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Vermeintliche Kleinigkeiten können für Arbeitnehmer böse Folgen haben – hier die skurrilsten Fälle

Wenn der Brötchenaufstrich den Job kostet …

Weserbergland/Berlin (fh). Die Marktkauf-Mitarbeiter aus Rinteln sind erleichtert: Weil sie von unverkäuflicher Ware – Gummibärchen und Schokoriegeln – genascht hatten, warf ihn ihr Arbeitgeber Diebstahl vor und stellte sie vor die Wahl: Freiwillige Kündigung oder fristlose Entlassung plus Anzeige. Das Arbeitsgericht Hameln erklärte die Kündigungen in dieser Woche für unwirksam. Auch in anderen Fällen hatten vermeintliche Kleinigkeiten für Arbeitnehmer immense Auswirkungen. Ein Rückblick.

veröffentlicht am 11.09.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:01 Uhr

Beim Brötchenaufstrich bedient – entlassen: Dem Mitarbeiter einer Bäckereikette wurde gekündigt, weil er sich im vergangenen Jahr Brotaufstrich aus bäckereieigener Produktion auf sein Frühstücksbrötchen strich. Das Arbeitsgericht Dortmund hatte im März der Klage des Mannes aus formalen Gründen stattgegeben. Das Bäckereiunternehmen legte Berufung ein. In der kommenden Woche beginnt vor dem Landesarbeitsgericht in Hamm der Revisionsprozess.

Pfandbons an sich genommen – gefeuert: Das Berliner Arbeitsgericht hat der Kaisers Tengelmann AG in diesem Frühjahr Recht gegeben, die einer Kassiererin nach 31 Dienstjahren fristlos kündigte, weil sie sich Pfandbons im Wert von 1,30 Euro angeeignet haben soll. Es käme nicht auf den Wert der Pfandbons an, argumentierten die Richter. Maßgeblich sei, dass das Vertrauensverhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer nachdrücklich zerrüttet sei.

Kündigung wegen 60 Cent: In Frankreich geht es auch anders: Ein Supermarkt in Auneau, südwestlich von Paris, hat eine Kassiererin gefeuert, weil sie angeblich 60 Cent unterschlagen hatte; ein Arbeitsgericht in Versailles erklärte die Kündigung jedoch für ungültig und sprach der Frau 17 380 Euro als Entschädigung zu. Der Chef der französischen Supermarktfiliale hatte seine Angestellte im November 2007 beschuldigt, die Einkäufe eines Kunden auf ihrer Rabattkarte gutgeschrieben zu haben.

Handy am Arbeitsplatz aufgeladen – gefeuert: In Oberhausen wurde einem Arbeiter eines Industrieunternehmens fristlos gekündigt, weil er sein privates Handy am Arbeitsplatz auflud. Das Arbeitsgericht Oberhausen schlug einen Vergleich vor, da es die Schadenssumme als zu geringfügig betrachte. Die Streitparteien haben noch bis Ende Oktober Zeit, sich zu entscheiden, ob sie dem Vergleich zustimmen.

Kündigung wegen Homosexualität: Einem 53-jährigen Mitarbeiter, der seit 25 Jahren beim Kolpingwerk beschäftigt ist und seit zehn Jahren für die pädagogische Betreuung im Jugendwohnhaus in Frankfurt zuständig ist, wurde fristlos gekündigt. Als Kündigungsgrund gab der Arbeitgeber offiziell die Homosexualität des Mitarbeiters an. Dieser hatte im Internet in einem Schwulen-Forum das Chatprofil des betreffenden Mitarbeiters entdeckt. Aus diesem Grunde sei er nicht mehr tragbar. Das Arbeitsgericht Frankfurt erklärte die Kündigung jedoch für unwirksam: Außerdienstliches Verhalten könne kein Anlass zur Kündigung sein.

Kinderbett gerettet – entlassen: Ein Müllmann in Mannheim hat ein Kinderbett vom Sperrmüll gefischt – und wurde rausgeschmissen. Das Verhalten des Mitarbeiters sei nicht korrekt gewesen, erklärte das Arbeitsgericht Mannheim, dennoch sei die Kündigung unwirksam. Sie verstoße gegen den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit. Das Bett sei für den Arbeitgeber wertlos gewesen.

Wann darf der Chef

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