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Bernhard Gelderblom berichtete über jüdisches Leben in Hameln und Umgebung

Wenn der Schrecken ein Gesicht bekommt

Elze. Fotos und Informationen lieferte der Pädagoge und Historiker Bernhard Gelderblom jetzt Schülern der Christophorusschule in Elze. Er berichtete über das Schicksal jüdischer Familien, die bis zur Zeit des Nationalsozialismus in Hameln und Umgebung lebten.

veröffentlicht am 07.11.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 23:21 Uhr

Zum Einstieg gab der Geschichtsexperte einen Überblick über Gründe, die zum Hass auf die Juden geführt haben können. Anhand von Abbildungen oder Skulpturen zeigte er die vor allem im Mittelalter verbreitete Vorstellung, dass Jesus Christus von Juden getötet wurde. Diese und andere an den Haaren herbeigezogenen Gerüchte ziehen sich durch die gesamte europäische Geschichte und führten schon in früheren Jahrhunderten zu Diskriminierungen. So wurden z. B. Juden in Deutschland gezwungen, sich einen Schutzbrief zu kaufen, der ihnen für einige Jahre den Aufenthalt in Städten genehmigte. Nur wenige berufliche Tätigkeiten waren ihnen damit erlaubt, was dazu führte, dass für Juden nur etwa ein Prozent aller Berufsmöglichkeiten in Frage kam, alle ausschließlich auf den Handel beschränkt. „Diese Schwerpunkte kann man auch in Hameln sehen.“

Gelderblom zeigte eine große Auswahl an Fotografien aus dem Stadtzentrum Hamelns aus der Zeit um das Ende des 19. Jahrhunderts bis zur Ära des Nationalsozialismus. Viele heute noch existierende Gebäude waren damals Geschäftsräume jüdischer Händler oder auch jüdischer Ärzte bzw. Rechtsanwälte. „Natürlich waren nicht alle Juden wohlhabend, allerdings sind die Überlieferungen über das Leben der wohlhabenden häufiger und wesentlich detaillierter vorhanden“, erläuterte der Historiker.

Die beruflichen Diskriminierungen wurden im Laufe der Zeit abgeschafft. Mit Beginn des Ersten Weltkrieg wurde ihnen auch erlaubt, Offizier zu werden, denn es meldeten sich viele Juden freiwillig zum Kriegsdienst, da sie „stolz waren, ein Opfer für ihre Heimat bringen zu dürfen“, so Gelderblom.

Nur wenige Juden schenkten den Warnungen einiger ihrer Religionsgenossen Glauben. Diese Gruppe war sich sicher, dass die Verhältnisse in Deutschland bald schlechter werden würden. So konnten sich auch nur wenige zur Emigration entschließen.

Ab dem 1. April 1933 wurde das Leben der Juden dann auch in Hameln und Umgebung langsam, aber sicher zur Hölle: Die Nationalsozialisten zwangen sie, sich durch Kleidung und den Judenstern kenntlich zu machen, riefen zum Boykott der jüdischen Geschäfte auf. Erster Höhepunkt war auch in Hameln die Zerstörung der Synagoge in der Reichskristallnacht 1938. Ab 1942 begannen die Deportationen der Juden aus Hameln, ihre Besitztümer wurden von der städtischen Finanzkasse vereinnahmt. „Über 100 Juden sind aus Hameln deportiert wurden; keiner hat überlebt“, so die traurige Erkenntnis aus Gelderbloms Forschungen. Nach dem Mauerfall haben sich in Hameln zahlreiche osteuropäische Juden angesiedelt und eine jüdische Gemeinde aufgebaut. Eine Synagoge wurde am Standort der von den Nazis zerstörten Synagoge neu gebaut.

Hinrich Diekmann, Mitglied der Schulleitung der CJD Christophorusschule Elze, begrüßt den Historiker und ehemaligen Gymnasiallehrer Bernhard Gelderblom.



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