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Schwarzwild breitet sich in allen Ortsteilen weiter aus / Jetzt auch Jagd auf Nilgänse erlaubt

Wenn die Bache laut warnt, dann wird es ernst

Todenmann (who). Die beiden Comic-Helden Asterix und Obelix als kulinarisch fixierte Wildschwein-Liebhaber dürften sich in den Ortsteilen der Weserstadt heute ausgesprochen wohlfühlen. Hier gibt es nämlich Wildschwein in Hülle und Fülle. Dass die Geschichte aber auch eine Kehrseite hat, ist am Dienstagabend bei der Jahresversammlung des Hegeringes Rinteln im Gasthaus Droste deutlich geworden.

veröffentlicht am 27.03.2008 um 00:00 Uhr

Waidmanns Heil für Petra Mergel: Sie schoss einen kapitalen Keil

Allein 235 Schwarzkittel sind im auslaufenden Jagdjahr 2007/2008 zur Strecke gebracht worden und damit 125 mehr als im Jahr zuvor, berichtete Thomas Friedrichs als Vorsitzender des Hegeringes. Das Schwarzwild hat sich fest in den Rintelner Jagdrevieren etabliert und erschließt sich neue Wechsel und Wege, führte der Hegeringleiter aus. Um die Population in erträglichem Rahmen zu halten, "müssen wir scharf, aber mit aller Sorgfalt bejagen", forderte Friedrichs die versammelte Jägerschaft auf. Der durch Wildschweine angerichtete Schaden auf den Feldern, der letztlich von den Jagdpächtern reguliert werden müsse, sei deutlich gestiegen. Nicht zuletzt in direktem Zusammenhang mit den drastisch erhöhten Getreidepreisen. Die Vermehrung des Schwarzwildes bedeutet gleichzeitig, dass Wildschweine verstärkt Verkehrsunfälle auf öffentlichen Straßen provozieren, die durch Waldgebiete führen, warnt Reinhold Siegmann aus Möllenbeck als stellvertretender Kreisjägermeister. Dafür sprechen die Zahlen: Nach nur fünf Schweinen im Vorjahr seien im gerade auslaufenden Jagdjahr 25 Tiere als sogenanntes Fallwild zu Tode gekommen, die meisten davon im Straßenverkehr. Eine erhöhte Gefahr durch Wildschwein-Attacken auf Wanderer im Wald sieht Siegmann nicht. Dann jedenfalls nicht, wenn man sich an die Spielregeln halte. So sei es ratsam, den Bachen, also den Muttertieren, aus dem Wege zu gehen und sich nicht ihren Kinderstuben im Unterholz zu nähern: "Die Bachen zeigen den Menschen in der Regel durch lautes Warnen an, wenn man Gefahr läuft, ihnen zu nahe zu kommen." Dann sei ruhiger und deutlich angezeigter Rückzug die sicherste Lösung. Absolut gefährlich für den Laien sei es, sich verletzten Tieren zu nähern oder solchen, die sich in die Enge getrieben fühlten. Die Wahrscheinlichkeit, in der freien Natur Wildschweinen zu begegnen, hat sich während der letzten Jahre deutlich erhöht, so Siegmann. "In unserem Bereich waren früher Möllenbeck und Friedrichsburg die einzigen ausgesprochen Sauenreviere." Inzwischen sind Wildschweine flächendeckend in allen Ortsteilen zu finden von den Taubenbergdörfern bis hinunter ins Wesertal, bestätigt der Jahresbericht von Hegeringleiter Thomas Friedrichs. Die Schwarzkittel haben durchaus ihren Reiz für den Waidmann, belegt Petra Mergel. Die Kalletalerin, die seit neun Jahren den Jagdschein besitzt, zeigte auf einem Ehrenplatz in der Trophäenschau zur Hegeringversammlung die mächtigen Hauer eines kapitalen Keilers, den sie in der vergangenen Saison erlegt hatte. Ein kräftiger Bursche, mit dem nicht zu spaßen gewesen sei. Auch Petra Mergel warnt, dass bei der Begegnung mit Bachen Vorsicht geboten sei, das habe sie persönlich hautnah miterlebt. Und das sogar bei einem Besuch in einem Wildgehege, mit Tieren, die eigentlich an die Nähe von Menschen gewöhnt seien. Eine Bekannte, die ihr Kleinkind vor einer herannahenden aggressiven Bache in Sicherheit habe bringen wollen, sei von dem Tier schmerzhaft in den Rücken gebissen worden. Petra Mergel empfiehlt deshalb Spaziergängern: "Zurzeit sollte man sich ausschließlich auf den regulären Wegen halten." Thomas Friedrichs verwies auch auf die Wildgänse, die in jüngerer Vergangenheit besonders den Landwirten Probleme bereiteten, weil sie die Felder abweiden. Die gute Nachricht für die Landwirte: Mit Änderung des Jagdschutzgesetzes gehört unter anderen auch die Nilgans zum jagdbaren Wild und darf vom 1. August bis zum 31. Januar geschossen werden.



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