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"Anatevka": Stehende Ovationen für die Musical-Aufführung des Gymnasiums

Wenn Traditionen sich wandeln

Rinteln. Restlos gefüllt ist der Brückentorsaal zur Premiere des Musicals "Anatevka" am Donnerstag gewesen. Hinter den Kulissen ist die Aufregung der Gymnasiasten des Ernestinums groß. Monatelang haben sie sich in der Theater-AG, dem Orchester und der Technik-AG auf diesen Abend vorbereitet. Als sich der Vorhang öffnet, ist die Aufregung verflogen - und alles läuft bestens.

veröffentlicht am 17.05.2008 um 00:00 Uhr

Das Musical "Anatevka" hat eine Botschaft, die noch heute gültig

Autor:

Katharina Lange

Der Milchmann Tevje, der von Peter Oldaküberragend gespielt wird, erzählt von den Bewohnern und ihrem Leben in Anatevka, einem kleinen Dorf in der Ukraine, wo das Stück um 1905 spielt. In dem beschaulichen Ort wird noch großer Wert auf Traditionen gelegt. Der erste Akt beginnt daher mit dem Lied "Tradi- tion", welches der Chor, begleitet vom 25-köpfigen Orchester unter der Leitung von Sven Rundfeldt, glanzvoll singt. Dann gerät das Gleichgewicht der jüdischen Gemeinde in den vorrevolutionären Zeiten ins Wanken. Was es für einen Menschen bedeutet, wenn langsam die Traditionen und das Weltbild zerbrechen, wird an Tevje verdeutlicht. Dieser hat mit seiner Frau Golde, gespielt von Ute Boczek, drei Töchter im heiratsfähigen Alter und will diese, wie es Sitte ist, durch die Heiratsvermittlerin Jente (Joanna Dommnich) vermählen. Doch es kommt anders, ganz anders. Dieälteste Tochter Zeitel (Uta Preil) will nicht den reichen und wesentlich älteren Fleischer Lazar Wolf (Fabian Kronenberg) heiraten, sondern den armen Schneider Mottel (Niklas Benito). "Papa, ich liebe ihn und will ihn heiraten, auch wenn wir in Armut leben", beschwört sie ihren Vater. "Reichtum ist ein Fluch", stellt der revolutionäre Student Perchig (Viktor Sauer) dazu fest, der als Lehrer bei der Familie wohnt. "Der Herr möge mich damit beladen!", fleht Tevje, als er in die Heirat einwilligt. Mit einem Trick muss er allerdings seine Frau Golde davonüberzeugen, denn diese will ihre Töchter mit reichen Männern verheiraten. Sie übt häufig Druck auf ihren Mann aus und wirft ihm vor, dass er faul sei. Ute Boczek überzeugt in ihrer Rolle durch starke Mimik und Gestik, und wenn sie ihren Ehemann anbrüllt, wackeln die Bühnenbretter. Tevje zieht sich immer wieder in seine Gedanken zurück, hält Zwiesprache mit Gott und beschwört ihn immer wieder, ihm und seiner Familie das Leben etwas zu erleichtern. Dabei besticht der junge Schauspieler durch eindrucksvolle Mimik und Gestik und seine kräftige Stimme - gesungen und gesprochen. Sogar einen russischen Akzent hat er einstudiertund verleiht so der Hauptfigur einen hohen Grad an Authentizität. Tevjes zweite Tochter Hodel (Maike Adam) verliebt sich schließlich in den revolutionären Studenten Perchig (Viktor Sauer) und folgt ihm nach Sibirien. Chava (Stephanie Jungnitz) hat es ein russischer Dorfbewohner angetan. Das kann Tevje aufgrund der unterschiedlichen Religionen nun nicht mehr tolerieren und verstößt seine Tochter, die heimlich geheiratethat. Zum Schluss werden die Juden aus ihrem Dorf Anatevka vertrieben: Die Zeit ist aus den Fugen und bricht mit Vertreibung und Zerschlagung der Kultur ein. Am Schluss bleiben Tevjes Zweifel und Hoffnung, ob und dass es der "neuen Zeit" gelingen möge, das Gleichgewicht zu finden und zu halten. Tosender Beifall lässt dann den Saal erbeben, als sich der Vorhang schließt. Mit stehenden Ovationen empfängt das Publikum die Akteure. Heute um 19.30 Uhr wird "Anatevka" noch einmal aufgeführt.



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