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Heidrun Korfhage: Näherin, Unternehmerin, Gründerin des Frauen-Single-Treff

"Wenn du nichts bewegst - bewegt sich nichts!"

Mutig entschlossen, das Leben zuändern, wenn es in eine Sackgasse gerät, das ist Heidrun Korfhage aus Rinteln auf jeden Fall. Die gelernte Schneiderin und Modedesignerin hat schon manches Mal einen Neuanfang gewagt - und mit dem von ihr ins Leben gerufenen "Schaumburger Frauen-Single-Treff" auch manch anderer Frau den Weg dazu gezeigt.

veröffentlicht am 15.06.2007 um 00:00 Uhr

Heidrun Korfhage. Foto: cok

Autor:

Cornelia Kurth

"Wenn Du nichts bewegst, dann bewegt sich nichts" - das ist ihr Lieblingsspruch fürs Leben. Schön früh hatte sie Gelegenheit, ihn umzusetzen, als nämlich ihr Vater, ein Postbeamter, unbedingt wollte, dass auch sie eine sichere Stellung bei der Post annimmt, die damals 18-jährige aber darauf bestand, das Nähen zu lernen, sich dann eigenständig eine Lehrstelle bei der einzigen Schneiderin in ihrem Heimatdorf suchte und bald darauf von zuhause auszog, um allein ein Zimmer mit Kohleofen in Osnabrück zu beziehen. Das war eine sehr gute Entscheidung, denn: "Was auch immer ich sonst so mache, Zeiten ohne Nähen, die gibt es mit mir nicht!" In einigen verschiedenen Betrieben arbeitete sie als Näherin und bald auch als Schnitt-Direktrice, die aus den Kleider-Entwürfen Schnittvorlagen anfertigte und den Kolleginnen zeigte, wie sie schnell und gut die Arbeit erledigen können. Da allerdings zeigte deutete sich schon der nächste Lebenssprung an: "Mit dem beruflichen Aufstieg war ich gar nicht glücklich. Im Grunde steigerte ich mit meinen Anweisungen nur die Accordgeschwindigkeit der Näherinnen, die selbst gar nichts davon hatten. Das lag mir einfach nicht." So suchte sich andere Arbeit, bei "Polyform" in Rinteln oder Pelz-Klaus zu Beispiel, sie führte lange Jahre ein Autohaus zusammen mit ihrem Lebensgefährten und dazwischen auch eine eigene Änderungsschneiderei, als sie nämlich nach der Geburt ihrer Tochter eine zeitlang "nur Hausfrau" war und das dann irgendwann nicht mehr aushalten konnte. In den Jahren, bevor sie sich 2004 selbständig machte, war sie in einem Betrieb für Medizintechnik tätig, wo sie viel von dem dazu lernte, was jetzt ihren Lebensunterhalt bedeutet: Meditation- und Yogakissen fertigt sie an, sie bezieht maßgeschneiderte Matratzen und entwirft begehrte Kuschelecken für Kindergärten. Auch privat zog Heidrun Korfhage so manchen Schlussstrich unter Angelegenheiten, die irgendwann mehr schmerzten als noch gut für sie zu sein. Da sie mit einer Autiimmun-Krankeit zu kämpfen hat, deren Verlauf durchaus auch von der jeweiligen psychischen Befindlichkeit bestimmt wird, fallen ihr solche Entscheidungen vielleicht leichter als vielen anderen Menschen. "Ordnen Sie ihr Leben!", hatte ihr ein eindrucksvoller Arzt auf einer der letzten regelmäßigen Kuren, die nötig sind, angeraten. Seitdem sie wieder allein lebt und ein Gewerbe für die Kissen angemeldet hat, geht es ihr auch gesundheitlich wieder viel besser. Zu Anfang, als ihre Kissen beim Internetauktionator Ebay unerwartet großen Zuspruch fanden und sie mit der Produktion und dem Versenden kaum noch hinterherkam, lebte sie noch in einer kleinen Wohnung, von der ihre Tochter meinte: "O Mama, ich habe das Gefühl, wir leben hier in einer Fabrik...!" Inzwischen aber ist die Wohnung groß und verfügt über zwei Räume, die speziell der Kissenproduktion vorbehalten sind. "Ich will das Leben genießen", sagt sie. "reisen machen, Konzerte besuchen, ins Theater gehen und mit anderen Menschen zu tun haben!" Auch deshalb gründete sie im vergangenen Jahr zusammen mit der Gleichstellungsbeauftragten Kerstin Büthe, den Single-Treff für Frauen, keine Partnervermittlungsbörse, sondern einfach eine Möglichkeit, sich aus drohender Abkapselung rechtzeitig zu befreien. "Wenn du nichts bewegst, dann bewegst sich nichts" - auch hier kommt dieses Motto gut an.



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