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Integrationsprojekt im Klütviertel trägt Früchte / Viele Mütter dabei

Wenn Eltern in die Schule gehen ...

Integrationsprojekt: Einmal wöchentlich erleben Mütter ein Stück vom Schulalltag ihrer Kinder, lernen Begrüßungsrituale, Lieder und Spiele kennen.

veröffentlicht am 07.03.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 07.03.2010 um 19:30 Uhr

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Hameln (red). „Integration beginnt mit dem Erlernen der Landessprache und dem Kennenlernen der Lebensgewohnheiten der Mehrheitsgesellschaft“, sagt Petra Rudolph, Lehrerin an der Klütschule. In Kooperation mit der Grundschule Hohes Feld, dem Kindergarten am Klüt und der Kirchengemeinde Zum Heiligen Kreuz arbeitet sie an einem Integrationsprojekt, dass die Eltern der Schüler einbindet. „In den Schulen machen wir die Erfahrung, dass viele Eltern wegen mangelnder Sprachkenntnisse nicht am Schulleben teilnehmen“, hat Petra Rudolph festgestellt: „Vor allem Mütter fühlen sich verunsichert, kommen nicht zu Elternabenden, haben Schwierigkeiten, Gespräche mit Lehrern zu führen und wissen nicht, wie sie ihre Kinder richtig begleiten und fördern können.“ Aufgrund dieser Erkenntnisse hatte Ruth Hegemann schon vor fünf Jahren das Projekt „Lernen zu lernen“ entwickelt, ein ganzheitliches Förderangebot, das in erster Linie an lebenspraktischen Dingen zur Schulvorbereitung anknüpft und sich an den Kultur- und Lebenswelten der Familien orientiert. Seitdem leitet sie dieses Projekt an der Grundschule Hohes Feld mit großem Erfolg.

„Ich hörte davon und hatte den Wunsch, diese Arbeit auch an unserer Schule im Klütviertel aufzubauen“, sagt Rudolph. Die Eltern der zukünftigen Erstklässler und die Eltern der Grundschüler wurden durch über das Projekt informiert. Eine erste Zusammenkunft mit Müttern aus dem Kosovo, aus Kurdistan, Indien und dem Libanon fand statt. Es gelang, eine vertrauensvolle Atmosphäre in der Gruppe zu schaffen. Bei Treffen versuchten alle miteinander nur Deutsch zu sprechen.

Es wurden inhaltliche Schwerpunkte gesetzt: Die Institution Schule sollte besser kennengelernt und begriffen werden, die Deutschkenntnisse verbessert, Lernmethoden erprobt, der Austausch über Erziehungsfragen angeregt werden. Alltägliche Situationen wurden als Übungen integriert. „Das alles trug Früchte“, sagt Petra Rudolph. Die Frauen hätten ihren Wortschatz erweitert, die Grammatik verbessert und gelernt, unterschiedliche Ausdrucksformen anzuwenden.

Das Projekt wurde erweitert: Mütter aus Sri Lanka, der Türkei und Russland kamen hinzu. Einmal wöchentlich erleben nun die Mütter ein Stück vom Schulalltag ihrer Kinder, lernen Begrüßungsrituale, Lieder und Spiele kennen. „Gemeinsam entdecken Mütter und Kinder die deutsche Sprache, lernen mithilfe einer Anlauttabelle schreiben und lesen“, sagt Petra Rudolph und freut sich: „Schon nach wenigen Wochen zeigten sich erstaunliche Erfolge.“ Die Erfahrung habe gezeigt, dass dieses Projekt durch seine ganzheitliche Konzeption, eine Reihe von Selbstbildungsprozessen bei den Eltern auslöse. Die Klütschul-Lehrerin wünscht sich, „dass solche Projekte flächendeckend in Hameln und auch landesweit institutionalisiert werden.“ Gute Ideen und Initiativen aber scheitern oft an fehlenden Mitteln. Auch dieses Integrationsprojekt wäre ohne die finanzielle Unterstützung seitens der Stiftung Zum Heiligen Kreuz nicht denkbar: „Das Geld ermöglicht unserer Schule eine langfristige Planung und Umsetzung des Integrationsangebotes,“ so Petra Rudolph.

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