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Drei Stunden Blues vom Feinsten im "Minchen" / Profilierte Musiker

Wenn die Pink Piano Allstars spielen, hört man den Mississippi rauschen

Bückeburg. Kein Kuckucksei sondern einen echten musikalischen Edelstein hat das Minchen den heimischen Blues-Fans zum Osterfest ins Nest gelegt. Mit Ernst-Udo Hartmann, Kai Strauss, Rainer Achterholt, Jan Karow und Andre Werkmeister standen erstmals seit 2001 wieder die Pink Piano Allstars auf der Bühne des ehemaligen Bückeburger Ostbahnhofs, jene legendäre Gelegenheits-Formation hervorragender Blues-Interpreten aus der Osnabrücker Blue-Monday-Jam. Und wie vor fünf Jahren verwandelten sie das Minchen für einen Abend in das norddeutsche Memphis, ließen den Mississippi rauschen und die Seele der Zwölf-Takt-Musik fließen.

veröffentlicht am 21.04.2006 um 00:00 Uhr

Profiliert: Rainer Achterholt. Foto: jp

Autor:

Johannes Pietsch

Eine richtige Band sind sie nicht, sondern nach wie vor ein Kollektiv exzellenter Einzelmusiker, die normalerweise ihrer musikalischen Bestimmung in diversen anderen Bands nachgehen und nur jeden Montag die Osnabrücker Blue Monday Jam eröffnen. Gitarrist Kai Strauss zählt fraglos zu den besten Blues-Interpreten Deutschlands, sein Spiel beseelt unter anderem die Musik der von ihm gegründeten Bluecasters, zudem spielte er bereits mit Blues-Größen wie Doug Jay und Angela Brown. Rainer Achterholts Bandbreite reicht vom Blues über Rock, Jazz und Gipsy Swing bis zur klassischen Gitarre, was ihn zu einem der gefragtesten Begleitmusiker Deutschlands werden ließ. Schlagzeuger Andre Werkmeister trommelte bereits für Louisina Red, The Silvertones und Keith Dunn und tourt ebenfalls regelmäßig mit Doug Jay. Jan Karow gilt als Osnabrücks bester Blues-, Funk- und Soul-Pianist seiner Generation. Undüber Bassist Ernst-Udo Hartmann, Bandmitglied von Louisiana Red und Mitbegründer der Bückeburger Känguruh-Jam, brauchen wirklich keine Worte mehr verloren zu werden. Es sind vor allem der klassische Blues der fünfziger Jahre und das Erbe so legendärer Größen wie B.B. King, T-Bone Walker und Freddie King, denen sich die Musiker verschrieben haben. Ihre Auftritte beweisen, dass auch im Blues der Erfolg auf harter, künstlerischer Arbeit beruht, gerade weil die Pink Piano Allstars eben keine Konzerte imherkömmlichen Sinne nach festgelegten Noten und Setlisten spielen. Eine Blues-Jam funktioniert vielmehr aus Intuition und Erfahrung ihrer Musiker, aus der Kunst der freien Improvisation unter punktgenauer Einhaltung der Codes, Harmonien und Chiffren des Blues, dem instinktiven Erspüren von Rhythmus und Melodie beim improvisierten Zusammenspiel, welches die Pink Piano Allstars so exzellent beherrschen. Während Kai Strauss als Leadgitarrist und Sänger bei den meisten Stücken die musikalische Marschrichtung vorgab, Karow mit blitzsauberen, hämmernden Piano-Akkorden und Achterholt mit erdigen Riffs die schwermutgetränkten Blues-Harmonien lieferten, besorgten Ernst-Udo Hartmann und Andre Werkmeister das stampfende Rhythmusfundament. Über drei Stunden Blues vom Allerfeinsten mit einem perfekt aufeinander eingespielten Ensemble bekamen die Minchen-Gäste an diesem Abend kredenzt. Wer auf den Geschmack gekommen ist: Osnabrück ist nicht aus der Welt, und in der Lagerhalle beginnt jede Woche mit einem Montag.

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