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Obernkirchen blüht auf: Jury hat gewertet / Weniger Vorschläge / Gewerbetreibende: Kaum einer macht mit

Wenn keiner mehr klingelt, fehlen die Blumen

Obernkirchen (rnk). Die außergewöhnliche Kraft des Gartens liegt in seinem Einfluss auf das Unterbewusste, erklärt Gärtnermeister Gerd Kirchner: Ein schöner Garten, das sei ,nur' ein Gruß an den Vorübergehenden. Ein Eingangsbereich aber wirke dagegen deutlich anders: Nachdem der Besucher geklingelt habe und warte, dass ihm geöffnet werde, schleiche sich die Stimmung dieses Eingangsbereiches in seine Seele. Sei der Bereich schön gestaltet, werde ihm also signalisiert, hier bist du willkommen, stelle sich sofort eine freundliche Stimmung ein. Sei der Bereich dagegen ungepflegt und schlecht oder gar nicht gestaltet, würden also Blumen fehlen, beschließe der Besucher, beim nächsten Mal doch lieber eine E-Mail zu schicken.

veröffentlicht am 27.02.2009 um 11:00 Uhr

Iris Bödeker, Beate Venckus, Joachim Gotthardt, Gerd Kirchner un

Philosophische Betrachtungen, die Kirchner im Kreis seiner Fachkollegen anstellt: Maria Scholz, Beate Venckus und Iris Bödeker haben gerade mit Joachim Gotthardt als Vorsitzenden des Wirtschaftsfördervereins die eingereichten Vorschläge für ,Obernkirchen blüht auf' abgearbeitet, haben sich in der Kernstadt und in den Ortsteilen, Gärten, Balkone, Eingangsbereich angeschaut und bewertet. Es sind rund 60 Vorschläge, die eingegangen sind, weniger als im letzten Jahr, vor zwei Jahren war die Zahl der Einsendungen sogar dreistellig. Enttäuschend ist auch die Beteiligung der Gewerbetreibenden an der Verschönerung der Stadt selbst: Bei Nehrmann stehen zwei Blumenkübel vor dem Eingangsbereich, direkt daneben hat Brigitte Towers gleich ein halbes Dutzend Pflanzenkübel aufgestellt - aber das war es dann auch schon. "Wo sind eigentlich die Blumenkübel, die der Verkehrs- und Verschönerungsverein den Gewerbetreibenden geschenkt hat?", fragt sich Gotthardt. Die Rundfahrt zu den eingereichten Vorschlägen zeigt sofort einen Jahrestrend auf: In diesem verregneten Sommer sind Hortensien die großen Gewinner. Vor allem die weißen Pflanzen haben es der Jury angetan, aber generell, so Venckus, "sind das schon klasse Blumen", die als altbekannte Gartenpflanzen ein glorreiches Comeback feiern. In der Jury-Welt ist Platz für völlig unterschiedliche Auffassungen von Garten und Gestaltung. Da ist der Naturgarten, der in Krainhagen zwei Grundstücke trennt und fast die Höchstzahl bekommt, der ganz kleine Garten in der Bombeeke, der sich in einem perfekt gepflegten Zustand präsentiert, da ist der durchgestylte Bereich vor dem Haus, an dem alles seinen zugewiesenen und streng definierten Platz hat, da ist der Hauseingang, an dem modische Accessoires von einem geschmackvollen Händchen künden, weil sie schön in die Landschaft integriert sind. Die Gartenfachleute haben viel Phantasie. Weil nun nicht jeder Garten an diesem Tag seine blühende Leistungsdichte erreicht, weil er erst in 14 Tagen auf dem Höhepunkt seiner Pracht steht (oder diesen vor zwei Wochen erreicht hatte), wird oft grundsätzlich bewertet: Die geschulten Augen nehmen wahr, dass in den Gärten ein Beet mit Spätblühern erst im Herbst seine Farben knallen lässt. Winzige Gärten, so erklären Bödeker und Venckus, hätte oftmals eine größere Wirkung, wenn man sich auf wenige Pflanzen konzentriere. Es schmälere oft die Wirkung, wenn der Gartenfreund in diesen Winzlingen versuche, ein halbes Jahr verschiedene Sommerblüher zu zeigen - die Wirkung verliert sich. Zum A und O eines schönen Gartens gehört die Pflege. Wenn die verblühten Rosen nicht abgeschnitten werden, gibt es keine Höchstpunktzahl, wird nicht regelmäßig das Wildkraut entfernt, gibt es Punktabzug. Verlierer gibt es bei den teilnehmenden Privatleuten nicht, schließlich, so Gotthardt, trage jeder mit einem farbenfrohen oder stimmigen Garten zur Verschönerung des Stadtbildes bei. Aber trotzdem werden nur die am höchsten bewerteten Gärten ausgezeichnet. Am 22. August soll ab 18 Uhr in der Berghütte mit den Besitzern der schönsten Gärten, Balkone und Eingangsbereiche gefeiert werden.

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