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Wasserkunst und Wanderwege: Landgraf Karl und der Bergpark Wilhelmshöhe in Kassel

Wenn die Fontäne das Ansehen aufpoliert

Kassel. Leise plätschert das Wasser im Bergpark Wilhelmshöhe den Hang hinab, vorbei am Schloss mit der Gemäldesammlung. Doch zwischen dem 1. Mai und dem 3. Oktober ändert sich das Bild an jedem Sonn- und Feiertag und am Mittwochnachmittag: Die Besucher erwartet ein Schauspiel, das es so nur in Kassel zu sehen gibt: die Wasserkunst. Sperren und Schieber werden geöffnet, und Wassermassen ergießen sich im Laufe einer Stunde über Kaskaden, durch steinerne Becken und Rinnen, zwischen felsigem Stein und Teichen auf rund 300 Meter Höhenunterschied in die Tiefe.

veröffentlicht am 28.04.2011 um 14:05 Uhr

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„Die Inszenierung des Wassers ist weltweit einmalig“, sagt die Besucherführerin Theresia Fijen-Thullner von der Kasseler Wasserkunst. Den Landgrafen und Kurfürsten von Hessen-Kassel verdanken die Einwohner der Stadt in Nordhessen nicht nur die Wasserspiele, sondern auch den Bergpark Wilhelmshöhe. Er gilt mit seiner Fläche von 240 Hektar als größter Bergpark nördlich der Alpen. Über allem wacht an der höchstgelegenen Stelle Kassels Wahrzeichen, ein 71 Meter hoher Herkules.

Auf Landgraf Karl geht der Bau des Herkules im Bergpark ab 1696 zurück. „Er war Italienfan, lernte dort den Architekten Giovanni Francesco Guerniero kennen und wollte mit dem Park und den Wasserspielen etwas schaffen, das die Welt bis dahin noch nicht gesehen hatte“, erzählt Theresia Fijen-Thullner. „Auf diese Weise sollte sein Ansehen bei den Untertanen und den Herrschern der Nachbarschaft noch wachsen.“ Noch bis ins Jahr 1831 wurde der im Stil des Barock begonnene Park erweitert.

Heute präsentiert sich Kassels Schmuckstück mit barocken Formen und im Stil eines englischen Landschaftsparks mit Waldbereichen, Sichtachsen und weitläufigem Rasengrün. Gartenfreunde schwärmen von der mächtigen Weymouths-Kiefer, der Allee der Tulpenbäume, dem seltenen Ginkgo und dem fernöstlichen Judasblattbaum, die bei Wanderungen auf dem 45 Kilometer langen Wegenetz zu entdecken sind.

Die Wasserkunst hat mit ihrer ausgeklügelten Technik bis heute überdauert. „Der Ablauf der Wasserspiele ist tatsächlich noch so wie zu Zeiten von Landgraf Karl vor etwa 300 Jahren. Die Technik funktioniert noch so perfekt wie damals“, sagt Parkführerin Fijen-Thullner.

Auf den Höhen des Habichtswaldes in der Nähe des Herkulesdenkmals ließ Landgraf Karl über ein Grabensystem Quell- und Regenwasser in Speicherbecken sammeln. Durch Rohre und unterirdische Stollen wird das kühle Nass zum Herkules geleitet. Sechs Beschäftigte der Parkverwaltung sind während der Wasserspiele unterwegs, um diverse Absperrungen und Schieber zu öffnen und den Wassermassen den Weg ins Tal zu ermöglichen.

„Es ist ein ganz ungewöhnliches Schauspiel: Mal stürzen die Wasser zischend und fauchend in die Tiefe, dann überströmen sie die Kaskaden, die auf 210 Meter Länge und 12 Meter Breite den Wasserstrom bergab in das Neptunbecken leiten“, erklärt die Parkführerin.

Der Steinhöfer-Wasserfall, die Teufelsbrücke und der Höllenteich sind drei markante Stationen, bevor die 400 000 Liter Wasser von einem Aquädukt 30 Meter tief abstürzen. Erst dann naht der Höhepunkt: die große Fontäne vor dem Schloss Wilhelmshöhe. Bis zu 50 Meter schießt das Wasser mehrere Minuten lang himmelwärts – ohne jede moderne Technik. Der Wasserdruck wird allein durch den Höhenunterschied im unterirdischen Rohrsystem erzeugt. „Und doch hat das Wasser an der großen Fontäne erst zwei Drittel seines Weges ins Tal zurückgelegt“, erklärt Theresia Fijen-Thullner. Es nimmt seinen Lauf noch vorbei am Schloss in den „Lac“ mit der Roseninsel, strömt über der Erde und unterirdisch durch die Stadt und erreicht in der Karlsaue die Fulda.

Informationen: Tourist-Information, Obere Königstraße 15, 34117 Kassel, Tel. 05 61/70 77 07, E-Mail: info@kassel-marketing.de.

30 Meter hohes Spritzwasser für ein besseres Ansehen: Die große Fontäne im Bergpark Wilhelmshöhe zählt zu den besonderen Attraktionen der Wasserkunst.

Foto: Kassel Marketing



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