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Trotz Familie, Schule, Jugendamt: Manchmal hilft nur noch die Unterbringung in einer Wohngruppe

Wenn Jugendliche einfach nicht mitziehen...

Rinteln (ur). Verzweifelt wandte sich ein Familienvater aus Rinteln gemeinsam mit seinem Schwager an unsere Zeitung: "Wir finden einfach keinen Draht mehr zu unserer Tochter - und beim Jugendamt konnte man uns bislang auch nicht helfen."

veröffentlicht am 26.01.2007 um 00:00 Uhr

Ob gern oder eher unter Vorbehalt: Die meisten Schülerinnen und

Die 15-jährige Jana macht es sich und ihrer Umgebung schon seit geraumer Zeit nicht leicht. Da sie immer wieder in der Schule fehlte und sich auch nicht in den Unterrichtsbetrieb einordnete, musste sie die Realschule in Rinteln verlassen und wurde daraufhin an einer auswärtigen Schule desselben Typus angemeldet. "Aber auch dort kommt sie wohl nicht klar - sie versäumt immer wieder den Unterricht und obwohl gegen sie bereits Maßnahmen wegen Schulschwänzens eingeleitet waren, änderte sie sich nicht, leistete auch nicht die angeordneten Arbeiten ab. Seit über einem halben Jahr kommt sie ihrer Schulpflicht schon nicht mehr nach!" Was Verwandte und Bekannte außerdem bekümmert: "Sie gibt sich immer wieder mit Leuten ab, die Drogen nehmen und raucht wohl auch selber Haschisch." Zwischenzeitlich wurde sie sogar von der Polizei aufgegriffen und nach Hause gebracht. Auch in ihrer sexuellen Entwicklung ist das Mädchen nach Ansicht ihres Umfelds gefährdet: "Das haben wir auch dem Jugendamt in Rinteln mitgeteilt, aber die haben dann nur gesagt: Wenn sie freiwillig mitmacht, geht uns das nichts an - dabei gelten die Bestimmungen über das Verbot sexueller Beziehungen mit Minderjährigen doch wohl nach wie vor!" Ihr Wunsch: Dass die Tochter in einer Institution betreut wird, wo man vielleicht besser auf sie und ihre schulische und soziale Entwicklung einwirken kann als dies im häuslichen Rahmen möglich ist. Noch während die erste Anfrage seitens unserer Zeitung bei Mitarbeitern des Jugendamts eintraf, beschleunigte sich das Verfahren: Bei einem allerdings schon vorher vereinbarten Gesprächstermin der Familie mit Sachbereichsleiter Ottfried Bokeloh im Jugendamt wurden entscheidende Weichen gestellt. Da Jana an diesem Termin trotz Einladung nicht teilgenommen hatte, entschied Bokeloh kurzerhandüber ihre Unterbringung in einer sozialpädagogisch betreuten auswärtigen Wohngruppe - eine Maßnahme, die dem Mädchen auch ausdrücklich angekündigt worden war: "Sie ist dann mit Hilfe der Polizei bei ihrem Freund abgeholt worden - und da ich sie an sich noch für erreichbar halte, wird sie die Dramatik dieser Aktion wohl nicht unbeeindruckt gelassen haben", hofft Bokeloh, der die Jugendlichen auch bei ihrem neuerlichen Schulanfang persönlich begleitet hatte. Das relativ lange Verfahren bis zu der jetzt erfolgten Unterbringung erläutert der Sozialpädagoge mit der Notwendigkeit, langfristig auf Jugendliche einzuwirken: "Auch unter Einschaltung eines Erziehungsbeistands haben wir seit langem immer wieder mit der Jugendlichen gesprochen. Mit amtlichen Aufforderungen und Kommandos ist denen jedenfalls in solchen Krisen dauerhaft nicht beizukommen!" In jedem Fall empfiehlt er Familien mitähnlichen Problemen, möglichst frühzeitig den Kontakt mit dem Jugendamt zu suchen - und zugleich die Geduld aufzubringen, gemeinsam eine Planung für die weitere Perspektive zu entwickeln.

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