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Polizei legt Kriminalstatistik 2005 vor und warnt vor Internet-Betrügern und Taschendieben

Weniger Wohnungseinbrüche, mehr Sex-Täter

Rinteln (wm). Die Internet-Kriminalität werde in Zukunft das Thema, schilderte Uwe Steding, Kriminalhauptkommissar und Leiter des Kriminal- und Ermittlungsdienstes beim Polizeikommissariat, anlässlich der Vorstellung der Kriminalstatistik für 2005. Hier könne man nur an alle Bürger appellieren, "misstrauisch zu sein und lieber einmal mehr bei der eigenen Bank nachzufragen, wenn beim Online-Banking zuhause plötzlich Meldungen wie ,Adresse hat sich geändert' oder ,Fehler im System' auftauchen", denn schnell könnte ein Betrüger dahinter stecken.

veröffentlicht am 24.04.2006 um 00:00 Uhr

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Gleiches gelte für den Kauf von Artikeln aus dem Internet, Schnäppchenjagd oft eine Falle, wenn Markenware unglaublich günstig angeboten werde: "Geiz ist geil" sei hier das falsche Motto. Steding warnt auch vor dem leichtfertigen Umgang mit Kreditkarten im Ausland, besonders in der Türkei und Südamerika, dort sei das Risiko groß, dass Kreditkartendaten kopiert werden. Verschwinde ein Ladenbesitzer oder Gastwirt mit der Kreditkarte für längere Zeit in einem Nebenraum, sollten die Alarmglocken schrillen und man unter Umständen die Karte sperren lassen. Gewalt an Schulen, schilderten Steding und Gerhard Bogorinsky, Polizeihauptkommissar und Leiter des Kommissariats, sei in Rinteln zum Glück nicht das große Problem wie bundesweit zurzeit diskutiert. Hier habe sich die Schulpatenschaft der Polizei bewährt, die Lehrern direkte Ansprechpartner biete, betonte Bogorinsky. Seien Schulen früher bei der Einschaltung der Polizei sehr zurückhaltend gewesen, habe sich das geändert: "Wirhaben ein gutes Vertrauensverhältnis." Im Vorjahr sei durch Straftaten im Bereich des Polizeikommissariats ein wirtschaftlicher Schaden von rund 1,2 Millionen Euro entstanden, bilanzierte Uwe Steding. Gleichzeitig könne man aber bei insgesamt 2240 Straftaten einen Rückgang um 125 Fälle gleich 5,37 Prozent melden. Erfreulich sei die Aufklärungsquote, die mit 58,7 Prozent über dem Landesschnitt liege. Auffallend sei mit 40 Delikten die hohe Zahl der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung, was Steding wie Bogorinsky vor allem auf die Aufklärungsarbeit unter anderem des Kinderschutzbundes und anderer Organisationen zurückführen. Das bedeute nicht automatisch, dass es mehr Delikte gebe, die seien früher nur nicht angezeigt worden, sondern "hier hellt sich für uns ein Dunkelfeld auf", erläuterte Bogorinsky. Den Großteil aller Straftaten machen im Bereich des Polizeikommissariats mit 39 Prozent, das sind 873 Fälle, die Diebstähle aus. Dazu beigetragen haben unter anderem zwei Frauen, die sich auf Geldbörsendiebstähle spezialisiert haben und nach Erkenntnissen der Polizei zwischen Wunstorf und Bad Oeynhausen tätig sind. Steding schilderte, wie so ein Taschendiebstahl vor sich gehen kann: Da erzähle eine Frau, können sie mir bitte sagen, was auf dem Etikett steht, ich habe meine Brille vergessen, während ihre Komplizin der Kundin in die Tasche greife. Leider seien hier viele Leute auch sehr sorglos. Deshalb werde die Polizei auch in diesem Jahr wieder beim Altstadtfest, den Messen und bei der Großveranstaltung "Doktorsee in Flammen" wie auf dem Weihnachtsmarkt präventiv tätig. Deutlich zurückgegangen, so Steding, seien Tageseinbrüche in Wohnungen. Neun Fälle habe man im letzten Jahr registriert. Steding warnte vor übertriebenem Optimismus: Das könne sich vor dem Hindergrund der Fußballweltmeisterschaft, die auch Kriminelle - durchreisende Banden - anziehe, schnell wieder ändern. Auch eine Zunahme der Tankbetrügereien sei angesichts der Spritpreise möglich, hier müssten die Tankstellen mit entsprechender Technik gegensteuern und bei der Aufklärung helfen. Bei den Rohheitsdelikten (13 Prozent aller Straftaten, gleich 281 Fälle) sei die Mehrzahl Körperverletzung, die klassische Schlägerei eben, schildere Steding. Als Schwerpunkt habe man hier die Bahnhofsstraße im Blick - wohl bedingt durch das dortige Nachtlokal. Positiv sei, dass das DNA-Verfahren die Aufklärung lange zurückliegender Straftaten ermögliche, berichteten Bogorinsky und Steding. So habe man beispielsweise einen Pkw-Aufbruch im Auetal, der sich vor Jahren ereignet habe, jetzt anhand von minimalen Blutspuren aufklären können.

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