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"Theaterkiste" Waltringhausen nimmt 140 Gäste mit auf eine äußerst vergnügliche Reise durch die Jahrzehnte

Wenn die Frau bei Tisch ganz Intimes ausplaudert...

Waltringhausen (oke). Bissig und makaber, hintersinnig und subtil, kalauerhaft und musikalisch - das humoristische Arsenal der Waltringhäuser Truppe "Theaterkiste" hatte am Wochenende wohl für jeden Geschmack etwas parat. Bei ihrem Programm "Kinder wie die Zeit vergeht" nahmen die Hobbyschauspieler das Publikum mit auf eine Reise durch die vergangenen 50 Jahre.

veröffentlicht am 14.11.2007 um 00:00 Uhr

Peinlich, peinlich: Wenn Schwiegermutter beim Diner einschläft,

Die Stühle im ehemaligen Gasthaus Goetze waren bei Beginn der Show fast vollständig besetzt. Die Vorstellungen der Theatermitglieder haben in Waltringhausen Traditionsstatus und sind daher besonders am Sonnabend gut besucht, erklärt Röhrbein. Auch an diesem Abend waren etwa 140 Besucher gekommen. Zur Einstimmung gab es eine kurze Diavorführung, die die Mimen in ihren Kindheitstagen zeigte und besonders hinsichtlich der Mode und Frisuren für Lacher im Publikum sorgte. Aufgeteilt war das eigentliche Programm in einzelne Akte, die jeweils ein Jahrzehnt zum Thema hatten und mit einer launigen Chronik der wichtigsten - oder auch unwichtigsten - Ereignisse in Waltringhausen begannen. Die folgenden Sketche nahmen dann für die jeweilige Zeit Charakteristisches als Aufhänger. So lernten die Zuschauer, dass man den Gasmann schnell wieder los wird, wenn man nur überzeugend genug vorgaukelt, in ihm den lange vermissten Sohnemann zu erkennen. Entnervt räumt dieser schließlich das Feld, ohne auch nur in die Nähe der Gasuhr gelangt zu sein. Die Fünfziger waren eben Mangeljahre und Not macht bekanntlich erfinderisch. Die Sechziger hingegen wurden mit einigen skurrilen Szenen verarbeitet. Ein hochoffizielles Dinner, bei dem Schwiegermutter die Herzpille mit der Schlaftablette verwechselt, kann peinlich werden. Noch peinlicher allerdings wird es, wenn die Ehefrau auch noch beginnt, aus dem intimen Nähkästchen zu plaudern. Bei dem Sketch, der sich offenbar an Loriots Situationskomik orientierte, hatte zumindest der Hausherr nichts zu lachen, das Publikum dafür umso mehr. Aufgelockert wurde der Ablauf des Abends mit eingeschobenen musikalischen Passagen, die teilweise von den Akteuren selbst intoniert wurden, teilweise aber auch auf Playback zurückgriffen. Stücke von bekannten Kabarettisten, beispielsweise von Heinz Erhard fehlten ebenso wenig wie die bei Live-Veranstaltungen üblichen Malheurs, die jedoch mit gekonnter Improvisation ausgebügelt wurden. Insbesondere die humoristische Abwechslung schien beim Publikum gut anzukommen, denn die Sketche wechselten mehrfach den Stil. Ein Stück, das mit typisch britischem, also pechschwarzem Humor begann, konnte sich durchaus zum Schwank entwickeln und in seiner Pointe dennoch überraschen. Die Aufmerksamkeit der Gäste hatten die Theatermitglieder in den zwei Stunden der Vorführung zumindest sicher.



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