weather-image
13°
Mit Klampfe, Flöte, Hund und Pferd unterwegs: "Das bürgerliche Leben gar nicht erst begonnen!"

Wenn die Blaue Blume der Romantik blüht

Rinteln (cok). Ein geschecktes Pferd und ein kleiner bunter Hund, eine abenteuerliche Kutsche, beladen mit Zelt, Schlafsack, Kochgeschirr, und zwei Menschen, die dazu gehören, Wandervögel beide, das junge blonde Mädchen und der braungebrannte Mann. Sie machen Musik in der Stadt, mit Gitarre und Querflöte, selbstvertonte Gedichte darunter - schön und eigenartig.

veröffentlicht am 25.05.2007 um 00:00 Uhr

Singender Adelsmann mit Herzenskönigin und tierischem Gefolge: D

Natürlich bleiben die Menschen stehen vor diesem romantischen Bild, und auch wer nur vorübergeht, lächelt plötzlich und dreht sich schnell noch einmal um: Wer sind die beiden Durchreisenden wohl? Wo kommen sie her, wo ziehen sie hin und was treibt sie an? Wenn die Stimmung gerade die richtige ist, dann kann aus diesen Fragen ein Gespräch entstehen, das im Handumdrehen bei den großen Themen anlangt: Was ist Freiheit, und: Kann man wirklich unabhängig sein? Ist es besser, die Rente zu planen oder hier und jetzt das erwünschte Leben zu leben? Und wie gelingt es überhaupt, nicht von der Gesellschaft für ihre Zwecke eingefangen zu werden, sondern losgelöst auf eigenen Wegen zu gehen? Das Pferd heißt Atlanta, der Hund heißt Willy, das Mädchen Jasmin Zimmermann und der Musiker Wolf Norbert, ohne Nachnamen, weil er Baron ist, sagt er, Nachfahre der Hohenzollern aus Württemberg, aufgewachsen in Rottenburg am Neckar, immer schon bewegt davon, sich nicht einfangen zu lassen. "Ich habe nie mitdem bürgerlichen Leben gebrochen, ich habe es gar nicht erst begonnen", sagt er. "Bürgerlich sein, heißt, zu funktionieren - und ich funktioniere nicht!" Immerhin ist er, jetzt 45, mal Schriftenmaler gewesen (es gab ja doch Eltern, die wollten, "das das Kind was wird"), er arbeitete lange als Hufschmied, und weil er die Pferde liebt und auch die Musik, machte er sich vor vielen Jahren auf den Weg, um reitend, mit einem zweiten Pferd dabei, durch Europa zu wandern, sich seinen Unterhalt zu ersingen und auf abseitigen Pfaden der Natur zu begegnen. "Das Pferd ist mein Kamerad und mein Lasttier. Ich habe so vielüber das Tier erfahren, wie man es nur kann, wenn man Tag und Nacht zusammenlebt." Und er erfährt auch viel über die Menschen, wie sie im Laufe der Jahre immer hektischer wurden, immer weniger die Gelassenheit finden, seinen ruhigen Liedern auch ruhig zuzuhören und eine unbestimmte Sehnsucht aufsteigen zu lassen. Janine Zimmermann allerdings, die hatte diese Sehnsucht auch, sie folgte ihm gleich nach der Schule, mit nicht viel mehr als ihrer Flöte im Gepäck, gewiss, dass es besseres anzustreben gibt, als Beruf und Haus und sparen für die Ratenzahlung. "Das klingt romantisch", sagt der Musiker, "aber das ist es gar nicht! Nicht immer scheint die Sonne und brennt das Lagerfeuer." Von morgens um neun bis mittags halb zwölf singen sie in den Städten, dann braucht das Pferd einen Weideplatz. Weit sind die Wege bis zur nächsten Stadt, und nicht immer sind die Menschen dort so aufgeschlossen wie hier in Rinteln, wo das Pferd schon Obst, der Hund schon Wurst und die Musikanten Spende und freundliche Worte bekamen. Und doch ist es romantisch. Einfach stehenbleiben und zuhören, wenn Baron Wolf Norbert von Eichendorff singt, das Lied vom "irren Spielmann": "Lebt wohl, und fragt nicht, wohin es geht!"



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare