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Befreiung von der Schulpflicht zu Ferienzeiten nur in Ausnahmefällen möglich!

Wenn die Eltern schulfrei geben…

veröffentlicht am 25.06.2015 um 00:00 Uhr

Springe/Bad Münder. Pünktlich zu Ferienbeginn steigen die Preise für Flüge und Hotels. Könnten Familien mit Schulkindern ein paar Tage früher fliegen, würden sie viel Geld sparen. Nicht selten befreien Eltern ihre Kinder daher eigenständig vom Unterricht – zum Beispiel wegen einer angeblichen Krankheit. Gilt doch die landläufige Meinung, an den letzten Tagen vor den Ferien habe der Unterricht keine Bedeutung mehr.

Aber in Deutschland herrscht Schulpflicht: Kinder im schulpflichtigen Alter müssen die Schule besuchen, das heißt, regelmäßig und pünktlich am Unterricht und an verbindlichen schulischen Veranstaltungen teilnehmen. Die Eltern sind verpflichtet, für die Anwesenheit ihrer Kinder zu sorgen. Eigenmächtig genommene Urlaubstage oder Urlaubsverlängerungen sind ein Verstoß gegen die Schulpflicht – darauf weist die Rechtsschutzversicherung D.A.S. jetzt hin.

Eine Beurlaubung vom Unterricht ist nur in Ausnahmefällen sowie aus triftigen Gründen möglich. Die Schule entscheidet, was ein solcher dringender Grund ist. Dabei orientiert sie sich an den entsprechenden Verordnungen oder Gesetzen des jeweiligen Bundeslandes. Das bedeutet in der Praxis: Aus Anlass der Beerdigung eines nahen Verwandten wie der Großmutter, eines nur während der Unterrichtszeit möglichen Arzttermins oder eines sportlichen Wettkampfes ist eine Beurlaubung vom Unterricht meist möglich. Eine Unterrichtsbefreiung, um früher in den Urlaub zu fahren oder später zurückzukommen, ist in den einschlägigen Regelungen teilweise ausdrücklich ausgeschlossen.

Auch die Deklaration einer Reise als „Bildungsurlaub“ erlaubt nicht die Befreiung schulpflichtiger Kinder vom Unterricht, das hat der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg (Az. 9 S 2735/04) entschieden. Die Eltern müssen die Notwendigkeit für die Schulbefreiung aber auch ansonsten gut begründen. Den Antrag auf Befreiung vom Unterricht müssen die Eltern beziehungsweise der volljährige Schüler rechtzeitig schriftlich bei der Schulleitung einreichen.

Unerlaubtes Fernbleiben kann teuer werden

Wer unerlaubt seine Kinder aus dem Unterricht nimmt, begeht einen Verstoß gegen die Schulpflicht. Gegenüber dem Gesetz gilt ein Schulpflichtverstoß als Ordnungswidrigkeit. Der Gesetzgeber kann den Verstoß gegenüber den Eltern und auch gegenüber Jugendlichen ab 14 Jahren mit einem Bußgeld ahnden. Wie hoch es ausfällt, hängt von der Dauer des Fernbleibens und vom Bundesland ab. Für wenige Tage können bereits einige hundert Euro zusammen kommen. In einigen Bundesländern kann gegen Eltern, die ihre Kinder dauernd oder hartnäckig wiederholt der Schulpflicht entziehen, sogar eine Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten oder eine hohe Geldstrafe verhängt werden.



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