsgericht jetzt einen 47-Jährigen aus Bad Nenndorf zu 3600 Euro Geldstrafe verurteilt, was in diesem Fall anderthalb Monatseinkommen entspricht.

veröffentlicht am 14.11.2008 um 00:00 Uhr

AusÄrger über den Ausgang eines Zivilprozesses am Landgericht Bückeburg hatte der Mann dem Richter unter anderem vorgeworfen, korrupt zu sein. Mehrere tausend Euro seien ihm "geklaut" worden - im übertragenen Sinne natürlich. Dabei hatte der Nenndorfer jenem Vergleich, mit dem das Zivilverfahren beendet worden war, damals zugestimmt, angeblich aber unter Druck. Später hätte er die Entscheidung am liebsten rückgängig gemacht. "Für ihre Handlungen sind Sie selbst verantwortlich", schrieb die Stadthäger Amtsrichterin Gönna Freifrau von Blomberg dem 47-Jährigen, der im öffentlichen Dienst beschäftigt ist, jetzt ins Stammbuch. "Der Richter hat ganz seriös gearbeitet", fügte sie hinzu. Der Zivilprozess in Bückeburg, mit dem alles begonnen hatte, liegt mehrere Jahre zurück. Gegangen war es um 10 000 Mark, die eine Bekannte dem Nenndorfer offenbar gegeben hatte, damit dieser gewinnbringend an der Börse spekulierte. Das ging allerdings in die Hose, die Frau verlangte ihr Geld zurück. Am Ende stand ein Vergleichüber rund 2500 Euro, etwa die Hälfte des Betrages. "Ich bin auf Anwälte reingefallen", klagt der Verurteilte. Den Brief mit den beleidigenden Äußerungen hat er im März 2008 geschrieben, etwa fünf Jahre danach. Warum so spät, blieb offen. Der beleidigte Jurist hätte die Sache vermutlich aufsich beruhen lassen. Nicht jedoch der Präsident des Landgerichts, der Strafantrag wegen Beleidigung stellte. Im Strafprozess war die Lage jetzt aussichtslos. Seinen Einspruch gegen den ursprünglichen Strafbefehl, eine schriftliche Verurteilung zur Zahlung von 3040 Euro, mochte der Angeklagte dennoch nicht zurückziehen. "Strafbefehle sind Friedensangebote, die man schlucken sollte", hatte Staatsanwalt Günter Wilkening gewarnt. Nun muss der Angeklagte mehr als 500 Euro drauflegen. Gegen das Urteil ist allerdings noch Berufung vor dem Landgericht möglich.



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