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Eltern von Marvin (12) empört: Krankenkassen wollen schnell wirkendes Insulin nicht mehr erstatten

Wenn spontane Esslust ein teurer Spaß wird

Landkreis (jpw). Einfach mal spontan in einen Apfel beißen? Die Familie des zuckerkranken Schaumburgers Marvin Deseniß könnte diese normale Lust am Essen künftig teuer zu stehen kommen: Die Krankenkassen wollen schnell wirkendes Insulin nicht mehr bezahlen. "Es gibt viele Betroffene im Schaumburger Land", weiß Mutter Sabine Deseniß, für die sie auf das Problem hinweisen will.

veröffentlicht am 21.02.2008 um 00:00 Uhr

"Hier wird am falschen Ende gespart": Sabine (v.l.), Marvin und

Beim zwölfjährigen Marvin hatten die Ärzte im Kinderkrankenhaus auf der Bult vor rund vier Jahren Typ I Diabetes festgestellt. Fortan diktierte die Krankheit sieben Tage in der Woche den Terminplan der Helsinghäuser Familie. Sechsmal am Tag musste Marvin Insulin gespritzt bekommen. "Das begann morgensum sechs", erinnert sich Sabine Deseniß. Jede Mahlzeit musste im Voraus mit einer halben Stunde Abstand streng berechnet werden, jegliche Spontanität, zum Beispiel bei Kindergeburtstagen, war streng ausgeschlossen. Auch aufessen musste Marvin immer. Sein Vater erinnert sich: "Wollten wir nachmittags bummeln und ein Eis essen, musste die Spritzentasche mit." Vor anderthalb Jahren schaffte die Familie für Marvin eine Insulinpumpe an, die ihm ein fast normales Leben ermöglicht und für einen gleichmäßigen Insulinspiegel sorgt. Marvin muss keine Uhrzeiten mehr beachten, nur das Essen vorher abwiegen und kann den Blutzuckerwert auch nach dem Essen mit Insulin normalisieren. Dieses Insulin wirkt schnell. Das ist gut für Marvins Stoffwechsel. Das Risiko möglicher Spätschäden wie Erblindung, Nierenversagen oder Herz-Kreislaufproblemen wird minimiert. Gegen den Protest von Fachärzten hat der gemeinsame Bundesausschuss als oberstes Beschlussgremium von Ärzten, Kliniken und Krankenkassen vor, das schnell wirkende Insulin aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Kassen zu streichen. Die Entscheidung soll heute getroffen werden. Von Hannover aus - aus dem Umfeld des Kinderdiabeteszentrums und des Vereins Diabolinus - wird gegenwärtig bundesweiter Protest organisiert. Zum Diktat der Spritze will die Familie auf keinen Fall zurückkehren. Auch Marvin möchte das große Stück Normalität und Lebensqualität nicht mehr missen. "Falls der Beschluss so kommt, werden wir zuzahlen müssen", sagt Guido Deseniß. Nach Modellberechnungen würden das etwa 30 Euro im Monat sein. "Viele können sich das nicht leisten", meint seine Frau, die befürchtet, dass das der erste kleine Schritt hin zu weiteren Kürzungen ist. "Hier wird am falschen Ende gespart." Kontakt: Der Verein Diabolinus istüber die Vorsitzende Margit Munz unter (0511) 4595898 und im Internet unter www.diabolinus.de zu erreichen.



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