weather-image
14°
Ein Profifotograf braucht Zeit, Mut, Geld - und Hoffnung

"Wenn ich 100 000 Euro in den Sand setze, ist die Sache gelaufen"

Obernkirchen (rnk). 28 000 Reisekilometer, weitüber 20 000 Dias, aus denen die besten ausgewählt und gezeigt werden, zwei bis drei Jahre Produktionszeit: Dietmar Schmid legt Wert auf Qualität - und dafür nimmt er sich Zeit. Schmid ist einer der wenigen deutschen Reisefotografen, die von ihrem Beruf leben können. Aber dafür muss weit vorausgedacht und ein hohes unternehmerisches Risiko eingegangen werden. "Niemand kann in die Zukunft schauen", erzählt der 55-Jährige, während er mit seiner Frau in der Stiftskirche die Panorama-Leinwände aufbaut, "niemand weiß, was in drei Jahren läuft."

veröffentlicht am 15.11.2007 um 00:00 Uhr

Dietmar Schmidt

Gestern war es das Neuseeland aus dem Herrn der Ringe, heute ist es der Jakobsweg, "ein Dutzend Kollegen tingelt mit entsprechenden Vorträgen durch Deutschland", sagt Schmid mit einem bissigen Unterton, der vermuten lässt, was er von diesen fotografischen und vortragstechnischen Schnellschüssen hält. Bei der Auswahl der zu produzierenden Beiträge kann sich Schmid keinen Fehler erlauben: "Wenn ich 100 000 Euro in den Sand setze, ist alles gelaufen." Er weiß, wovon er redet: Seine Multivision über Hawaii wird in einschlägigen Internetforen über die Maßen gelobt, aber so richtig läuft es nicht, gibt er zu: "Die Menschen erwarten Palmen, viel weißen Strand und Hulahoop, aber das kann und will ich nicht bieten." Den Preis dieser Entscheidung zahlt Schmid im Winterhalbjahr: 40 bis 60 Vorträge hält er dann; fehlen die Mengen, muss er eben die Zahl der Vorträge erhöhen. Das Sommerhalbjahr gehört der Praxis: Planung, die Reise selbst, die Arbeit im Studio und am Mischpult - es dauert, bis der Vortrag fertig ist. Seit 40 Jahren fotografiert er die Welt, ein paar Jahre hat er auch gefilmt, mit 16 Millimeter, was ihm heute durchaus zugute kommt. Seine Multi-Panorama-Vorträge sind filmmäßig aufgebaut, nur ein Posterbild nach dem anderen zu zeigen, das reiche nicht: "Sie müssen mit guten Bildern eine gute Story, eine Geschichte erzählen." Und wie diese Geschichten szenisch aufgelöst werden, das hat er beim Film gelernt: "Das hilft mir heute." Zurzeit produziert er gleich drei Themen: Toskana, Ligurien und den Südwesten der USA: "Hoffentlich läuft eines gut." Es ist eine Wanderung auf schmalem Grat: Das Thema soll die Menschen interessieren, aber sie sollen auch völlig neue Seiten eines Landes, einer Region kennen lernen. Und man muss den Markt im Auge behalten. Daher bietet er auch kein afrikanisches Land an: "Da tummeln sich genug Kollegen." Woher stammen die hohen Kosten? "Sie brauchen Führer, Autos, auch mal einen Helicopter oder ein kleines Sportflugzeug, um Bilder aus der Luft zu machen - das läppert sich", erklärt Schmid, während er der Leinwand mit zwei Stützen zum stabilen Stand verhilft. "Ich bin zu 100 Prozent selbstständig und habe meine eigene EU-Steuernummer", erzählt Schmid, schließlich bietet er seine Vorträge im gesamten deutschsprachigen Mitteleuropa an. Von den Kollegen, die an der VHS zum Fotoabend bitten, hält Schmid erkennbar wenig, das ist nicht seine Klasse: "Zu 99 Prozent gibt es da immer nur etwas bessere Urlaubsbilder", meint er und baut weiter auf.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare