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Polizei veröffentlicht Zahlen zu Notunterkunft: Von 462 Straftaten nur 13 in Zusammenhang mit Flüchtlingen

„Weniger Probleme als erwartet“

Rinteln. Als vor drei Monaten die Notunterkunft in der Prince Rupert School eröffnet wurde, dominierten Sorge und Angst die erste Bürgerversammlung. Von Ausschreitungen und heftigen Straftaten in Unterkünften anderer Städte wurde berichtet und eine ähnliche Entwicklung in Rinteln befürchtet. Nun ist Zeit für eine Zwischenbilanz:

veröffentlicht am 21.01.2016 um 19:15 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 12:50 Uhr

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Stv. Chefredakteur zur Autorenseite

„Wir hatten weniger Probleme als erwartet“, sagt Polizeichef Wilfried Korte gleich zu Anfang des Gesprächs, an dem auch Streifendienstleiterin Daniela Kempa und Kripo-Chef Jörg Stuchlik teilnehmen. Am Anfang, da habe man noch zusätzliche Kräfte der sogenannten „Verfügungseinheit“ der Polizei nach Rinteln verlegen lassen. Drei bis vier Wochen waren die Beamten zusätzlich vor Ort. „Wir wussten ja nicht, was auf uns zu kommt“, so Stuchlik. Aber schnell war klar: Es ist überraschend ruhig in der Prince Rupert School. Die Verstärkung war nicht notwendig, „kann aber je nach Tageslage sofort herbeigerufen werden“.

Im Zeitraum vom 14. Oktober (der Eröffnung der Unterkunft) bis zum 19. Januar sind im Polizeikommissariat Rinteln insgesamt 462 Straftaten registriert worden. 13 davon haben einen Zusammenhang einen mit Bewohnern der Prince Rupert School. 13 Straftaten, bei denen entweder die Tat selbst im Wilhelm-Busch-Weg stattgefunden hat, oder der Täter im Wilhelm-Busch-Weg lebt. „Das sind 2,8 Prozent aller Straftaten in diesem Zeitraum“, erklärt Korte.

Unter diesen 13 Straftaten befinden sich acht Körperverletzungen, in allen acht Fällen handelte es sich sowohl bei Täter als auch Opfer um einen Bewohner der PRS. „Das waren normale Auseinandersetzungen“, erklärt Korte, keine Massenschlägereien, keines der Opfer musste stationär ins Krankenhaus eingeliefert werden. Zwei der Körperverletzungen seien der häuslichen Gewalt zuzuordnen. Außerdem seien zwei Fälle von Bedrohung registriert worden, ebenfalls beide im Rahmen von häuslicher Gewalt. Zwei Männer seien aufgrund dessen auch der Flüchtlingsunterkunft verwiesen worden, einer nach Braunschweig, einer nach Bramsche verlegt worden.

Außerdem gab es einen Fall von Sachbeschädigung und einen Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz, über den unsere Zeitung berichtete. Hinzu kam ein Fall von übler Nachrede mit sexueller Grundlage zum Nachteil eines weiblichen Flüchtlings. In diesem Fall war der Täter kein Bewohner der Unterkunft. Insgesamt waren es also 13 Straftaten.

Ein direkter Vergleich, ob Flüchtlinge straffälliger sind als die Gesamtbevölkerung, ist schwer möglich, da in der Prince Rupert School eine hohe Fluktuation herrscht und regelmäßig Menschen an- und abreisen. Geht man von der maximalen und bleibenden Belegung von 600 Personen aus, handelt es sich dabei um 2,21 Prozent der Gesamtbevölkerung Rintelns von aktuell 27155 Personen. Diese hätten dann 2,8 Prozent der Straftaten im betrachteten Zeitraum begangen haben. In Anbetracht der Unterbringung in einer Massenunterkunft, die mit wenig Privatsphäre, kaum Beschäftigungsmöglichkeit und der allgemeinen Perspektivlosigkeit vieler Flüchtlinge viele zusätzliche Gründe für Probleme bietet, kein überraschender Wert.

Mit der DRK-Heimleitung und dem Sicherheitsunternehmen SDS gebe es eine sehr gute Zusammenarbeit, „über das normale Maß hinaus.“ „Wir werden schnell über Verdachtsfälle informiert“, sagt Stuchlik.

Vonseiten der Polizei werde die Situation in der Flüchtlingsunterkunft außerdem täglich beurteilt. Nicht nur von Korte, Stuchlik und Kempa, sondern auch durch die Polizeiinspektion in Nienburg und den Polizeipräsidenten. „Natürlich haben wir wegen der Unterkunft mehr zu tun“, sagt Korte. „Aber es hat sich herausgestellt, dass wir zusätzliche Beamte der Verfügungseinheit nicht benötigen.“

Ein Grund könnte das große bürgerschaftliche Engagement in Rinteln sein. Während in der Großstadt Bürger genauso wie Flüchtlinge leichter in der anonymen Masse untergehen, hat man sich in Rinteln der Schutzsuchenden in der Prince Rupert School angenommen. Neben der bewundernswerten und nicht immer leichten Arbeit der hauptamtlichen Mitarbeiter des DRK und des Sicherheitsdienstes, die weit über dem normalen Maße engagiert sind, lobte Korte auch die Ehrenamtlichen.

Frustration und Lagerkoller könnten durch die Arbeit der Rintelner, die sich in Vereinen, Kirchen und Organisationen für Flüchtlinge engagieren, verhindert werden. Prävention im besten Sinne.

„Sonstige Einsätze“ der Polizei im Zusammenhang mit der PRS:

Zu den 13 registrierten Straftaten kommen noch 28 Polizeieinsätze, mit Tatort oder Wohnort in der PRS, die bei der Polizei unter „sonstige Einsätze“ registriert sind und keine Straftaten darstellten. Dazu erklärt Polizeichef Korte, dass die Sicherheitsleute, im Fall der Fälle schnell die Polizei zu rufen. „Das ist auch gut so, denn wir wollen Präsenz zeigen.“ Aus den Einsatzberichten gibt Korte eine Reihe von Beispielen:

Der Sicherheitsdienst meldete, ein Auto fahre vor der PRS auf und ab und spiele rechtsradikale Musik. „Tatsächlich handelte es sich nur um Deutschrock.“

Ein Bürger beklagte sich über die gestiegene Verkehrsdichte, sein Parkplatz sei zugeparkt. „Auch wegen so etwas werden wir gerufen.“

Ein betrunkener Flüchtling zeigte sich gegenüber dem Sicherheitsdienst uneinsichtig und warf einen Tisch um.

Vor der Unterkunft sei ein Infostand mit arabischen Schriftzeichen aufgebaut worden – möglicherweise Salafisten? „Tatsächlich handelte es sich um Zeugen Jehovas.“



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