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Der Pechclub Wangelist feiert sein 90-jähriges Bestehen / Bürgermeister Herbert Rode überreicht Stadtratte

Wenn glücklose Lotteriespieler die Geselligkeit suchen

Wangelist. Anlässlich einer Feierstunde im Vereinsheim der Gartenkolonie Riepenbach/Wangelist dankten Bürgermeister Rode sowie Vertreter der Stadtfraktionen von CDU, SPD und FDP, im Beisein von Abordnungen der anderen Wangelister Vereine, dem Pechclub für seine gemeinnützige Arbeit an Plätzen und Bänken in den Stadtforsten Klüt und Kiepen. Moderiert wurde die Veranstaltung vom jetzigen Vorsitzenden des Pechclubs, Thomas Droit, die Laudatio hielt der ehemalige Vorsitzende Adolf Hundertmark.

veröffentlicht am 08.07.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 16:41 Uhr

Wegen dieses Jubiläums stellte der Laudator den Pechclub vor: Als bewusst kleinster der fünf Wangelister Traditionsvereine wurde der Lotterieclub Pech, kurz Pechclub genannt, vor genau 90 Jahren, am 5. Juli 1919, gegründet. Ins Leben gerufen nach den Wirren und Entbehrungen des Ersten Weltkrieges von ehrbaren Wangelister Bürgern. Es waren dieses Nachbarn und Freunde, die schon vorher glücklos dem Lotteriespiel gefrönt hatten, also echte und gesellige Pechbrüder waren.

Bänke im Wald werden gepflegt

Und so wird auch heute die Geselligkeit noch groß geschrieben, werden Wangelister Traditionen hochgehalten, Rastplätze und Bänke im Wald gepflegt und natürlich immer noch Lotterie beziehungsweise Lotto gespielt. Besonders zu erwähnen sind die als Folge der Waldwanderungen und Waldfeste entstandenen Ruhe- und Rastplätze. Herzstück dabei der tief im Riepenwald gelegene und mit mehr als 20 Bänken und Tischen ausgestattete Hut-Huts-Ruh-Platz, gewissermaßen die gute Stube im Wald. Daneben zu erwähnen „Alt-Hut-Huts-Ruh“, „Sanders-Ruh“, „Reders-Ruh“, „Leos-Ruh“ und natürlich der jüngste im Jahre 1994 eingeweihte Stützpunkt „Bei den Heringsschwänzen“. Erwähnenswert hierbei ist die gute Zusammenarbeit zwischen dem Pechclub und der Forstverwaltung der Stadt Hameln.

Gern erinnert sich der Pechclub an vielfältige Feste und Vergnügen. Damals wie auch heute wurden beziehungsweise werden Jahreshaupt- und Halbjahresversammlungen, Weihnachtsfeiern, Winterwanderungen, Bankbesichtigungen, Hut-Huts-Touren, Herbstwanderungen aber auch Skat- und Knobelnachmittage durchgeführt. Alle fünf Jahre ist der Pechclub traditionsgemäß für die Ausrichtung der Wangelister Straßenfete und des Erntefestes zuständig.

Neben den Pflichtaufgaben und Traditionsveranstaltungen sind die sehr ereignisreichen Ein-, Zwei- oder Drei-Tages-Touren oder Ausflüge gewissermaßen als Kür des Vereinslebens zu bezeichnen. Reisefreudig war der Pechclub schon immer, besonders zu erwähnen ist der Ausflug am 9. Juli 1950 mit drei Omnibussen ins Lipperland, da war fast halb Wangelist zu Füßen des Hermannsdenkmals. Aus der Neuzeit sind die ebenfalls sehr interessanten Fahrten an Mosel und Ahr, in den Bayrischen Wald, nach Nordholland, nach Rothenburg ob der Tauber, Berlin, an Saale und Unstrut aber auch ins Lippische Bergland, und nach Helgoland zu erwähnen.

Ein dreifaches „Gut Pech“

Aber auch die vielen Dampferfahrten müssen erwähnt werden. So ging es 1937 mit dem Raddampfer Kaiser Wilhelm zur Grohnder Fähre. Der Dampfer kostete 53 Reichsmark, 50 Glas Bier zehn Reichsmark. Aus der Neuzeit besonders zu erwähnen ist eine Fahrt stromabwärts über Minden, die Schachtschleuse hinauf und dann den Mittellandkanal entlang bis nach Hannover. Eine weitere Besonderheit ist die Pechclubkapelle, in stolzen Zeiten wurden bis zu sechs Musiker dirigiert, heute sind es weniger.

Abschließend dankte der Laudator noch den Pechschwestern, welche recht oft die besseren Pechbrüder sind, sie sind das Herz der Gemeinschaft und die Männer der Kopf. Nach der Laudatio erfolgte ein gemeinsames Essen und die gesellige Runde wurde traditionsgemäß mit einem dreifachen Gut Pech beendet.

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