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Rintelner stellt neue Informationstechnologien auf der Cebit vor: Handys melden selbstständig Stau

Wenn sich Autos miteinander unterhalten...

Rinteln/Hannover (wm). Auf der Cebit, die vom 4. bis 9. März in den Hannoveraner Messehallen stattfindet, stellen der Rintelner Verkehrsplaner Dr. Norbert Handke, Geschäftsführer der Landesinitiative Telematik/ITS Niedersachsen, und sein Team im Rahmen des Forums "Cebit in Motion" in den Hallen 14 und 15 ein neues System vor, bei dem Staus und Verkehrsströme durch die eingeschalteten Handys der Autofahrer auf der Autobahn ermittelt werden.

veröffentlicht am 14.02.2008 um 00:00 Uhr

Dr. Norbert Handke

Die bisherige Methode - Erfassungüber Induktionsschleifen oder Meldungen von Polizei und Autofahrern - hat einen Nachteil: Oft erfährt man aus dem Autoradio erst dann vom Stau, wenn auf drei Spuren voraus alle Bremslichter aufleuchten - an der möglichen Ausfahrt ist man dann selbstverständlich längst vorbei. Weiterer Vorteil des neuen Systems: Geräte zur Verkehrserfassung wie Induktionsschleifen oder Video- oder Infraroterfassungssysteme müssen dafür nicht extra installiert und unterhalten werden. Das System funktioniert, vereinfacht dargestellt, in etwa so: Ist ein Autofahrer mit eingeschaltetem Handy unterwegs, sucht das Handy immer den nächsten Funkmasten, die nächste Funkzelle, wo es sich an- und später wieder abmeldet. So lässt sich ermitteln, wie viele Handys zwischen den einzelnen Funkzellen unterwegs sind. Die Mobilfunkanbieter haben ihre Funknetze inzwischen so weit ausgebaut, dass es praktisch kaum mehr Lücken gibt. Es ist etwa so wie im Flugverkehr, veranschaulichte Handke, wo Flieger von Funkfeuer zu Funkfeuer weitergereicht werden. Zweites eindeutiges Indiz für einen Stau, haben Handke und sein Team festgestellt: Die Zahl der Gespräche steigt sprunghaft an, wenn Autofahrer ausgebremst werden. Logisch, der erste Griff, wenn das Auto steht, geht zum Handy, um die Ehefrau zu beruhigen, Geschäftspartner zu verständigen, oder einfach zu plaudern. Geradezu ideale Teststrecke für das neue System, schilderte Handke, sei die A 2, die "Warschauer Allee" - ein entsprechender Auftrag soll vergeben werden, wenn die Cebit vorbei ist. Weiteres zukunftsweisendes Thema im "Motion-Forum" ist das noch weitergehende System "Floating Car Data" (FCD) und das "Extended Floating Car Data" (EFCD), bei dem sich die Fahrzeuge untereinander unterhalten können - einziger Nachteil bisher: Im Auto muss GPS, das Global Positioning System, also ein Navigationssystem wie beispielsweise TomTom, aktiviert sein. Eine Unterhaltung zwischen zwei Fahrzeugen könnte sich dann so anhören: "Vorsicht, ich kämpfe gerade mit Aquaplaning, pass bloß auf, wenn Du hier gleich vorbeikommst." BMW hat ein entsprechendes System bereits vorgestellt und auf einer Teststrecke optimiert: Ein Fahrzeug gerät auf eine rutschige Oberfläche, ob Wasser, Öl oder Glatt-eis, bewertet in Sekundenbruchteilen die Information und warnt in Echtzeit die nachfolgendes Autos. Diese Information wird gleichzeitig an eine Verkehrsleitzentraleübertragen, die sie weiterverarbeitet, auf Plausibilität prüft (bei Plusgraden ist Glatteis unwahrscheinlich), mit einer digitalen Karte abgleicht (in welchem Autobahnabschnitt ist das gemeldet worden) und die Information an den Verkehrsfunk weitergibt. Motto: Gefahr erkannt, Gefahr gebannt. Da viele Fahrzeuge ohnehin schon heute fahrende Computer sind, ist der Schritt zu einer Vernetzungüber den Mobilfunk so riesig nicht mehr, schilderte Handke. Ein modernes Auto kann außer der eigenen Geschwindigkeit auch weitere Daten ermitteln - ist das Fern- oder Nebellicht eingeschaltet, wie ist die Außentemperatur, regnet es (über den Regensensor) und wo bin ich gerade (mit dem Navigationssystem). Mit der Stabilitätskontrolle (DSC) wiederum kann der Computer bei Minusgraden, eingeschaltetem Scheibenwischer und langsamer Fahrgeschwindigkeit bei einem Ansatz zum Schleudern auf mögliches Glatteis schließen und andere Fahrzeuge sofort warnen. In Wien beispielsweise, wo 70 Prozent aller Taxis mit GPS ausgestattet sind, wird diese Vernetzung genutzt, um für Taxis die optimale Route nach der aktuellen Verkehrssituation zu ermitteln und sie notfalls in Echtzeit bei Staus auf die nächste geeignete Umleitung zu lenken. Eigentlich grundsätzlich keine neue Idee: Wie nützlich solche Informationen unterwegs sind, haben Trucker schon längst herausgefunden, die sich über ihre CB-Funkgeräte, wenn auch mit bescheidener Reichweite, gegenseitig warnen und informieren über Glatteis, Radarkontrollen, die aktuellen Spritpreise an den Tankstellen und wo die Buletten besonders gut schmecken. Ein besonderes Highlight, verspricht Handke, werde im Rahmen von "Telematics& Navigation" bei der Cebit das Fahrassistenzfahrzeug "Caroline" werden, das Auto, das bei der "Grand Challenge" in der Mojave-Wüste in Nevada (USA) führerlos durch eine künstlich gebaute Stadt gefahren ist - ein- und ausparken inbegriffen. "Caroline" soll auf dem Freigelände der Cebit nördlich der Halle 26 mit anderen Fahrzeugen ohne Fahrer im Cockpit den Weg über das Cebitgelände finden. Doch bis so ein System im Alltagseinsatz tatsächlich störungsfrei funktioniert, betonte Handke - das sei wirklich noch Science Fiction.

Mit dem Handy raus aus der Staufalle: Technik, die auf der Cebit
  • Mit dem Handy raus aus der Staufalle: Technik, die auf der Cebit gezeigt wird. Montage: tol


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