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Familie Jameson feiert Richtfest - und hat nach dem Großbrand erleben dürfen, was Hilfe ist

Wenn der fremde Nachbar plötzlich klingelt

Schoholtensen (rnk). Schlichtüberwältig seien er und seine Familie gewesen: Die Nachbarn hätten noch spät abends an der Tür der Sozialwohnung geklingelt und einen Korb voller Wäsche vorbeigebracht. Und Kleidung. Und Bettwäsche: "Von wildfremden Menschen, die ich noch nie gesehen habe und die einfach nur helfen wollten."Henry Jameson war vorgestern die Rührung deutlich anzumerken, als er mit seiner Familie Richtfest feierte - dort, wo vor Monaten ein Großbrand den ehemaligen Scheckenhof zerstörte und damit seiner Familie und ihm das Dach über den Kopf raubte. Rund 10 000 Euro seien dann auf einem Spendenkonto eingegangen, erzählt Jameson - und mag es selber kaum glauben, denn erst vor acht Jahren ist er mit seiner Frau Ulrike und den Söhnen Marc, Kevin und Steven ins Auetal gezogen, ist also beileibe kein Einheimischer, der seinen Auetaler Stammbaum Jahrhunderte zurückverfolgen kann.

veröffentlicht am 25.08.2006 um 00:00 Uhr

Nach alter Väter Sitte haut der Bauherr den letzten Nagel selber

Rückblende. Ende Januar 2006 können sich Henry und Ulrike Jameson mit ihren zwölf bis 17 Jahre alten Kindern Steven, Kevin und Marc gerade noch retten: 144 Einsatzkräfte von Auetaler und am Ende auch Rintelner Feuerwehren sind machtlos und können den brennenden "Scheckenhof", nach dem Umbau zumWohnhaus das Heim der Familie Jameson, nicht retten. Nun besitzen sie nur noch das, was sie am Leib trugen und sind obdachlos. Das Haus ist abbruchreif, die Ruine darf aus Sicherheitsgründen nicht betreten werden. Der Schaden beläuft sich nach ersten Schätzungen auf rund 200 000 Euro. Die Brandursache konnten die Spezialisten der Polizei bis heute nicht ermitteln. Noch am Unglückstag hatte die Gemeinde Auetal in Schoholtensen behelfsmäßig eine kleine Wohnung zur Verfügung gestellt. Obwohl die Nachbarn und die Dorfgemeinschaft eine erste Hilfsaktion starteten, fehlte das Nötigste zum Leben. Ortsvorsteher und Brandmeister Wilhelm Riebe rief zur Spendenaktion auf - mit Erfolg. Vorgestern wurde nun auf dem Gelände des niedergebrannten Hauses Richtfest gefeiert. Und eingeladen waren vor allem die Spender aus Schoholtensen und vom Sundern - weil dort gelebte Solidarität mit der Nachbarschaft kein Fremdwort ist.

Der Rohbau steht: Henry und Ulrike Jameson mit ihren Kindern Mar
  • Der Rohbau steht: Henry und Ulrike Jameson mit ihren Kindern Marc, Steven und Kevin.
Ende Januar brennt das Wohnhaus der Familie nieder. Die Ursache
  • Ende Januar brennt das Wohnhaus der Familie nieder. Die Ursache bleibt ungeklärt.
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