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"Papilio" - Programm für Kindergärten zur Vorbeugung gegen Sucht und Gewalt

Wenn Zornibold macht, was er will...

Landkreis (cok). Vier Kindergärten des Landkreises sollen es testen, das neue Präventionsprogramm "Papilio" gegen Suchtverhalten und Gewalt. Ab Ende November nehmen die Erzieherinnen an Ausbildungsseminaren teil, die in NRW, Hessen und Hamburg mit wissenschaftlicher Begleitung bereits erfolgreich gelaufen sind. Wenn das LandNiedersachsen seine Zustimmung gibt, dann können bald flächendeckend 2000 Kindergartenpädagogen in Schaumburg entsprechend geschult werden.

veröffentlicht am 10.11.2006 um 00:00 Uhr

Die erste Präsentation des Programms, fand in Rinteln statt, eröffnet durch ein kleines Marionettentheaterstück über Gefühle und wie man mit ihnen umgehen kann. Das war die ganz entzückende Einstimmung für die Kinder aus den teilnehmenden Projektkindergärten in Rolfshagen, Bad Nenndorf, Enzen und Peetzen und deren Betreuer. "Je früher wir mit der Prävention beginnen, desto besser stehen die Entwicklungschancen der Kinder", sagte im anschließenden Pressegespräch mit Vertretern der Jugendpflege des Landkreises die Fachberaterin für Kindertageseinrichtungen des Landkreises Ursula Büthe. Das Marionettentheaterstück "Paula und die Kistenkobolde" zeigte auf ganz einfache Weise, worauf es in der Präventionsarbeit ankommt: Vier kleine Kobolde traten auf, die ihren Gefühlen von Ängstlichkeit, schlechter Laune, Gekränktsein oder ausufernder Fröhlichkeit ganz ungezwungen freien Lauf ließen. Dass man so nicht allzu gut miteinander auskommt, wurde auch den kleinen Zuschauern schnell klar, und auch, wie wichtig es ist, sich selber besser kennen zu lernen und zu begreifen, was in den anderen eigentlich vorgeht. Ursula Büthe würdigte das vom "beta Institut für angewandtes Gesundheitsmanagement" in Kooperation mit den Universitäten Augsburg, Bremen und Berlin entwickelte und von der Barmer Krankenkasse, der "betapharm Stiftung" und dem Schaumburger Jugendamt unterstützte Projekt als ein sorgfältig aufgebautesProgramm, das darauf baue, die sozial-emotionale Kompetenz von Kindern zu fördern und ihnen damit das nötige Handwerkszeug zur Bewältigung von Konfliktsituationen mitzugeben. Damit das in den Kindergärten vor Ort umgesetzt werden kann, setzt "Papilio" auf drei Ebenen an. Die Erzieherinnen lernen durch das Trainingsprogramm, wie sie ihr Erziehungsverhalten gemeinsam reflektieren und weiterentwickeln können. Auch die Eltern werden in Elternabenden einbezogen und über die neuesten Erkenntnissezu Sucht, Gewalt und Vorbeugung informiert. Die Kinder schließlich lernen nicht nur den Kobolden "Heulibold", "Zornibold", "Bibberbold" und "Freudibold" und die dazugehörigen Grundgefühle kennen, sondern sie üben sich auch in einem wöchentlichen "Spielzeug-macht-Ferien-Tag", der sie noch intensiver mit ihren Kindergartenkameraden zusammenbringen soll. Schließlich wird auch das "Meins-deins-unser-Spiel" eingeführt, ein spielerisches Training zum Erlernen und Umsetzen von sozialen Regeln des friedlichen Miteinanders. Horst Roselieb aus dem Niedersächsischen Kultusministerium, der sich im Pressegespräch über das "Papilio"-Projekt informieren ließ, zeigte sich durchaus positiv beeindruckt. Er verwies auf das bisher erfolgreich laufende Präventionsprogramm "Faustlos", das sich speziell an Grundschulkinder wendet, und betonte seine Aufgeschlossenheit für neue Wege in noch früherem Kindesalter. "Vierjährige haben das höchste Aggressionspotenzial, ein gutes Alter, um mit der Förderung des Einfühlungsvermögens zu beginnen", sagte Roselieb Auch Thomas Priemer, Bürgermeister im Auetal und damit als Träger für den Rolfshäger Kindergarten zuständig, plädierte für "Papilio"-Schulung des Kindergartenpersonals. "Das ist die perfekte Grundlage für die Zeit an der Grundschule, in der bei uns die Gewaltprävention eine große Rolle spielt."

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