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... wäre das Reha-Zentrum dicht gemacht worden" / Samtgemeindechef Heinz Wischnat a. D. zieht Bilanz

"Wenn ich mich nicht gerührt hätte ...

Eilsen. Er hat die Geschicke Eilsens 32 Jahre als Samtgemeindedirektor respektive -Bürgermeister geleitet. Am Montag hat Heinz Wischnat seinen Schreibtisch geräumt und das Geschäft an Nachfolger Bernd Schönemann übergeben. LZ-Redakteur Dr. Thomas Wünsche sprach mit dem scheidenden Verwaltungschef über sein ganz persönliches Fazit.

veröffentlicht am 31.10.2006 um 00:00 Uhr

Packt ein: Heinz Wischnat räumt seinen Schreibtisch im Rathaus.

Herr Wischnat, Ihre mehr als drei Jahrzehnte währende Dienstzeit als Chef im Rathaus ist zu Ende. Sie haben Ihr Büro geräumt. Wie fühlen Sie sich? Ich fühle mich gut. Auf welchen Erfolg, der wesentlich Ihrer eigenen Arbeit zu verdanken ist, sind Sie rückblickend besonders stolz? Auf den Neubau der Deutschen Rentenversicherung (DRV) Braunschweig-Hannover, insbesondere den Julianenhof. Das Projekt der damaligen LVA, das zukunftsweisend für die nächsten 20 Jahre ist, hat maßgeblich dazu beigetragen, die Selbstständigkeit, aber auch die Infrastruktur Bad Eilsens zu erhalten. Mein eigener Anteil an dem Gelingen bestand darin, dass ich nach einer Zeit politischer Ratlosigkeit persönlich zunächst bei der LVA-Geschäftsführung und dann auch bei Vorstandsmitgliedern vorstellig geworden bin. Ich wollte verhindern, dass der Standort Bad Eilsen im Rahmen der bundesweiten Schließungswelle von LVA-Kurkliniken dicht gemacht wird. Dabei habe ich Risiken für meine Karriere in Kauf genommen und mich nicht gescheut, hinter den Kulissen die mir eigenen deutlichen Worte zu finden. Was haben Sie denn gesagt? Ich habe gesagt, dass ich es mir als Samtgemeindebürgermeister von Eilsen nicht bieten lassen werde, dass der Kurort durch das Schließen der Kliniken zerstört wird. Ich hätte dann Hintergründe öffentlich gemacht, die jahrelang unberechtigt gegen Bad Eilsen von Dritten vorgebracht wurden, um die LVA- Reha-Einrichtungen in Bad Eilsen zugunstenvon Privatinteressen zu schließen. Mein Eindruck im nachhinein ist, dass es für Bad Eilsen zu diesem Zeitpunkt schon "fünf nach zwölf" war. Hätte ich mich nicht gerührt, wäre das Rehazentrum dicht gemacht worden. Das haben mir auch Vorstandsmitglieder später bestätigt. Sie haben in Ihrer Amtszeit mit sehr vielen Menschen Kontakt gehabt. Wem gilt Ihr ganz besonderer Dank? Mein besonderer Dank gilt Dr. Wulf Haack, damals Landesgeschäftsführer des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebunds und seinem Vertreter Henning von Hörner. Beide haben mir in kniffeligen Rechtsfragen, aber auch in Fragen der Zukunftsgestaltung zur Seite gestanden und mir Türen geöffnet. Insbesondere Herrn Haack habe ich es zu verdanken, dass ich in der LVA-Frage - ganz kurzfristig - einen Zugang zum damaligen LVA-Vorstandschef gefunden habe. Was hätten Sie in Ihrer Zeit als Verwaltungschef gern durchgesetzt, konnten es aber nicht? Das Umwandeln der Samt- in eine Einheitsgemeinde. Durch die damit verbundenen Synergieeffekte wäre Eilsen gestärkt worden und hätte beruhigt in die Zukunft schauen können. Kommt hinzu: Eine Einheitsgemeinde Eilsen hätte auch die Gesamtverantwortung aller Ratsmitglieder für alle Aufgaben in allen Gemeinden gestärkt. Warum haben Sie in Eilsen eigentlich nicht noch einmal kandidiert? Es lag an der Veränderung des politischen Klimas seit Bekanntwerden meiner Kandidatur für das Bürgermeisteramt in Bückeburg, aber auch an der mangelnden Bereitschaft der Mandatsträger in der Samtgemeinde, schon jetzt die Entscheidungen zu treffen, die für die Entwicklung Eilsens nötig sind respektive künftig nötig sein werden. Ich wollte als Samtgemeindebürgermeister nicht passiv dabei zusehen müssen, wie wir unsere Selbstständigkeit und damit unsere Zukunft verspielen. Behalten Sie Ihren Wohnsitz in der Samtgemeinde? Ja. Haben Sie gänzlich mit Ihrem Engagement für die Samtgemeinde abgeschlossen? Oder werden wir von Heinz Wischnat in Eilsen - oder gar im Landkreis Schaumburg - noch an der einen oder anderen Stelle hören? Ich werde mich nicht mehr politisch irgendwo neu betätigen. Vor allem habe ich nicht die Absicht, meinen Nachfolger Bernd Schönemann als eine Art Schatten zu begleiten. Allerdings werde ich zunächst weiter Geschäftsführer des Abwasserverbands Auetal bleiben; wie lange, das wird sich zeigen. Worin sehen Sie die größte Gefahr, die Eilsen in der Zukunft droht? Die sehe ich darin, dass man sich darauf verlässt, dass andere uns so wohlgesonnen sind, dass sie für uns etwas tun, was Eilsen voran bringt. Es gilt aber unverändert: Wir müssen selbst für uns und unsere Zukunft kämpfen. Was geben Sie Ihrem Nachfolger Bernd Schönemann an Tipps mit auf den Weg? Ich habe Herrn Schönemann in einem persönlichen Gespräch empfohlen: "Wenn Sie wesentliche Dinge verändern wollen - denken Sie zunächst darüber nach, warum es Ihr Vorgänger so und nicht anders gemacht hat. Schlafen Sie eine Nacht darüber und krempeln Sie nicht etwas nur deswegen um, weil es von Ihrem Vorgänger stammt." Von Wischnat lernen, heißt also siegen lernen? Nein. Sonst hätte ich ja die Wahl in Bückeburg gewonnen. Die meisten Bürger können es sich kaum vorstellen, dass sich ein Mann wie Heinz Wischnat jetzt auf die faule Haut legt. Was sind Ihre weiteren beruflichen Pläne? Mein Berufsleben ist nach 45,5 Jahren ununterbrochener Arbeit weitgehend abgeschlossen. Sollte meine fachliche Qualifikation noch gefragt sein, werde ich - auf Anforderung - noch als Unternehmensberater tätig werden. Ich habe in dieser Hinsicht im Augenblick aber keine konkreten Pläne. Auch habe ich nicht gezielt auf eine andere berufliche Karriere hingearbeitet, um in Bad Eilsen nicht zu kandidieren.

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