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Auch Spenden und Einnahmen rückläufig / Rücklagen bald aufgebraucht / Defizit von 4000 Euro

Weniger Leser: Steht Stadtbücherei vor dem Aus?

Obernkirchen (sig). Es sieht zurzeit nicht gut aus um die Zukunft der städtischen Bücherei. Die Einnahmen gehen zurück. Das Spendenaufkommen ebenfalls. Und die Rückgriffe auf die Rücklagen nehmen deutlich zu; spätestens Ende 2008 sind sie erschöpft. Dann müssen die Defizite aus dem Haushalt der Stadt abgedeckt werden - oder die Bücherei müsste geschlossen werden.

veröffentlicht am 30.01.2007 um 00:00 Uhr

Da hilft auch aller Einsatz der Eulen nicht: Die Einnahmen, die

Büchereileiterin Renate Külb weiß, dass ohne die ehrenamtlich geleistete Hilfe ihres 15-köpfigen "Eulen-Teams" schon längst alle Lichter in dem historischen Fachwerkbau erloschen wären. Doch die Zahl der Entleihungen ist gegenüber 2005 zurückgegangen, bei Romanen von 5758 auf 5053, bei Sachbüchern von 2175 auf 1695, bei Jugendbüchern von 2328 auf 2100 und bei Hörbüchern von 786 auf 768. Das bedeutet insgesamt ein Rückgang von 11047 auf 9616. Gesunken ist auch die Zahl der erwachsenen Leser, und zwar von 347 auf 322. Bei den Jugendlichen geht es dagegen erfreulicherweise bergauf. Hier lesen jetzt 103 Jungen und Mädchen statt vorher 75. Angewachsen ist ebenso die Schar der lesenden Schüler in den Klassen (251 statt 180). Diese Entwicklung findet ihren Niederschlag auf der Einnahmenseite. Die für die Ausleihungen bezahlten Gebühren sind auf 3295,50 Euro gesunken, die Spenden aber auch. Obwohl schon bei den Neuanschaffungen deutlich gespart wurde, gab es am Jahresende ein Defizit in Höhe von fast 4000 Euro. Das lässt sich aufgrund eines größeren Spendenbetrages in der Vergangenheit abdecken. Die Rücklage reicht auch noch für den Sollausgleich am Ende dieses Jahres. Doch danach ist alles weitgehend aufgebraucht. Bei einem weiteren Jahr mit einem ähnlichen Defizit müsste schon die Stadt einspringen. Bürgermeister Horst Sassenberg bedauerte den deutlichen Rückgang des Spendenvolumens. Er nahm Anstoß an der Höhe der Bewirtschaftungskosten, über die er eine detaillierte Auskunft haben möchte. Renate Külb erwähnte lobend die Sparkasse, die eine Spende gab, für die spezielle Lektüre zur Fußballweltmeisterschaft angeschafft wurde. Insgesamt sind 2000 Euro für Neuanschaffungen und für die Bestandspflege ausgegeben worden. Stadtdirektor Wilhelm Mevert befürwortet trotz der rückläufigen Entwicklung den Erhalt der städtischen Bücherei. Er regte an, sich noch um die Unterstützung durch weitere Firmen zu bemühen. Wenn man auf diesem Weg nicht entscheidend vorankomme, könne man vielleicht Mittel vom Stadtmarketing abzweigen, lautete sein Vorschlag. Renate Külb hatte in ihrem Rückblick auch noch daran erinnert, dass im Vorjahr von der Bücherei etliche Veranstaltungen angeboten worden sind. Sie nannte unter anderem eine Wanderung, eine Lesung im Brockmannschen Garten sowie Präsentationen im Sonnenbrinkbad, beim Wellnesstag und beim Adventsmarkt. Esgab außerdem eine Reihe von Klassenführungen und immerhin 5580 Besucher, was sich aber nicht in der Leserkartei niederschlug. Noch bis Ostern fortgesetzt werden soll die Aktion "Leser werben Leser". Eine Bücherei sei auch in Zeiten knapper Kassen unverzichtbar, unterstrich Renate Külb. Sie bereichere das Bildungsangebot einer Kommune. Andreas Hofmann erklärte in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Partnerschaften und Kultur dazu: "Was die ehrenamtlichen Kräfte in der Bücherei geleistet haben, ist vorzeigenswert. Auf ihren wichtigen kulturellen Beitrag möchte auch ich im Interesse der Einwohnerschaft nicht gern verzichten." Adolf Bartels ergänzte: "Uns könnte zum Beispiel auch eine Erbschaft weiter helfen; die Öffentlichkeit muss wissen und erkennen, dass wir hier Hilfe benötigen."

Das Gebäude der Stadtbücherei ist gerade erst saniert worden.
  • Das Gebäude der Stadtbücherei ist gerade erst saniert worden.


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