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Forstgenossenschaft Lachem eröffnet den "Ruh-Wald" / Bestattung unter Waldbäumen als Alternative

Wenn die Natur die Grabpflegeübernimmt

Rinteln/Landkreis (who). Die Urnenbeisetzung mitten in der Natur unter Waldbäumen wird für eine zunehmende Zahl von Menschen eine Alternative zum Begräbnis auf einem herkömmlichen Friedhof. Nach dem "Friedwald Kalletal" bei Erder (wir berichteten) ist am Dienstag mit dem "Ruh-Wald Flakenholz" kurz hinter Goldbeck ein zweiter Bestattungsplatz im Wald offiziell von der Forstgemeinschaft Lachem eröffnet worden.

veröffentlicht am 26.01.2008 um 00:00 Uhr

Christliche Symbolik wie das Kreuz im Hintergrund ist ausdrückli

Walter Uhlenbrock ist während seiner 18-jährigen Amtszeit als Vorsitzender der Forstgenossenschaft der Initiator und Motor zahlreicher Projekte gewesen. Mit dem "Ruh-Wald Flakenholz" hat der 68-Jährige die abschließende große Vision seines Arbeitslebens verwirklicht, bevor er seine selbstgesteckte Pensionsgrenze erreicht hat. Er bezeugt, dass er auch persönlich voll und ganz hinter seinem Projekt steht. "Ich habe mir selber eine sehr schöne alte Eiche reserviert, unter der ich einmal beigesetzt werden möchte, weil ich eigentlich mein ganzes Leben in der Natur verbracht habe", erklärt er. Auch seine Familiekonnte er überzeugen, sich Begräbnisplätze unter seiner Eiche als Familienbaum zu sichern. Hans Joachim Grote ist Nachfolger Uhlenbrocks und neuer Vorsitzender der Forstgenossenschaft. Gemeinsam mit Dr. Volker Schmidt als Verwalter und Manager des Projekts stellt er den Ruh-Wald vor: 50 Hektar Gesamtfläche in dem über 100-jährigen stattlichen Buchenbestand sind für den Wald ausgewiesen, davon vorerst rund vier Hektar für den Beisetzungsbereich. Die mit farbigen Bändern markierten Bäume sind nicht als schlagreif gekennzeichnet, sondern zeigen die möglichen Beisetzungsstellen an. Ein Urnengrab kostet 850 Euro. Eigentlich ist nicht viel mehr als Wald zu sehen. "So ist es auch gewollt, alles bleibt naturbelassen und wir werden in Kürze nur noch einen Pfad aus Hackschnitzeln anlegen beziehungsweise andeuten", erklärt Schmidt. In der Nähe der Zufahrt weist eine Infotafel auf den Ruh-Wald hin und ein Rastplatz mit Bänken und einem großen Findling in Mitte unterstreicht die Würde des Ortes. "Dass wir auch ein großes Kreuzaufgestellt haben, soll zeigen, dass wir dem vielfach geäußerten Wunsch nach christlicher Symbolik nachkommen", erläutert Grote. Anfangs hätten andere vergleichbare Einrichtungen auf derartige Zeichen verzichtet. "Die Bestattung werden hier bei uns vollzogen wie auf jedem anderen Friedhof", fährt Schmidt fort. Bei der Gestaltung der Beisetzungsfeier sei den Angehörigen größtmögliche Freiheit gewährt. Auf Absprache mit ihm seien sogar Beisetzungen an den Wochenenden möglich. Der Ruh-Wald Flakenholz entspricht in seiner Konzeption vergleichbaren anderen Modellen in Deutschland. Der Waldfriedhof wird als kommunaler Friedhof geführt, in diesem Falle unter Hoheit der Gemeinde Aerzen. Der Betrieb und die Verwaltung sind Sache der Forstgenossenschaft. Bei anderen Praxisbeispielen können ebenso Kommunen oder staatliche und private Forstverwaltungen Träger sein. Bei regelmäßigen Führungen soll der Ruh-Wald künftig der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Über mangelnde Akzeptanz und Belegungen oder Konkurrenz brauche sich vermutlich niemand Gedanken zu machen, meint Schmidt. Waldbegräbnisplätze seien nicht überall zu verwirklichen und bräuchten darüber hinaus ein gewisses Einzugsgebiet. Der "Friedwald Kalletal" ist gut 55 Kilometer vom Ruh-Wald Flakenholz entfernt. Mit der Friedwald GmbH aus Griesheim bei Darmstadt ist hier eins der großen überregionalen Unternehmen der Waldbestattung der Betreiber. Die beiden anderen Partner sind die Gemeinde Kalletal und der Landesverband Lippe. Seit der ersten Belegung in dem Waldstück am 15. Oktober 2004 sind dort 300 Urnenbeisetzungen erfolgt.

Alles soll so naturbelassen wie möglich bleiben: Lediglich die R
  • Alles soll so naturbelassen wie möglich bleiben: Lediglich die Ruhestätte mit Findling, Bänken und Holzkreuz (r.) sowie die Hinweisschilder an den Bäumen (l.) weisen auf die Bestattungen hin.
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