weather-image
22°

Wenn man 999 Unschuldige bespitzelt …

Was wäre eine Schule ohne Kreide? Nehmen wir einmal an, euer Schulleiter hätte den Eindruck, dass der Verbrauch von Tafelkreide viel zu groß ist und damit viel zu hohe Kosten verursacht. Im Unterricht wird eine solche Menge jedenfalls nicht verschrieben, glaubt der Chef. Er will herausbekommen, wo die Kreide bleibt. Deshalb engagiert er die besten Detektive der Stadt. Die installieren in jedem Klassenraum geheime Kameras und beobachten nun alle Vorgänge. Ihre Überlegung: Es könnte ja sein, dass einer von den 1000 Menschen in der Schule täglich Kreide klaut, damit der Hersteller ständig Nachschub liefern und daran gut verdienen kann; der Dieb bekommt dafür Geld von der Kreidefirma. Doch selbst wenn die Detektive erfolgreich wären: Sie hätten 999 Unschuldige genau überwacht, jeden Schritt in den Klassenräumen aufgezeichnet – nur um den einen Täter zu erwischen.

veröffentlicht am 12.02.2009 um 19:24 Uhr
aktualisiert am 23.10.2009 um 17:29 Uhr

Achtung, Detektiv guckt zu!

Was dürfen

die Firmen?

Eine solche grobe Überprüfung, bei der zunächst jeder als möglicher Verbrecher betrachtet wird, nennt man „Rasterfahndung“ – und die ist in Deutschland sehr umstritten. Über das Thema wird jetzt wieder diskutiert, weil sich herausgestellt hat, dass Chefs der Deutschen Bahn sämtliche Mitarbeiter dieses Unternehmens unter die Lupe haben nehmen lassen. Mit Detektiv- und Computerhilfe sollte zum Beispiel festgestellt werden, ob Familienangehörige der Beschäftigten zu den Lieferanten der Bahn gehören – und sie möglicherweise bei der Vergabe von Aufträgen gegenüber anderen Firmen bevorzugt werden. Ähnliche Bespitzelungen hat es auch schon bei der Telekom und bei der Supermarktkette Lidl gegeben. Deshalb fordern die Gewerkschaften – das ist die Vertretung der Beschäftigten – jetzt ein „Arbeitnehmer-Datenschutzgesetz“. Es müsse klar gemacht werden, was Arbeitgeber dürfen und was nicht, sagt zum Beispiel die Gewerkschaft der Polizei. Und sie erinnert auch daran, dass für die Verfolgung von Kriminalität in erster Linie die Polizei zuständig ist. mafi



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?